84 Artikel im Heft, Seite 53 von 84

MEDIZIN: Diskussion

Laserchirurgie des Rachen- und Kehlkopfkarzinoms: Uneingelöstes Versprechen

Dtsch Arztebl 2005; 102(23): A-1678 / B-1411 / C-1332

Rosemann, Gerd

Die als Tatsache dargestellte Behauptung von Herrn Prof. Steiner, dass auch große Tumoren (T3 und T4) des Hypopharynx und Larynx mit der Laserchirurgie erfolgreich behandelt werden könnten, darf nicht unwidersprochen bleiben. Erfolgreich im Sinne von Heilung ist ein offenbar häufiger uneingelöstes Versprechen gegenüber Patienten, die sich zu einem verstümmelnden Eingriff nicht durchringen können. Während sich jedoch die traditionellen Operationsmethoden, Teilresektionen wie Laryngektomien, in großen randomisierten Studien als sehr erfolgreich erwiesen haben, ist Herr Steiner einen solchen Beweis immer noch schuldig geblieben. Das liegt daran, dass die Laserchirurgie des Kehlkopfes bis heute eine nur an wenigen Zentren ausgeübte Methode geblieben ist und die zu kleine Zahl der Verlaufsbeobachtungen keine gesicherte Aussage ermöglicht.
Die Bemerkung, nur in wenigen Ausnahmefällen habe man den Kehlkopf aus funktionellen Gründen – wahrscheinlich aber auch bei Lokalrezidiven – total entfernen müssen, verkennt das unsägliche Leid der Patienten, die gerade den Verlust des Stimmorgans hatten vermeiden wollen und überdies wertvolle Zeit verlieren, die zwischen Erst- und Zweitoperation verstreicht und in der eine bereits erfolgte regionäre Lymphknotenmetastasierung fortschreiten kann. Auch der inkomplett entfernte Primärtumor wächst zwischenzeitlich weiter, was in der Göttinger Klinik eventuell gar nicht registriert wird, weil sich die enttäuschten Patienten anderenorts vorstellen.
Sicherlich hat die Anwendung des Lasers in der Kehlkopfchirurgie ihren Platz gefunden, besonders bei den umschriebenen Tumoren, hier liegt der unbestrittene Verdienst von Steiner. Für große Tumoren (T3 und T4) ist der Goldstandard aber immer noch die offene chirurgische Methode wegen der besseren Übersicht und vor allem der En-bloc-Resektion. Dabei entscheidet erst die sorgfältige histologische Aufarbeitung der Resektatränder oder gegebenenfalls auch des ganzen Resektatblocks – zum Beispiel nach der in unserer Klinik entwickelten Methode der Großschnitte vom Kehlkopf – darüber, ob weitere Maßnahmen (OP oder Radio-Chemotherapie) zur Beherrschung der Situation notwendig sind.
Ich hoffe doch, dass die wissenschaftliche Fachgesellschaft nach dieser Publikation von Steiner im offiziellen Informationsorgan der deutschen Ärzteschaft mit entsprechend weiter Verbreitung die Grenzen des verantwortbaren Handelns aufzeigt und die Mehrheitsmeinung der erfahrenen HNO-Chirurgen deutlicher artikuliert als bisher geschehen.

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
Prof. Dr. med. Gerd Rosemann
Parkpromenade 4
63454 Hanau-Wilhelmsbad

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