MEDIZINREPORT
Durchimpfungsraten: Vollschutz nur selten vorhanden
Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): A-2006 / B-1694 / C-1598


Erhebliche Impflücken bei Elf- bis 13-Jährigen in München
Die Impfberatung in den Schulen sollte forciert und die nicht in Deutschland geborenen Ausländer sollten besonders beachtet werden. Dabei sind die oft mangelhaften deutschen Sprachkenntnisse in geeigneter Weise zu berücksichtigen. Zu diesen Empfehlungen kommt eine Untersuchung der Stadt München. Im Rahmen der Schulgesundheitspflege wurden von Mitarbeiterinnen des Referates für Gesundheit und Umwelt im Jahr 2002 alle Kinder der sechsten Jahrgangsstufe (Alter der Kinder elf bis 13 Jahre) aufgerufen, ihre Impfbücher vorzulegen.
Zweck war es, den aktuellen Impfstatus zu erfassen, eine gezielte Impfberatung und in einigen ausgewählten Schulen Impfungen durchzuführen. Es wurden Mitteilungen an die Eltern verteilt mit der Bitte, die Impfbücher den Kindern zur Schule mitzugeben. In den Schulen wurden von einigen Ärztinnen und Schwestern den Kindern Informationen über den Schutz vor Infektionskrankheiten durch Impfungen, Nebenwirkungen, das geplante Vorgehen bei der Impfberatung und der nachfolgenden Impfaktion vermittelt. Nach ein bis zwei Wochen wurden die Impfbücher eingesehen, der Impfstatus dokumentiert und bei bestehenden Impfdefiziten Impfberatungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erteilt.
Von 7 923 Kindern in 85 Schulen folgten 4 696 Kinder dem Aufruf zur Impfbuchvorlage, das entspricht einem Anteil von 59 Prozent (57 Prozent der Knaben und 62 Prozent der Mädchen). Hinsichtlich Nationalität/Geburtsland erfolgte eine Gruppierung in Deutsche (D), in Deutschland geborene Ausländer (AD) und im Ausland geborene Ausländer (AA). 2 318 der 7 923 Kinder gehörten zu den Gruppen AD und AA (29 Prozent).
Lediglich zehn Prozent der Kinder hatten keine Impfdefizite, dagegen besaßen sieben Prozent bei keiner der in die Dokumentation aufgenommenen acht Impfungen ausreichenden Impfschutz. Beurteilt man nach der Nationalität, schnitt die Gruppe AD mit zwölf Prozent im Vergleich zur Gruppe D mit zehn Prozent und zur Gruppe AA (nur dokumentierte Impfungen gezählt) mit neun Prozent ohne jegliche Impfdefizite am besten ab. In der Gruppe AA hatten 16 Prozent keinerlei Impfschutz, in der Gruppe D dagegen nur sechs Prozent, in der Gruppe AD sieben Prozent. Der komplette Impfschutz – entsprechend der Definition der STIKO – differiert bei den Impfungen sehr stark. Auch hier fällt auf, dass die Gruppe der in Deutschland geborenen ausländischen Kinder einen besseren Impfschutz besitzt als die Gruppe der deutschen Kinder. Am deutlichsten ist das bei der Impfung gegen Hepatitis B ausgeprägt (AD 57 Prozent, D 45 Prozent).
Nach der Impfdokumentation wurden von den 90 Prozent Kindern mit nachgewiesenen Impfdefiziten 673 im Rahmen der genannten Aktion geimpft. Es konnten bei 16 Prozent Impfdefizite abgebaut werden, in den Schulsprengeln differenziert zwischen acht und 25 Prozent, in den größeren Schulen zwischen zwei und 38 Prozent. Solche Unterschiede lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass durch eine gezielte Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Gesundheitsdienst, den niedergelassenen Ärztinnen und den Schulen die Impfbereitschaft wesentlich erhöht werden kann.
Dr. med. Brigitte Weise
Referat für Gesundheit und Umwelt,
Gesundheitsvorsorge, Prävention für
Kinder ab drei Jahren und Jugendliche RGU-GV02
Bayerstraße 28 a, 80335 München
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