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BRIEFE

Hormontherapie: Ergänzungen

Dtsch Arztebl 2005; 102(36): A-2390 / B-2013 / C-1906

Glaßmeyer, M.

Zu dem Artikel von Frau Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann ist Folgendes anzumerken:
« Die Ergebnisse der mehr als 60 epidemiologischen Untersuchungen, die bisher zum Risiko des Mammakarzinoms unter der Hormonsubstitution publiziert wurden, sind widersprüchlich, zeigen aber insgesamt nur eine geringe Risikoerhöhung.
¬ Das in der WHI-Studie beobachtete fortgeschrittenere Stadium der Tumoren in der Hormongruppe beruht vermutlich darauf, dass sie zunächst übersehen und dann verspätet diagnostiziert wurden (die Untersuchungen der 16 000 Frauen wurden in 3 000 Praxen und Kliniken durchgeführt). In der Million-Women-Studie, die lediglich einen Beobachtungszeitraum von vier Jahren überblickt, wurde über eine erhöhte Mortalität berichtet. Für einige Gebiete Großbritanniens hing die Datenerfassung um bis zu 2,5 Jahre hinterher. Dieser Daten-
verlust verkürzt die mittlere Beobachtungszeit zusätzlich, schmälert die Datenlage und verunsichert die Aussagekraft. Somit steht dieses Ergebnis im Gegensatz zu älteren, solide durchgeführten Beobachtungsstudien.
­ Eine Hormontherapie, die im Alter von 50 Jahren begonnen und über fünf Jahre fortgesetzt wird, führt zu einer Zunahme der Brustkrebsdiagnosen bei 1 000 Frauen von 63 auf 65. Bei einer Dauer der Hormontherapie von mehr als zehn Jahren sind es im Alter von 70 Jahren je 1 000 Frauen sechs Fälle mehr, und bei über 15-jähriger Hormontherapie sind zwölf Fälle mehr zu diagnostizieren. Das erhöhte Risiko geht innerhalb von fünf Jahren nach Absetzen der Behandlung wieder zurück. Das Risiko einer Hormontherapie entspricht so dem Risiko einer frühen Menarche, einer späten ersten Geburt oder dem einer kinderlosen Frau. Andere Einflüsse, wie zum Beispiel eine Adipositas oder erhöhter Alkoholkonsum, verschärfen das Risiko deutlicher als eine Hormontherapie.
® Es ist sicherlich sinnvoll, industrieunabhängige Fortbildungsveranstaltungen zu fordern und zu fördern. Allerdings ist die Beurteilung der Qualität der ärztlichen Fortbildung ausgerechnet durch das Wissenschaftliche Institut der AOK genauso wenig objektiv wie Ausführungen der Pharmaindustrie.
Dr. med. M. Glaßmeyer,
St. Rochus-Hospital, Glückaufstraße 10, 44575 Castrop-Rauxel
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