76 Artikel im Heft, Seite 73 von 76

Versicherungen

Private Krankenversicherung: Hoher Zugang bei den Zusatzversicherten

Dtsch Arztebl 2005; 102(26): [67] / [67] / [67]

Clade, Harald

Die Diskussion über Rationierungstendenzen in der Gesetzlichen Krankenversicherung belebt weiterhin das Geschäft in der privaten Krankenversicherung.

Ende des Jahres 2004 waren rund 8,26 Millionen Personen in der Krankheitskostenversicherung der privaten Krankenversicherung (PKV), der Hauptversicherungsart der PKV, versichert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Nettozuwachs in Höhe von 149 100 Versicherten (+1,8 Prozent). 297 500 Personen sind aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV übergewechselt und rund 126 700 Personen wegen Eintritt der Versicherungspflicht wieder von der PKV in die GKV zurückgekehrt. Daraus resultiert ein Plus von 170 800.
In der privaten Pflegepflichtversicherung waren bei den 44 Versicherungsgesellschaften, die dem PKV-Verband als Mitglieder angehören, per Jahresultimo 2004 rund neun Millionen Personen pflegepflichtversichert. Es wurde ein Bestandszuwachs von 30 600 Versicherten verzeichnet.
Im so genannten Standardtarif, einem Tarif mit sozialen Komponenten und ab einem bestimmten Lebensalter wählbar, waren Ende 2004 rund 15 110 Personen versichert. Hiervon waren 4 214 Personen als Beihilfeberechtigte im Standardtarif versichert. Dies geht aus dem jüngsten Rechenschaftsbericht des PKV-Verbandes hervor, der anlässlich der Mitgliederversammlung am 15. Juni veröffentlicht wurde.
Eine Sonderbewegung gab es im Bereich der privaten Krankheitszusatzversicherung. Hier betrug der Neuzugang 1,547 Millionen Personen (+11 Prozent). Diese Entwicklung resultierte vor allem aus Kooperationsabkommen von privaten Krankenversicherungen mit gesetzlichen Kassen, die nach dem GKV-Modernisierungsgesetz seit dem 1. Januar 2004 möglich wurden.
Den Rückgang in der Sparte Krankheitskostenversicherung um 20 Prozent führt die Branche auf die gestiegene Versicherungspflichtgrenze in der GKV zurück.
Eine Krankentagegeldversicherung hatten 3,24 Millionen Personen abgeschlossen. Der Bestand stieg um 111 300 versicherte Personen (+3,6 Prozent). Von den 3,24 Millionen Versicherten hatten fast zwei Millionen auch eine Vollversicherung in der PKV. 1,3 Millionen Personen hatten eine Krankentagegeldversicherung zusätzlich zu anderen Versicherungen abgeschlossen. Von den Vollversicherten waren 35,6 Prozent Freiberufler und Selbstständige. Etwa 64,4 Prozent waren Angestellte, deren Verträge in rund 90,3 Prozent aller Fälle Leistungen von der siebten Woche der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit vorsehen.
Prämieneinnahmen:
26,4 Milliarden Euro
Das Beitragsaufkommen stellte sich auf rund 24,6 Milliarden Euro in der Krankenversicherung und weitere 1,9 Millionen Euro in der privaten Pflegepflichtversicherung, insgesamt also rund 26,42 Milliarden Euro. Gewachsen sind die Prämieneinnahmen um rund 1,66 Milliarden Euro (+7,2 Prozent; Vorjahr +8,51 Prozent). Die erhöhten Einnahmen resultieren einerseits aus dem erhöhten Versichertenbestand in der Krankheitsvollversicherung, andererseits aus dem außerordentlichen Zugang bei den Zusatzversicherungen. Außerdem wirkten sich die Beitragserhöhungen aus. Diese betrugen zusammen mit der Pflegepflichtversicherung rund 6,8 Prozent.
Die ausgezahlten Versicherungsleistungen – einschließlich Schadenregulierungskosten – stiegen in der Krankenversicherung um 660 Millionen Euro (+4,3 Prozent) auf 15,95 Milliarden Euro. Dieser Anstieg ist fast zur Hälfte auf den Bestandszuwachs zurückzuführen. Der andere Teil resultierte aus Erhöhung der Erstattungsleistungen und der erhöhten Betriebskosten (vor allem Verwaltungs- und Abschlusskosten). Der Anstieg der Versicherungsleistungen für Krankheitskosten (ohne Tagegelder) betrug 4,4 Prozent, bestandsbereinigt 2,4 Prozent.
Die höchsten Ausgabensteigerungsraten im ambulanten Bereich entfielen auf die Kieferorthopädie mit +9,9 Prozent, gefolgt von der Heilpraktikerbehandlung mit +8,5 Prozent und den Heilmitteln mit +4,1 Prozent. Die ambulanten Leistungen für privatärztliche Behandlung stiegen um 3,1 Prozent, die Kosten für Arznei- und Verbandmittel verringerten sich um 0,7 Prozent. Die Zahnleistungen ambulant stiegen um insgesamt 2,6 Prozent. Die stationären Leistungen erhöhten sich um 2,9 Prozent, davon allein allgemeine Krankenhausleistungen: +5,6 Prozent, Wahlleistung Unterkunft: –2,5 Prozent, Wahlleistung Arzt: +0,2 Prozent und Ersatz-Krankenhaustagegeld: –3,4 Prozent (alle Prozentzahlen bestandsbereinigt).
Die Leistungsausgaben in der Pflegepflichtversicherung betrugen rund 530 Millionen Euro (+15 Millionen Euro beziehungsweise +3 Prozent).
Hohe Abschlusskosten in der Branche
Außerordentlich hoch sind die Verwaltungs- und Abschlusskosten in der Branche. Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb betrugen rund 800 Millionen Euro beziehungsweise drei Prozent der Gesamtbeitragseinnahmen. Im Vorjahr betrug die Verwaltungskostenquote 3,06 Prozent.
Für den Abschluss und die Umstellung der Verträge (Umdeckungen) sind 2,27 Milliarden Euro ausgegeben worden (Vorjahr: 2,2953 Milliarden Euro). Die Verwaltungs- und Abschlusskosten in Höhe von 3,07 Milliarden Euro, gemessen an den Ausgaben für die ambulanten privatärztlichen Leistungen in Höhe von 3,93 Milliarden Euro – das sind rund 77,9 Prozent. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
76 Artikel im Heft, Seite 73 von 76

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
5 / 2013 7 0
4 / 2013 8 0
3 / 2013 6 1
2 / 2013 6 3
1 / 2013 7 1
12 / 2012 4 0
2013 34 5
2012 12 4
2011 39 3
2010 75 2
2009 57 0
2008 333 19
2007 497 41
2006 233 163
2005 101 98
Total 1.381 335

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in