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NACHRICHTEN

Genitalverstümmelung: Ein Thema auch jenseits von Afrika

PP 4, Ausgabe Mai 2005, Seite 197

Rieser, Sabine

Unklare Rechtslage: Wie weit geht die ärztliche Schweigepflicht?
Der Berufsverband der Frauenärzte legt Ergebnisse einer Studie mit UNICEF und Terre des Femmes vor.

Knapp 60 000 Afrikanerinnen in Deutschland stammen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus Ländern, in denen weibliche Genitalbeschneidung praktiziert wird. Genaue Angaben, wie viele von ihnen betroffen sind, gibt es nicht. Daran ändert auch eine Umfrage des Berufsverbands der Frauenärzte, von UNICEF und Terre des Femmes nichts, die Anfang April in Berlin vorgestellt wurde. Gleichwohl enthält die Auswertung „Schnitte in Körper und Seele“ interessante Daten und aufschlussreiche Informationen zum Thema Genitalverstümmelung.
Anfang des Jahres wurde der Zeitschrift „Frauenarzt“ ein Fragebogen beigelegt, den vier Prozent der befragten 13 000 Ärztinnen und Ärzte zurückschickten. Es antworteten zur Hälfte diejenigen, die bereits beschnittene Mädchen und Frauen behandelt hatten, und mehr Gynäkologinnen als Gynäkologen. „Die Frauen gehen weniger zu Ärzten, die Hemmschwelle ist einfach zu groß“, wird die Frauenärztin Petra Jäger-Hirn zitiert. Zu ihr kommen beispielsweise viele somalische Flüchtlingsfrauen, oft „mit massivsten Problemen wie vernarbtem Gewebe oder chronischen Entzündungen“.
Jäger-Hirn lernte erst in der Praxis, mit beschnittenen Frauen umzugehen, denn während des Studiums sei weibliche Genitalverstümmelung kein Thema gewesen. Insgesamt haben rund 450 der knapp 500 Frauenärztinnen und -ärzte, die geantwortet haben, betont, an Fortbildung interessiert zu sein.
Dies hat wohl auch mit der Rechtslage zu tun. In der Studie heißt es: „Beschneidung ist in Deutschland zwar verboten und wird als Körperverletzung geahndet. Doch damit sind längst nicht alle Fragen geklärt. Muss zum Beispiel ein Arzt seine Schweigepflicht brechen, wenn er davon erfährt, dass eine Patientin ihre Tochter entweder in ihrer Heimat oder heimlich in Deutschland beschneiden lassen will?“
Dass dies vorkommt, belegt die Befragung. 35 Teilnehmer hatten Kontakt mit Patientinnen, die Töchter in Afrika beschneiden lassen wollten, 48 hatten von Verstümmelungen in Deutschland gehört. 35 Befragte wurden mit dem Anliegen konfrontiert, nach der Geburt die Scheide einer Patientin bis auf eine kleine Öffnung wieder zuzunähen. Drei Gynäkologen wurden gefragt, ob sie ein Mädchen beschneiden würden.
Der Berufsverband der Frauenärzte, UNICEF und Terre des Femmes empfehlen:
- Wie in der Schweiz sollte es Richtlinien für die Behandlung/Beratung beschnittener Frauen/Mädchen geben.
- Das Thema sollte in der Ausbildung von Ärzten, Psychologen und Sozialarbeitern vorkommen.
- Die Frauen/Mädchen brauchen mehr Beratung und Information. Deshalb sollte es in Praxen und Gesundheitsämtern Informationen und spezielle Angebote geben. Rie
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