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Friesische Seenplatte: Land des Wassers
Dtsch Arztebl 2005; 102(31-32): A-2184 / B-1846 / C-1747


Eine Sehenswürdigkeit in
Stavoren ist die Statue „Frau
von Stavoren“.
Das Ijsselmeer und die angrenzenden Seen sind ein Dorado für Schiffs- oder Bootstouren.
Wasser ist in den Niederlanden allgegenwärtig: Ein Fünftel des Landes sind Seen und Wasserläufe, ein Viertel des Territoriums liegt unter dem Meeresspiegel. Dass die Niederländer heute vom Wasser vorwiegend profitieren, verdanken sie einem jahrhundertelangen Kampf gegen das Element. Bereits im 13. Jahrhundert begannen sie, mit Windmühlen Wasser abzupumpen und Land trockenzulegen. Rund 9 000 Windmühlen waren um 1800 in Betrieb. Auf diese Weise entstanden die weltweit einzigartigen Polder.
Dennoch waren die Wasserbauingenieure auch weiterhin gefordert, sie entwickelten wahre Meisterwerke. Gigantische Sturmflutwehre wie das Deltaprojekt in der Provinz Zeeland, zahlreiche Dämme, Deiche und Wehre entlang der Küste schützen das Land vor Flutkatastrophen. Der Abschlussdamm, der die Provinzen Nordholland und Friesland verbindet, machte aus der „salzigen Zuidersee“ das „süße“ Binnengewässer Ijsselmeer und veränderte dadurch ganze Landstriche.
Wer das Polderprojekt für schwer realisierbar hielt, wird spätestens in Lelystad eines Besseren belehrt. Dort wurde im Februar das Nieuw Land Erfgoedcentrum eröffnet, das mit modernen technischen Mitteln und anhand von Einzelschicksalen von den Anfängen des Deichbaus und der Trockenlegung der Polder berichtet. Ein „Wassertheater“ lädt junge Besucher zu einem Landgestaltungsspiel in einem Modellpolder mit Schleusen, Deichen und einem Dampfschöpfwerk ein. In einem unterirdischen Bereich können Kinder in einer Ausgrabungsstätte nach Bodenfunden suchen und sie anschließend in einem archäologischen Labor untersuchen und datieren. Unmittelbar neben dem Museum liegt die Bataviawerft mit dem nachgebauten, historischen Handelsschiff „Batavia“. Bootstouristen, die das Ijsselmeer befahren, finden im Bataviahafen in Lelystad Liegeplätze.
Bei deutschen Seglern und Motorbootskippern stehen das Ijsselmeer und die friesischen Seen (von den Niederländern als Meere bezeichnet) hoch im Kurs. Und das zu Recht. Sie eignen sich zum Beispiel für eine Tagestour zu Schiff. Ein Ausgangspunkt für eine solche Tour ist Enkhuizen, wo sich ein Besuch im Zuiderzeemuseum lohnt. Eine Schiffstour bringt die Touristen in das alte Fischer- und Hafenstädtchen Stavoren am Rand des Ijsselmeeres an der südwestlichen Spitze der Provinz Friesland. Zu besichtigen sind dort die Statue „Frau von Stavoren“, eine restaurierte Seeschleuse mit Schwenkbrücke am alten Hafen, der Ratssaal im ehemaligen Rathaus mit seiner Wandmalerei und der Hafen mit seiner traditionellen Segelfahrt und Fischerei.

In der Bataviawerft liegt das historische,
nachgebaute Handelsschiff
„Batavia“.
Fotos: Elke Thonke
Dort angekommen kann man die Friesische Seenplatte mit Schiffen und Booten durchqueren. Auf Motorbootkapitäne warten beispielsweise gemütliche Hausboote. Das Mietangebot für Segler reicht von der offenen Jolle bis hin zur Luxusyacht. Eine Alternative für Unerfahrene und Anfänger ist eine Fahrt mit dem Segelschiff „Aleida Hendrika“ (einem so genannten Skutsje), das in diesem Jahr hundert Jahre alt wird, oder mit der „Lytse Hendrik“ aus dem Jahr 1904. Mit diesen Schiffen kann man in zweieinhalb Stunden von Balk bis Heeg gelangen. Auf dieser kurzen Fahrt lässt sich bequem die friesische Landschaft genießen, eine Landschaft, die noch heute wenig dicht besiedelt ist. Man genießt die Natur und wird zwischendurch mit friesischen Spezialitäten verwöhnt. Dazu zählen beispielsweise ein so genanntes Zuckerbrot oder Orangenkuchen. Aber auch Hering auf Roggenbrot oder friesischer Käse und Beerenschnaps werden serviert.
Segelkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer will, darf aber beim Setzen und Bergen der Segel helfen und auch einmal das Ruder übernehmen. Der Skipper freut sich über das Interesse der Gäste und weiht sie gern in die Segelkunst ein. Die Fahrt lässt sich bestens mit einer Fahrradtour von 27 Kilometern verbinden.
Um es den Wassersportlern noch bequemer zu machen, werden zurzeit bestehende Wasserwege ausgetieft und für größere Boote befahrbar gemacht. Hinzu kommen Steganlagen sowie neue Fahrrad- und Wanderwege. Auch an der Verbesserung der Wasserqualität wird im „Friese Merenproject“ gearbeitet, einer Initiative der Provinz Friesland in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und verschiedenen Organisationen. Gisela Klinkhammer
Weitere Informationen: Niederländisches Büro für Tourismus & Convention, Postfach 27 50 80, 50511 Köln, Telefon: 0 18 05/34 33 22, Internet: www.niederlande.de. Informationen zum Poldermuseum: www.nieuwlanderfgoedcentrum.nl. Informationen zu den Skutjesfahrten: www.skutsjeverhuurhaghe.nl.
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