Referiert
Funktionelle Harninkontinenz: Stressbewältigungstraining integrieren
PP 4, Ausgabe Mai 2005, Seite 225


Obwohl das Einnässen zu einer der häufigsten Störungen des Kindes- und Jugendalters zählt, spricht niemand gerne darüber. Denn funktionelle
Harninkontinenz ist den meisten Eltern und Kindern peinlich. Sie sorgt für familiäre Konflikte und soziale Isolation, löst Schamgefühle aus und erzeugt einen hohen Leidensdruck, welcher wiederum die Symptome aufrechterhält. Mithilfe eines neuen Therapieprogramms, das von Psychologen und Ärzten der Universität Bremen erprobt wurde, kann die psychische Belastung jedoch reduziert werden. An dem Programm nahmen 39 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 13 Jahren teil, die an idiopathischer Dranginkontinenz oder an einer Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination litten. Im Rahmen eines siebentätigen stationären Aufenthalts erhielten 22 Kinder eine Patientenschulung mit dem neu entwickelten Inkontinenz-Anti-Stress-Training und 17 Kinder eine wissensorientierte Basisschulung. Das Stressmanagementtraining sollte Fertigkeiten für einen verbesserten Umgang mit alltäglichen und krankheitsspezifischen Belastungen schulen. Deutliche Verbesserungen traten nur bei Jungen der Untersuchungsgruppe ein. Jungen der Kontrollgruppe und Mädchen profitierten hingegen nicht so eindeutig davon. „Insgesamt spricht die Befundlage jedoch dafür, dass in die Therapie der funktionellen Harninkontinenz auch ein Stressmanagementtraining integriert werden sollte“, sagen die Autoren. ms
Stauber T, Petermann F, Bachmann H, Bachmann C, Hampel P: Kognitiv-behaviorales Stressbewältigungstraining in der Patientenschulung von Kindern und Jugendlichen mit funktioneller Harninkontinenz. Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie 2004; 4: 323–345.
Dipl.-Psych. Tatiana Stauber, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen, Grazer Straße 2+6, 28359 Bremen, E-Mail: tstauber @uni-bremen.de
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