BRIEFE
Terri Schiavo: Wer kennt die Fakten?
Dtsch Arztebl 2005; 102(23): A-1660 / B-1394 / C-1315


Der mediale Tenor im Fall der Wachkoma-Patientin Schiavo aus den USA unterscheidet sich doch sehr in den verschiedenen Ländern, obwohl das dann losgetretene Medienspektakel eher wenig von Politik und „Lebensschützern“ zu verantworten ist und die bescheidenen Informationen dazu immer nur aufgewärmt worden sind . . . Wer kennt die Fakten und die Details denn wirklich? Wer hätte entscheiden können? Weder die US-amerikanische Justiz noch die dortigen Politiker. Es ist Sache der Menschen, die diese Frau – auch schon und gerade in gesunden Lebensjahren – begleiteten . . . Wenn, wie hier, zum Schluss fast ausschließlich Leute das Sagen haben, die lediglich eigene Befindlichkeiten und Sichtweisen darlegen wollen, wird man dem Patienten nie und nimmer gerecht. In Frankreich hielt man sich sichtlich zurück, was ein Glück. Das Medienbohei im Fall Schiavo zeigt den Kultur- und Sittenverfall in Deutschland plus die Bigotterie in den Vereinigten Staaten sehr schön, denn die Geschehnisse dienten allen medialen Trittbrettfahrern einschließlich der Kirchen doch nur als Alibi zur Darstellung der eigenen Überheblichkeit.
Gerhard Schuster, 11, rue Scribe, F-75009 Paris
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