BRIEFE
EBM 2000plus: Tausendseitige Zwangsverordnung
PP 4, Ausgabe Mai 2005, Seite 222


Mit gespannter Erwartung haben wir im DÄ den Beitrag zum neuen EBM gelesen, bewegt uns doch im Kollegenkreis seit Wochen kein Thema mehr als diese tausendseitige Zwangsverordnung. Da war von einem Werk die Rede, das in mehr als 70 Zwischenstadien gereift sei, Anregungen ärztlicher Berufsverbände seien eingeflossen; von „nachvollziehbarer betriebswirtschaftlicher Bewertung“ und „morbiditätsorientierter Vergütung“ war zu lesen. Und „die Zeiten, in denen die Krankenkassen unbegrenzte Leistung für begrenztes Geld fordern, sollen vorbei sein“. So weit die Wunschvorstellung. Das krasse Gegenteil trifft zu, liest man den EBM 2000plus mit den Augen eines Dermatologen, und viele andere Facharztgruppen werden es ähnlich sehen. Was uns so aus der Fassung bringt – auf den EBM-Seminaren hörte man die Kollegen immer wieder verstört „Kafka“ murmeln –, ist erst in zweiter Linie die fortschreitende finanzielle Strangulierung. Der echte Skandal, darin zeigt sich ein Quantensprung vom alten zum neuen EBM,
ist die schamlose und widersinnige Bevormundung ärztlichen Denkens und Handelns durch wild gewordene Bürokraten. Zur Rede gestellte Vertreter unseres Berufsverbandes äußerten dazu nur,
sie hätten mit Argumenten medizinischer Ratio keinerlei Chancen gehabt, hier wurde par ordre du mufti entschieden . . .
Dr. Birgit Grzesiek, Marktplatz 25, 85567 Grafing
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