14 Artikel im Heft, Seite 5 von 14

Supplement: Reisemagazin

Nostalgie und Eleganz

Dtsch Arztebl 2005; 102(41): [6]

Scheiper, Renate V.

Der Zugbegleiter bittet die Gäste in den Luxuszug. Foto: Orient-Express
Die Zugfahrt mit dem Royal Scotsman beginnt in Edinburgh mit einer Kuriosität: Ein Dudelsackpfeifer im Kilt führt die Gäste von der Check-in-Lounge zum Zug. Es wird darum gebeten, keine Jeans oder Turnschuhe zu tragen. So sind es elegant gekleidete Gäste, die, persönlich vom Train-Manager begrüßt, den Zug besteigen. Zum Empfang gibt es Champagner im Salonwagen. Dann wird jeder in sein Luxus-abteil geführt, zu dem jeweils ein geräumiges Bad gehört. 36 Passagiere haben Platz in fünf Wagen. Dazu kommen zwei Restaurant- und Küchenwagen, ein Wagen für Gepäck und ein Wirtschaftswagen.
Über Glasgow, wo das Hochland beginnt, geht die Reise. Obwohl der Zug erst seit 1990 fährt, hat er den Charme vergangener Zeiten. Man versinkt in den gepolsterten Sesseln und Couches des Salonwagens. Die Speisewagen sind elegant, aus edlen Hölzern mit einer Wandverkleidung, die mit Intarsien verziert ist, ebenso wie Schrank und Sekretär der Kabinen. Für zwei der drei Abendessen wird um festliche Kleidung gebeten, wozu für Schotten der Kilt gehört. In schweren Kristallgläsern funkelt der Wein zum exquisiten Menü. Alles ist im Preis enthalten, auch Getränke vom Whiskey bis zum Champagner. Über Nacht steht der Zug, um einen ruhigen Schlaf zu garantieren.
Ein Mann aus dem Hochland im historischen Kilt erzählt am ersten Abend aus Schottlands Geschichte: von Adligen und Bauern, von Intrigen und Meuchelmorden. Am zweiten Abend ist eine Harfenistin im Salonwagen zu Gast . Tagsüber gleitet draußen die Landschaft vorbei, darunter mit mehr als tausend Metern der höchste Berg Schottlands und mit 350 Metern der tiefste See. Die berühmte Brücke von Orchy wird überquert, die sich im Bogen über ein Tal schwingt. Nördlichster Punkt ist Arisaig am Atlantik. Ein Bus bringt die Passagiere zu den schneeweißen Morar Sands, wo Zeit bleibt für eine eindrucksvolle Wattwanderung. Auf der Rückfahrt wird bei Loch Awe Station gemacht für eine Bootsfahrt auf dem See. Eine Fähre bringt die Gäste über die Wemssy Bay zur Insel Bute. Dort werden Schloss und Park Mount Steward besichtigt.
Am letzten Morgen endet die Zugfahrt wieder in Waverley Station/Edinburgh.
- Informationen: Internet: www.royalscotsman.com; Broschüre und Buchungen: Telefon 00 44/13 15 55 13 44.
Preisbeispiel: Drei Nächte Western Highlands für 3 370 Euro pro Person. Die Reisen werden ganzjährig durchgeführt.
Der Venice-Simplon-Orient-Express
London Victoria Station. Auf Gleis zwei verlässt der Zug
mit den in braun-gold gehaltenen Wagen die britische Hauptstadt. Die ausnahmslos elegant gekleideten Passagiere, als ginge es zu einer Theater-Premiere, haben in den festlich gedeckten Speisewagen für ein Drei-Gänge-Menü Platz genommen. Es sind auf dieser Seite des Ärmelkanals zunächst die Pullmann-Wagen, die bis zur Küste fahren. Dort steigen die Passagiere um in klimatisierte Busse, die durch den Tunnel fahren. In Calais warten die 17 Wagen des Orient-Express auf maximal 188 Passagiere.
