

Pier 16, direkt hinter dem Bahnhof Amsterdam Central lag das umgebaute holländische Flussschiff Seresta vor Anker, das uns eine Woche auf einer Radreise durch den Westen Hollands als schwimmendes Hotel begleitete. Von weitem schon konnte man das weißblaue Schiff mit den Mieträdern auf dem Oberdeck ausmachen.

Die hübschen grün-weiß gestrichenen Häuser findet man noch oft auf dem Land rund um Amsterdam. Unten: Die „Seresta“, das schwimmende Radlerhotel, bietet 75 Passagieren Platz.
Einchecken hieß es. Kapitän Peter und seine Crew verteilten die Kabinenschlüssel und Tourbeschreibungen. Die Seresta zählt zu den Komfortschiffen, wenngleich man sich zuerst an die Enge in der Doppelkabine mit der kleinen Fensterluke gewöhnen musste. Die Koffer passten gerade unter die Einzelkojen, nachdem das Nötigste in einem Minischrank deponiert war. Als Komfort empfanden wir das integrierte Bad mit Waschtisch, Dusche und WC. Der Aufenthaltsbereich an Deck mit Salon, Bar sowie einem weitläufigen Sonnendeck war großzügig.
Nach der ersten Nacht an Bord, noch während des Frühstücks, schipperte die „Seresta“ bis zum Amsterdam-Rijn-Kanal. Dort wurden wir mit Hollandrädern ausgestattet und als Individualradler auf die erste Etappe nach Utrecht geschickt. Der Wind blies kräftig von vorn, wie so oft in Holland, und die ganze Woche blieb dies auch so. Die 46 gestarteten Radler verteilten sich schnell auf den verwinkelten, verkehrsarmen Wegen entlang der Polder, Wiesen und Kanäle. Aber an der ersten Käserei fanden alle wieder zusammen und folgten aufmerksam den Erläuterungen der Bäuerin, wie die frische Milch zu Käse verarbeitet wird. Bei der Verkostung des jungen Gouda war die Qualität so überzeugend, dass jeder seine Tagesverpflegung mit einem Stück Käse ergänzte.
Beim Weiterradeln beeindruckten die Vielfalt der Landschaft, der schöne Blumenschmuck in den herausgeputzten Dörfern, die Villen und Herrenhäuser inmitten ihrer Parkanlagen.
Am Stadtrand von Utrecht war es zunächst mit der Idylle vorbei. Die heimischen Radfahrer wuselten sich durch den dichten Straßenverkehr. Wir brauchten etwas Mut, es ihnen gleichzutun, zumal wir mit den niederländischen Verkehrsregeln für Radler kaum vertraut waren.
Nach einer ausgiebigen Stadtbesichtigung fanden alle die „Seresta“ am vorgegebenen Liegeplatz. An Bord erwartete uns das gemeinsame Abendessen.
Spätabends wurde die nächste Etappe anhand des Kartenmaterials erläutert und die Sehenswürdigkeiten eingetragen. Wettervorhersagen gab es auch. Und wegen eines Sturmtiefs änderte der Kapitän für die nächsten Tage Route und Liegeplätze. Nebeneffekt: Wir lernten die Städte Gouda und Rotterdam noch außerplanmäßig kennen, mussten dafür aber einmal eine längere Tagesetappe von Rotterdam über Delft, Den Haag, Scheveningen nach Leiden in Kauf nehmen.
Wenn einem die Strecke zu schwierig erschien oder einem der Wind zu kräftig blies, konnte man einen Streckenabschnitt oder den Tag auf dem Schiff verbringen und die Umgebung vom Salon oder Sonnendeck aus genießen.
Die schönsten Orte entdeckten wir aber mit dem Rad. Da waren die Kanäle mit den Zugbrücken, die Windmühlen, die Dünenlandschaften und der Strand an der Nordsee zwischen Scheveningen und Zandvoort, das Museumsdorf Zaanse Schans sowie das Naturreservat Het Twiske bei Amsterdam.
Außer Landschaft und Natur gab es Gelegenheit, Einblick in die Kulturgeschichte der Niederlande zu nehmen, zum Beispiel beim Besuch
der Porzellanmanufaktur in Delft, der Kirchenkunst in der St. Janskerk in Gouda, im Frans-Hals-Museum in Harlem und im Rijksmuseum in Amsterdam mit der Sammlung von Meisterwerken berühmter niederländischer Maler. Eine Grachtenfahrt in Amsterdam, Utrecht oder Delft gehörte auch zum Muss.
Die Radetappen von 35 bis 60 Kilometer waren zeitlich gut zu bewältigen. Das Streckenprofil ist eben, nur der Wind erwies sich als stetiger Begleiter. Manfred Röhrig
- Informationen: ETs-Radreisen GmbH, Im Lochgarten 64, 51147 Köln, Telefon: 0 22 03/96 60 80, Fax: 0 22 03/96 60-5 16, Internet: www.
ets-radreisen.de, oder Eurofun Touristik GmbH, A-5162 Obertrum, Mühlstraße 20, elefon: 00 43-62 19-74 44, Fax: 00 43-62 19-82 82, Internet: www.eurobike.at.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.