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Insulintherapie: Patienten bevorzugen die Inhalation
Dtsch Arztebl 2005; 102(33): A-2255

Bei der inhalativen Applikation von Medikamenten hat die Zukunft begonnen. Noch in 2005 wird die Zulassung für das erste Insulin erwartet, die Forschungen laufen für heparin-, morphin- und interferonähnliche Substanzen. Inhalatives Insulin könnte die Widerstände gegen eine frühe Insulintherapie vermindern, da „irrationale Ängste“ entfallen, die mit der Injektion verbunden sind, sagte Prof. Helmut Schatz (Bochum) in Wiesbaden.
Derzeit sind verschiedene Systeme zur Inhalation von Insulin in Entwicklung, als Erstes wird Exubera® vermutlich Anfang 2006 auf den Markt kommen. Die Zulassung ist für Europa und die USA bereits eingereicht. Bei den derzeit noch relativ großen Inhalationsgeräten sieht Schatz „handlichere“ Formate als eine reine Technologiefrage an.
Das inhalative Insulin ist sowohl bei Typ-1- als auch Typ-2-Diabetikern getestet.
Es senkt den Blutzucker Mahlzeiten-bezogen gleich schnell wie kurzwirksame Insulinanaloga bei einer fast genauso langen Wirkdauer wie s.c.-Humaninsulin. Beim Typ-1 habe man im Vergleich mit der subkutanen Applikation eine vergleichbar gute Wirkung auf die Senkung de HBA1c-Wertes und das metabolische Gleichgewicht nachweisen können, erläuterte Prof. Manfred Dreyer (Hamburg).
Beim Typ-2-Diabetes wurde die Basismedikation mit Metformin, kombiniert mit Glibenclamid oder aber inhalativem Insulin, zusätzlich die Behandlung mit Sulfonylharnstoff in Kombination mit Metformin beziehungsweise inhalativem Insulin verglichen. Nach 24 Wochen erwies sich bei Patienten mit anfangs niedrigem HBA1c-Wert (8 bis 9,5 Prozent) das inhalative Insulin ebenso effektiv wie die zweite Tablette, bei hohem bis sehr hohem Ausgangswert (9,5 bis 12 Prozent), dagegen habe die Kombination mit Insulin deutlich besser abgeschnitten als die Vergleichstherapie, sagte Dreyer.
In beiden Studien konnte ein anhaltender Effekt über zwei Jahre objektiviert werden, das HBA1c fiel in der Insulingruppe um 1,8 Prozent (Vergleichsgruppe 1,5 Prozent). Laut Dreyer kam es unter Insulin zu weniger Hypoinsulinämien, schwere Formen wurden hier nicht beobachtet. Auch die 4-Jahres-Daten – bei einer allerdings noch relativ kleinen Patientenzahl – belegen den anhaltenden Effekt.
Patienten beider Diabetes-Typen waren mit der getesteten Applikationsform sehr zufrieden, 81 Prozent der Typ-1-Patienten wollten die Inhalationstherapie fortsetzen und 79 Prozent von den Injektionen „umsteigen“. Husten erwies sich als häufigste Nebenwirkung.
Als Kontraindikationen für die inhalative Insulintherapie nannte der Pneumologe Prof. Claus Vogelmeier (Marburg) neben aktivem Rauchen (massiv gesteigerte Resorption) ein schlecht kontrolliertes Asthma bronchiale, eine klinisch relevante COPD und eine signifikant abnormale Lungenfunktion (FEV1 < 70 Prozent Soll, totale Lungenkapazität < 80 beziehungsweise > 120 Soll). Infektionen der oberen Atemwege erachtet er nicht als Beeinträchtigung für die Inhalation, bei einer Pneumonie riet er jedoch zum Absetzen dieser Applikationsart.
Hinweise auf eine Lungenfunktionsstörung im Sinne
einer Fibrose hätten sich bei längerfristiger Therapie nicht gezeigt; verglichen mit der subkutanen Gabe wurden keine Unterschiede in der Lungenstruktur und im HRCT erhoben.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller
Mittagsgespräch „Inhalatives Insulin: Praktische und sicherheitsrelevante Aspekte“ im Rahmen des 111. Internistenkongresses in Wiesbaden, Veranstalter: Pfizer und Sanofi-Aventis
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