Eleganz und Nostalgie der Zwanziger- und Dreißigerjahre scheinen auferstanden. Inbegriff für Glanz und Glamour jener Zeit, fuhr der Zug damals von London über Paris und Venedig nach Istanbul. Agatha Christie reiste jedes Jahr mit diesem Zug bis Istanbul und dann weiter nach Bagdad, um ihrem Mann, einem Archäologen, bei den Ausgrabungen zu helfen. Für sechs Kinofilme, darunter „Mord im Orient Express“ von Agatha Christie, stand der Orient-Express Pate. Der Zweite Weltkrieg jedoch brachte den Niedergang. Bis James B. Sherwood, Präsident der Sea Containers Group, ab 1977 nach und nach die alten Wagen ersteigerte und für elf Millionen Pfund, dem neuesten technischen Standard entsprechend, detailgetreu restaurieren ließ, auch die Lackpaneele, Wand-Intarsien und die Original-Glasreliefs von René Lalique. So begann im Mai 1982 das zweite Leben des legendären Zuges.
Abends steigen weitere
Gäste auf dem Gare de l’Est in Paris zu. Die Schweiz wird
im Schlaf passiert. Am späten Nachmittag des zweiten Tages läuft der Zug in Venedig ein.
- Informationen: Internet: www.orient-express.com, E-Mail: oereservations.germany@orient-express.com, Telefon: 02 21/3 38 03 30, Fax: 02 21/3 38 03 33. Venice-Simplon-Orient-Express Deutschland GmbH, Sachsenring 85, 50677 Köln.
Von März bis November wird die Strecke London–Venedig mit jeweils zwei bis fünf Abfahrten pro Monat in jede Richtung gefahren. Preis ab 2 135 Euro pro Person. Zusteigen ist auch in Paris oder Innsbruck möglich.
Südafrika: Im Blue Train
Ganzjährig fährt der Blue Train von Kapstadt nach Pretoria und in umgekehrte Richtung. Jeweils um elf Uhr ist Abfahrt, nachdem die Gäste in der Check-in-Lounge am Bahnhof vom Abteil-Butler in ihr Abteil begleitet wurden.
Bar im Blue Train: von Pretoria bis Kapstadt Foto: The Blue Train
Im Ambiente eines Luxushotels fühlt sich der Gast in seiner
Suite oder Luxus-Suite mit Bad sofort wohl. Die Couch verwandelt der Butler für die Nacht in ein bequemes Bett. Die Abteile sind Suiten. Für die vier Suiten jedes Wagens ist jeweils ein Butler zuständig. Auf modern gefederten Wagen gleitet der Zug wie eine blaue Schlange mit weißen Streifen durch die Landschaft. Die Reise geht durch die südlichen Weinregionen, die Kleine Karoo und das Hex River Valley.
Zwei identische Züge werden eingesetzt. Sie sollen dem heutigen Standard entsprechend ein Wiedererstehen der berühmten beiden Züge „Union Limited“ und „Union Express“ sein, die ab 1923 von Johannesburg nach Kapstadt fuhren. Der Zweite Weltkrieg beendete auch in Südafrika diese luxuriöse Art des Reisens. 1997 erst wurde der erste „Blue Train“ für 84 Passagiere gebaut, dem ein Jahr später schon der zweite folgte, in dem Platz für 76 Gäste ist.
Jeder der zwei Züge führt 18 Wagen, von denen 14 den Gästen zur Verfügung stehen.
Um 12.45 Uhr am nächsten Tag ist der Zug am Ziel.
- Informationen: Internet: www.bluetrain.co.za; Broschüre und Buchungen: Telefon: 00 27/1 23 34-84 59.
Preis: Von Kapstadt nach Pretoria und in umgekehrter Richtung ab circa 2 530 Euro per Suite. Renate V. Scheiper
Der Blue Train vor dem Tafelberg, Kapstadt
Foto: The Blue Train
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