MEDIZINREPORT
Meniskus-Schäden: Ziel ist die Rekonstruktion oder Regeneration
Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): A-2004 / B-1693 / C-1597


Meniskusrisse entstehen bevorzugt bei Drehbewegungen
des Kniegelenks. Abbildung: Sulzer Orthopedics
Die Art des Schadens, die Lokalisation des Risses, das Alter des Patienten sowie seine sportlichen Ambitionen sind für die Therapiewahl ausschlaggebend.
Rund 1,3 Promille der Sport treibenden Personen erleiden jährlich eine operationswürdige Meniskusläsion. Es sind etwa doppelt so viele Männer wie Frauen, und es gibt einen Häufigkeitsgipfel für traumatische Läsionen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Ab dem 50. Lebensjahr überwiegen mit 75 Prozent die degenerativen Läsionen. Sie bleiben häufig asymptomatisch und müssen auch meistens nicht behandelt werden.
Insbesondere das Verdrehen des gebeugten Kniegelenkes kann zu einer Meniskusverletzung führen. Mustersport hierfür ist Fußball. Durch den Stollenschuh ist der Fuß festgestellt, und der Oberschenkel wird gegenüber dem Unterschenkel verdreht, und so werden die „Dämpferscheiben“ geschädigt. Auch beim alpinen Skilauf werden Menisci und Bänder gemeinsam lädiert. Grundsätzlich sind alle Sportarten, bei denen das gebeugte Knie verdreht werden kann, für den Meniskus gefährlich – wie Handball, Volleyball, Beach-Volleyball, Basketball und Squash.
Fast alle älteren Menschen weisen einen degenerativ bedingten Meniskusschaden auf. Diese Läsionen unterscheiden sich aber von verletzungsbedingten Schäden. Einen Meniskus operieren kann man vorzüglich an einem jüngeren Patienten mit einer Rissbildung, die vernäht werden kann. Bei einem alten Meniskus sei ein Riss meistens nicht mehr zu vernähen, der Faserknorpel müsse zumindest teilweise entfernt werden, erklärte Prof. Dr. Dieter Kohn (Homburg/Saar) anlässlich des 20. Jahreskongresses der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin in München. Meniskusrisse im äußeren Randbereich gehören zu den nähbaren Rissen. Auch im Falle einer so genannten Korbhenkelläsion sollte der Meniskus genäht werden. Eine Validierung der verschiedenen Meniskusnahtsysteme war bisher nur eingeschränkt möglich, da keine Erkenntnisse über das Ausmaß von Kräften vorlagen, die an Korbhenkelläsionen auftreten.
Nun haben Dr. Roland Becker und Mitarbeiter (Magdeburg) durch Studien an humanen Kadaverkniegelenken mit intakten Menisci und Bändern mit künstlich gesetzten Korbhenkelläsionen von 25 mm Länge und 2 mm vom meniskosynovialen Übergang entfernt festgestellt, dass in der Läsion maximale radiäre Kräfte von 1,1 bis 2,9 N (Newton) auftreten. Der Flexionswinkel und die Rotationsrichtung haben dabei einen deutlichen Einfluss. In 0° Flexion traten Innenrotationskräfte von 2,9 N und Außenrotationskräfte von 2,1 N auf. Die Kräfte nahmen bei 90° Knieflexion ab und wiesen unter Innenrotation 1,4 N und unter Außenrotation 1,1 N auf.
Daraus schließen Becker et al., dass an Korbhenkelläsionen relativ kleine radiäre Kräfte wirken. Infolge der zirkulären Lastausbreitung im Meniskusgewebe unter axialer Belastung des Kniegelenkes scheinen in radiärer Ausrichtung die Kräfte sehr schwach zu sein. Die Mehrheit der Nahtsysteme dürfte somit ausreichend sein.
Dr. med. Romain Seil (Luxemburg) hält eine Meniskusrekonstruktion durch Naht immer dann für erfolgreich, wenn ein Längsriss vorliegt, die Gewebequalität gut ist, der Riss im äußeren Randbereich liegt und wenn höchstens zwei Monate zwischen Unfall und Operation verstrichen sind. Wichtig ist das Debridement an der Randleiste und im Übergangsbereich.
Die Rekonstruktion des Meniskus wurde in den letzten Jahren vereinfacht durch Ergänzungen oder Ersatz der verschiedenen Nahttechniken durch Kunststoffpfeile, Schrauben und Klammern. Gegenüber einer Naht sind sie aber weniger stabil, und sie können sogar Schäden wie Kratzspuren am Gelenkknorpel verursachen. Solche Implantate sollten daher nur schwer zugänglichen Arealen an den Menisci vorbehalten bleiben.
Wenn immer möglich, wird die Regeneration der Menisci angestrebt – zum Beispiel mithilfe eines humanen Meniskustransplantats. Es vermag nach völligem Meniskusverlust auftretende Schmerzen für mindestens fünf Jahre deutlich zu reduzieren. Das gilt jedoch nur für den Verlust des Innenmeniskus. Der Außenmeniskus kann noch nicht zufriedenstellend ersetzt werden.
Ein Hauptziel der Grundlagenforschung am Meniskus ist, seine Regeneration induzieren zu können. Diese Möglichkeit steckt aber noch im experimentellen Stadium. In Zellkulturen von Meniskuszellen erreicht man eine Matrixproduktion aus Kollagen. Inzwischen gibt es Kollagenmeniskusimplantate, die aber nur für einen Teilersatz der Menisci geeignet sind.
Als Voraussetzung für eine Meniskusregeneration bezeichnete Prof. Stefan Neher (Wien) die Versorgung der äußeren Randbezirke mit Blutgefäßen. In einer amerikanischen Studie konnte gezeigt werden, dass eine Vaskularisation des Meniskusrandes die Regeneration eines teilresezierten Meniskus möglich macht. Siegfried Hoc
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