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MEDIZIN: Referiert

Hohe Fehlerquote nach langem Bereitschaftsdienst

Dtsch Arztebl 2005; 102(47): A-3276 / B-2770 / C-2590

ME

Nach einem langen Bereitschaftsdienst passieren genauso viele Fehler wie in angetrunkenem Zustand. Die Konzentrationsfähigkeit nach einem Arbeitspensum mit nur 3 h Schlaf entsprach in einer Untersuchung derjenigen von Probanden, die ausgeschlafen waren, dafür aber einen Alkoholgehalt von etwa 4 bis 5 Promille aufwiesen.
Dies geht aus einer Studie mit 34 durchschnittlich 28,7 Jahre alten Ärzten hervor, die an der University of Michigan in Ann Arbor untersucht wurden. Hierbei testeten Todd Arnedt und Mitarbeiter alle Probanden am Ende eines Bereitschaftsdienstes mit nächtlicher Rufbereitschaft auf einer pädiatrischen Intensivstation oder nach Dienst auf einer Station nach einem wöchentlichen Pensum von 80 bis 90 h. Zum Vergleich absolvierten die Studienteilnehmer die gleichen Tests nach einer viertägigen Schicht, in der sie durchschnittlich 44 h Dienst hatten. In den 24 h vor der Untersuchung schliefen die Testpersonen durchschnittlich 3 h nach dem Bereitschaftsdienst und 6 h 37 min nach dem regulären Dienst.
Das Leistungsvermögen wurde mit zwei Aufmerksamkeitstests und einer Autofahrprüfung am Computer erfasst. Nachdem die Probanden die Aufgaben ausgeführt hatten, tranken sie nach der 44-h-Woche soviel von einem alkoholischen Mixgetränk, bis ein Alkoholspiegel von 0,4 und 0,5 Promille erreicht wurde. Nach dem anstrengenden Bereitschaftsdienst nahmen die Teilnehmer das gleiche Getränk, aber ohne Alkohol, zu sich. Im Vergleich zur 44-h-Woche hatten die Studienteilnehmer nach starker Arbeitsbelastung und Schlafentzug eine um sieben Prozent verlangsamte Reaktionszeit, Bedienungsfehler waren 40 Prozent häufiger, und im Fahrtest kam es zu 27 Prozent mehr Spurabweichungen sowie 71 Prozent häufiger zu Abweichungen von der vorgegebenen Geschwindigkeit. Nach der Alkoholgabe schnitten die Probanden beim Halten der Geschwindigkeit immer noch um 29 Prozent besser ab als die 80-h-Gruppe nach Einnahme des Placebos, wohingegen das Reaktionsvermögen und die Fehlerhäufigkeit in beiden Gruppen gleich waren. Arnedt und Mitarbeiter stellten fest, dass die Selbsteinschätzung hinsichtlich des Abschneidens bei den Tests eingeschränkt war und in Abhängigkeit von der zu lösenden Aufgabe variierte.
Nach Ansicht der Autoren sollte den Ärzten die nach dem Schlafentzug abnehmende Schnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit vermittelt und die Dienstpläne auch hinsichtlich ausreichender Erholungsphasen gestaltet werden. me

Arnedt JT, Owens J, Crouch M, Stahl J, Carskadon MA: Neurobehavoiral performance of residents after heavy night call vs after alcohol ingestion. JAMA 2005; 294: 1025–33.

J. Todd Arnedt, Sleep and Chronophysiology Laboratory, Department of Psychiatry, University of Michigan, 2101 Commonwealth Boulevard Suite D, Ann Arbor, MI 48105, USA, E-Mail: tarnedt@med.umich.edu

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