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AKTUELL: Akut

Transplantate von Geschwistern: Abstoßung trotz gleicher Merkmale

Dtsch Arztebl 2005; 102(20): A-1409 / B-1181 / C-1121

EB

Warum werden Spendernieren von Geschwistern mit „perfekt passendem“ Gewebetyp langfristig nach der Transplantation abgestoßen? Da die Gewebemerkmale (HLA-Antigene) übereinstimmen, dürfte das Immunsystem nicht aktiv werden und sollte das Transplantat problemlos tolerieren. Dennoch gehen circa 30 Prozent der Gewebetyp-identischen Geschwister-Transplantate etwa nach zehn Jahren durch Abstoßung verloren. Nach Studien von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg sind späte Abstoßungen eng mit dem Auftreten bestimmter Antikörper verbunden. Diese sind entweder selbst für die Abstoßungen verantwortlich, oder es kommt ihnen eine Rolle als Indikator für Immunreaktionen zu, die nicht gegen die HLA-Antigene gerichtet sind. Basis der Analyse war die der „Collaborative Transplant Study“, an der 245 Transplantationszentren teilnehmen. Es wurden Daten von rund 4 000 Nierentransplantationen zwischen HLA-identischen Geschwistern ausgewertet, von denen etwa ein Viertel ihr Transplantat verloren hat.

Die Abstoßungsreaktion war abhängig von der Präsenz lymphozytotoxischer Antikörper, die vor der Transplantation im Serum der Patienten gemessen werden. Man hatte geglaubt, dass diese Antikörper ausschließlich mit HLA-Strukturen auf den Lymphozyten reagieren. „Ein Teil dieser Antikörper muss sich gegen andere Gewebestrukturen auf den Zellen als die bekannten HLA-Antigene richten, denn HLA-identische Geschwister haben identische HLA-Antigene“, so Prof. Dr. med. Gerhard Opelz, Ärztlicher Direktor der Abteilung Transplantationsimmunologie (Universitätsklinikum Heidelberg). Entweder induzieren die noch nicht identifizierten Antikörper selbst eine Abstoßung des Organs, oder sie sind ein Indikator dafür, dass der Patient ein besonders aktives Immunsystem hat, das durch Reaktionen gegen Non-HLA-Antigene eine Abstoßung bewirken kann.

Das Interessante an den Ergebnissen ist, dass es sich um Immunreaktionen handelt, die langfristig zu einer chronischen Abstoßung erst mehrere Jahre nach der Transplantation führen – im Gegensatz zu Immunreaktionen gegen HLA, die mit frühzeitigen Abstoßungen in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig haben die Forscher Hinweise darauf gefunden, dass Transplantationen von nicht verwandten Spendern in ähnlichem Ausmaß von dieser neu entdeckten Immunreaktion betroffen sein müssen (Lancet 2005; 365: 1570–1576). EB
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