WISSENSCHAFT

Internet-Recherche zu psychischen Erkrankungen im Alter: Informationen für Experten, Betroffene und Angehörige

PP 5, Ausgabe April 2006, Seite 174

Eichenberg, Christiane; Portz, Kareen

Eine Auswahl von Webseiten zu Gerontopsychologie und -psychiatrie

Ein Viertel der über 65-Jährigen ist wegen psychischer Belastungen als behandlungsbedürftig anzusehen. Neben Demenz sind depressive Störungen die häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Dabei weisen die demenziellen Syndrome die höchsten Prävalenzraten auf. Von den schätzungsweise zehn bis zwölf Prozent der Betroffenen ab dem 64. Lebensjahr leidet rund die Hälfte an einer primären Demenz vom Alzheimer-Typ, weitere 20 Prozent an einer vaskulären Demenz. Altersdepression wird nach einem erstmaligen Auftreten der depressiven Symptomatik nach dem 60. Lebensjahr definiert. Die Punktprävalenz für alle depressiven Syndrome bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr beträgt 15 bis 17 Prozent und etwa zwei bis drei Prozent für schwere depressive Störungen. 40 Prozent der Depressionen im Alter werden nicht korrekt diagnostiziert und behandelt, daher ist die Suizidgefährdung bei Altersdepressionen besonders virulent. Unter den Motiven Älterer, sich zu suizidieren, werden Sorgen wegen körperlicher Krankheit, Vereinsamung, soziale Isolation und erzwungene Untätigkeit hervorgehoben (1).
Einen Überblick zur Gerontopsychiatrie findet sich bei der American Association for Geriatric Psychiatrie (AAGP) (www.aagpgpa.org). Ein passwortgeschützter Mitgliederbereich enthält wissenschaftliche Informationen. Eine weitere Anlaufstelle ist die Homepage der European Association of Geriatric Psychiatry (EAGP) (www.eagp.com). Durch eine Mitgliedschaft erhalten Fachleute das offizielle Mitteilungsorgan „Orange Journal“.
www.demenz-saarlouis.de
Im deutschsprachigen Raum werden zum Beispiel Kurzversionen von (Behandlungs-)Leitlinien, unter anderem zu Schizophrenie, Angststörungen, Demenz und affektiven Störungen sowie Stellungnahmen zu Themen wie zum Beispiel „Antipsychotika bei Demenz“ von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) (www.dgppn.de) bereitgestellt. Weitere Webressourcen für professionelle Helfer bieten unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V. (DGGG) (www.dggg-online.de), das Deutsche Zentrum für Alternsforschung (DZFA) (www.dzfa.de) oder das deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) (www. dza.uni-heidelberg.de). Das DZA initiierte zudem GeroStat (www.gerostat. de), ein statistisches Informationssystem, das gebührenfrei gerontologische und demographische Daten der amtlichen Statistik und der empirischen Sozialforschung bietet und beschreibende Informationen zum Thema „Alter(n)“ liefert.
Wer an einer fachspezifischen Weiter- oder Fortbildung interessiert ist, kann sich bei der deutschen Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) (www.dggpp.de/akade mie.html) oder beim Gerontologischen Forum Bonn (www.gruppenanalyse.com/ portal) informieren.
Neben Fachverbänden und Gesellschaften können auch themengebundene Zeitschriften online eingesehen werden. Die Zeitschrift für Gerontopsychologie & -psychiatrie (www.psycontent.com/abstracts/hh/abstracts.php?code=gps) veröffentlicht frei zugänglich die Abstracts der Publikationen, Abonnenten erhalten Zugriff auf den Volltext. „Psychotherapie im Alter (PiA)“ (www.psychosozial-ver lag.de => Zeitschriften) möchte einen Dialog zwischen den Berufsgruppen fördern und einen Beitrag zur Fortentwicklung der Psychotherapie im Alter leisten.
Demenz
Aufklärung speziell über Epidemiologie und Symptomatik der vaskulären Demenz bereitet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (www.dgn.org/
