VARIA: Personalien
Auszeichnung für Alfred Möhrle: Standhafter Kämpfer
Dtsch Arztebl 2006; 103(12): A-799 / B-680 / C-656


Kammerpräsidentin Ursula Stüwe und Alfred Möhrle
Foto: Rainer Wohlfahrt
Die Landesärztekammer Hessen hat den früheren, langjährigen Kammerpräsidenten Dr. med. Alfred Möhrle mit ihrer Ehrenplakette („in Gold“) ausgezeichnet. Möhrle, Jahrgang 1939, niedergelassener Orthopäde, ist seit Anfang der 70er-Jahre berufspolitisch aktiv. Und er hat berufs- wie gesundheitspolitisch kräftige Akzente setzen können. Zwölf Jahre, von 1992 bis 2004, war er Präsident der Landesärztekammer Hessen und Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer.
Als Vorsitzender des Ausschusses „Gebührenordnung“ war er der GOÄ-Fachmann im Vorstand der Bundesärztekammer – kein vergnügliches Amt, denn politisch wird die GOÄ-Reform seit langem hintertrieben. Möhrle erinnerte gleichwohl beharrlich daran, dass „Patient und Arzt Anspruch auf eine medizinisch aktuelle, leitungsrechtlich in sich schlüssige Gebührentaxe haben“, so noch 2005 auf dem 108. Deutschen Ärztetag in Berlin.
Möhrle ist keineswegs ein schmalspurig auf Gebührenfragen ausgerichteter Berufspolitiker. In Hessen wie auch bei der Bundesärztekammer (so vor allem beim 99. Deutschen Ärztetag 1996) setzte er sich mutig mit der Rolle der Ärzteschaft in der NS-Zeit auseinander. Auch warnte er (zum Beispiel in Heft 8/2003 des Deutschen Ärzteblattes) eindringlich davor, dass Rationierung in der Medizin zur Ausgrenzung großer sozialer Gruppen führen kann. Zugleich wandte er sich gegen das modische Herunterreden des Gesundheitswesens in Deutschland.
Die hessische Ärzteschaft hat einen standhaften Kämpfer für ein Gesundheitswesen, das hohen Qualitätsanforderungen genügt, geehrt. Einen Mann zudem, der sich seine eigenen Meinungen bildet, niemandem nach dem Mund redet und dennoch um Ausgleich mit anderen Meinungen bemüht ist. Der Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, zu dessen Vorsitzendem Möhrle 2005 gewählt wurde, kann sich glücklich schätzen. NJ
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