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MEDIZIN: Referiert

ASS: Geschlechtsspezifische Unterschiede bei kardiovaskulärer Primärprävention

Dtsch Arztebl 2005; 102(23): A-1680 / B-1413 / C-1334

ME

Acetylsalicylsäure (ASS) konnte das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei gesunden Frauen in einer großen randomisierten Studie zur Primärprävention nicht verringern. In der zehn Jahre dauernden Studie wurden fast 40 000 gesunde Frauen ab dem 45. Lebensjahr untersucht. Die Studienteilnehmerinnen nahmen jeden zweiten Tag entweder 100 mg ASS oder ein Placebo ein. Insgesamt 999 Frauen erlitten ein kardiovaskuläres Ereignis (477 in der ASS-Gruppe, 522 in der Placebogruppe). Hieraus ergab sich eine nichtsignifikante Reduktion durch ASS um 9 Prozent (relatives Risiko (RR): 0,91; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 0,80 bis 1,03). Das RR ausschließlich für einen Herzinfarkt betrug 1,02 (95%-KI: 0,84 bis 1,25). Transfusionsbedürftige gastrointestinale Blutungen wurden signifikant häufiger im Verumarm verzeichnet (RR: 1,4; 95%-KI: 1,07 bis 1,83).
Diese Ergebnisse waren überraschend, denn vorhergehende Studien hatten eine kardioprotektive Wirkung von ASS nachgewiesen. Beispielsweise konnte in der Physicians’ Health Study eine Risikoreduktion durch ASS um 44 Prozent bei 50 Jahre alten Männern dokumentiert werden. In einem begleitenden Editorial betont Richard Levin von der New York University School of Medicine, dass beispielsweise in der Physicians’ Health Study in der Placebogruppe deutlich mehr Myokardinfarkte auftraten (439,7/100 000 Personenjahre) als in dieser Untersuchung (97,3/100 000 Personenjahre). Auch vor diesem Hintergrund ist Levin der Meinung, dass ASS geschlechtsspezifisch unterschiedlich wirkt. Im Gegensatz zu kardiovaskulären Ereignissen verringerte sich in der ASS-Gruppe das Schlaganfallrisiko um 17 Prozent (relatives Risiko: 0,83, 95%-KI: 0,69 bis 0,99). In einer Subgruppenanalyse wurde allerdings deutlich, dass ASS bei Frauen, die bei Studienbeginn mindestens 65 Jahre alt waren, auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (relatives Risiko: 0,74, 95%-KI: 0,59 bis 0,92) und ischämischen Insult (relatives Risiko: 0,70, 95%-KI: 0,49 bis 1,00) signifikant reduzierte. Die Autoren raten von einer generellen Primärprävention mit Aspirin bei Frauen ab. Eine Entscheidung hierüber sollte immer individuell getroffen werden. me

Ridker PM, Cook NR, Lee I-M et al.: A randomized trial of low-dose aspirin in the primary prevention of cardiovascular disease in women. N Engl J Med 2005; 352: 1293–1304.

Levin RI: The puzzle of aspirin and sex. N Engl J Med 2005; 352: 1366–1368.

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