48.0.html) auf. Hinweise zur Diagnosestellung, Anamnese und zu bildgebenden Zusatzuntersuchungen werden auf den Seiten berücksichtigt.
Weitere wichtige Hinweise zu Diagnostik nach ICD-10, Differenzialdiagnostik und Behandlung liefert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mit ihren Leitlinien „Demenz“, zusammengestellt von der DGPPN (www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ ll/038-013.htm).
Die Arbeitsgruppe Gerontopsychiatrie und Versorgungsforschung der Charité, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (www.charite.de/psychiatrie/ forschung/geronto.html) macht im Netz auf ihre Forschungsschwerpunkte aufmerksam.
Das BDA-Manual Demenz vom Service-Institut für Ärzte und Apotheker GmbH (ifap GmbH) (www.ifap-index. de/bda-manuale/demenz/hausarzt) klärt ebenso ausführlich über das Krankheitsbild auf. Wissenswertes über Diagnostik, Therapie, Rechtsfragen werden bereitgestellt. Relevant für Mediziner ist die Arzneiverordnung in der Praxis – Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (www.akdae.de/35/70_De menz_2004_3Auflage.pdf) zum Thema Demenz, die als pdf-Datei zur Verfügung steht.
Das Kompetenznetz Demenzen (www. kompetenznetz-demenzen.de) richtet sich mit seinem Angebot sowohl an das Fachpublikum als auch an Betroffene. Experten erhalten unter anderem Hinweise auf Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen. Betroffene erhalten vielfältiges Material zu Behandlungsmöglichkeiten, die von Erinnerungsarbeit über Ergotherapie, Milieutherapie bis hin zum Gedächtnistraining reichen.
Die Leitlinien „Demenzkrankheit“ für Betroffene, Angehörige und Pflegende werden von der Universität Witten- Herdecke bereitgestellt (www.patienten leitlinien.de/Demenz/demenz.html).
Netdoctor (www.netdoktor.de/krank
heiten/fakta/demenz.htm) erläutert laiengerecht die Bedeutung und Entstehung von Demenz und listet typische Verhaltensweisen bei einer Altersdemenz auf. Zudem wird auf präventive Aspekte eingegangen. Ein Abschnitt erläutert den Umgang mit Demenzkranken im Alltag.
Der allgemeine Demenz-Ratgeber (www.demenz-ratgeber.de/index.htm) von Dr. Dr. med. Herbert Mück bietet 275 Anregungen sowie zahlreiche Checklisten, Formulare und Buch- beziehungsweise Videoempfehlungen.
Wer Hilfe und Rat sucht, der kann sich an den Demenz Verein Saarlouis e.V. (www.demenz-saarlouis.de) wenden, der kostenlose Beratung per Telefon oder E-Mail anbietet. Zudem führt der Verein Möglichkeiten für verschiedene Beihilfen an, wie zum Beispiel häusliche Betreuung, Angehörigengruppen sowie Tages- und Nachtbetreuung. In dem Artikel „Wir von der Demenz-WG“ (www.zeit.de/2004/46/Demenz-WG) wird eine stationäre Betreuungsform vorgestellt.
Gedächtnissprechstunden, zum Beispiel vom Universitätsklinikum Ulm (www.uni-ulm.de/klinik/neurologie/0304.html) angeboten, möchten Demenzfrüherkennung und Differenzialdiagnostik leisten und somit eine effektive Therapie sicherstellen.
Potenziell Betroffene können mittels internetbasierter Tests ihre Gedächtnisfunktionen online überprüfen (www.gedaechtnisonline.de).
Alzheimer
Das Alzheimer’s Disease Education and Referral Center (www.alz heimers.org) hält Informationen für Fachleute bereit, zum Beispiel in Form des Newsletters „Connections“. Die Organisation Alzheimer Europe (www.alzheimer-europe. org) stellt ihre Projekte vor, Zusammenfassung von Veranstaltungsreihen und Powerpointpräsentationen der letzten Alzheimer Europe Conference aus dem Jahr 2005 stehen zudem zum Download bereit. Hirnliga e.V. – Deutschlands Alzheimer Forscher (www.hirnliga.de) ist ein gemeinnütziger Verein und wurde 1986 von Forschern und Ärzten in Heidelberg gegründet, um wissenschaftliche Initiativen zu fördern. Die von der Hirnliga geförderten Projekte können online eingesehen werden.
