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VARIA: Schlusspunkt

Die dunkle Seite der Macht

Dtsch Arztebl 2005; 102(49): [72] / [72] / [72]

Rieser, Sabine

Herrn Peter Paul Polte wird Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer ersten Regierungserklärung am 30. November gut gefallen haben. Sie trug einen dunklen Hosenanzug und forderte: „Lassen Sie uns mehr Freiheit wagen!“ Die Aufforderung bezog sich erkennbar auf die erwünschte Haltung der Bürger im Land. Aufs Äußere von Frauen
in Führungspositionen sollte man sie nach Ansicht von Herrn Polte nicht beziehen; da geziemt sich keine bunte Vielfalt, sondern Anpassung.
Der Chefredakteur der Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ empfahl der Kanzlerin unlängst in den „Stuttgarter Nachrichten“ Hosenanzüge und gedeckte Farben, mithin das Einerlei der Männerwelt. Mit Pastell habe sich Merkel verrannt, urteilte er. Schließlich werde von Politikerinnen erwartet, dass sie sich so anziehen wie Männer. Ach, noch was: „Eine Dame von Welt trägt keine Schultertaschen, sondern kauft sich eine ordentliche Tasche von Hermès.“
Ah, die ungebetenen Ratschläge fachlich beschlagener Männer . . . Herr Polte möge einmal auf andere Berufsgruppen blicken, die sich da zurückzuhalten wissen – Ärztinnen und Ärzte oder Psychologinnen und Psychologen. Schlägt der Vorsitzende des Berufsverbands der Fachärzte für Orthopädie etwa vor, Merkel möge besser einen Rucksack tragen statt einer einseitig belastenden Umhängetasche, weil ihr neues Amt schon Bürde genug sei? Verlangt die Schriftleitung von „Der Frauenarzt“, dass Merkel in Zukunft ein- bis zweimal jährlich öffentlichkeitswirksam zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen gehen und ein Vorbild für die Inanspruchnahme von Vorsorge-Untersuchungen abgeben müsse?
Nein. Man hört auch keine Ernährungsexperten fordern, die Kanzlerin dürfe selbst bei straff organisierten Staatsbesuchen nicht nachlassen im Bemühen, fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Und Psychologische Psychotherapeuten schweigen taktvoll dazu, ob ein derart öffentlichkeitsscheuer Gatte wie der von Merkel eine Strafe ist oder ob es sich mit so einem nach Dienstschluss am besten ablästern lässt.
Ja, Ärzte und Psychologen meinen es gut mit Frau Merkel. Hoffentlich gilt das auch umgekehrt. Rie
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