Neben Fachgesellschaften verpflichten sich auch Einzelpersonen der Aufklärung im Netz. So zum Beispiel Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse (www. neuro24.de/alzhei.htm), der unter anderem die Historie der Alzheimer-Krankheit und die Definitionen nach DSM-IV und ICD-10 erläutert.
www.deutsche-alzheimer.de
Betroffene und ihre Angehörigen können ihre Internetrecherche bei der Initiative „Altern in Würde“ (www.altern-in-wuerde.de) beginnen. Sie ist eine Sektion des Deutschen Grünen Kreuzes e.V., der ältesten Organisation für Gesundheitsaufklärung in Deutschland. Ursachen, Früherkennung, medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlung werden umrissen. Experten beantworten kostenlos Fragen via E-Mail. Tipps zum Umgang mit betroffenen Personen können abgerufen und einige Fragebögen zur Veränderung älterer Menschen ausgedruckt, ausgefüllt und zum Arztbesuch mitgenommen werden. Hilfreiche Hinweise und Aufklärung über bildgebende Verfahren finden sich bei Alzheimerinfo.de (www.alzheimerinfo. de). Wer wohnortnahe Hilfe aufsuchen möchte, findet beim Alzheimerforum (www.alzheimerforum.de) eine Liste der Gedächtnisambulanzen und Memory-Kliniken in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Auch weitere Gesellschaften, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen sind registriert. Zusätzliche Anlaufstellen fasst die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (www.deutsche-alzheimer.de) zusammen.
Depressionen
Neurogeriatrie.de (www.neurogeriatrie. de) befasst sich mit den besonderen Aspekten der Gehirn- und Nervensystemerkrankungen im höheren Lebensalter. Hier finden sich medizinische Fachreferate, Informationen und praktische Tipps zu altersneurologischen Krankheitsbildern, so auch zur Depression im Alter.
Das Psychologische Institut der Universität Tübingen stellt seine vergleichenden Therapiestudien bei depressiven Störungen im höheren Lebensalter vor (www.uni-tuebingen.de/psychologie/abt kpps/Dia.htm).
Die gesundheitspolitische Relevanz der Erkrankung thematisiert der „Problemkreis Altersdepression“, publiziert von der AWMF in ihrem Online-Pressedienst (www.uni-duesseldorf.de/WWW/ AWMF).
Ebenfalls mit der Depression im Alter beschäftigt sich CareLounge – die Community der medizinischen, pflegenden und sozialen Berufe (www.carelounge.de/ altenarbeit/wissen/themen_depression. php). Die Behandlungsansätze des Tübinger Psychologen Prof. Dr. Martin Hautzinger, der dafür den Preis der Deutschen Gesellschaft für Geronto-
psychiatrie und Gerontopsychotherapie erhielt, werden aufgegriffen und Bü-
cherempfehlungen ausgesprochen. Weitere Literaturhinweise finden sich beim Institut für psychotherapeutische Information und Beratung (www.ipsis.de/the men/thema_altersdepression.htm).
Medizinfo informiert Laien über erste Anzeichen, Häufigkeit und Behandlungsmöglichkeiten von Altersdepression (www.medizinfo.de/kopfundseele/depression/depralt.htm). Risikofaktoren für eine depressive Erkrankung im Alter stellt depression.ch zusammen (www.de pression.ch/formen).
Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Universität München und Sprecher des „Kompetenznetzes Depression“ beantwortet auf den Seiten von SeniorenPro.de (www.senio renpro.de) Fragen wie „Entstehen Depressionen vor allem in einer Krise?“ oder „Was sind typische Warnzeichen?“.
Interessenten, die sich online austauschen möchten, finden diese Möglichkeit beim Depri.net (www.depri.net), ein Angebot von und für von Depressionen betroffene Menschen.
Suizid
Der Vortrag „Ethische Aspekte der Suizidalität im Alter“ von Hans Wedler, im Rahmen des Fachkongresses Gerontologica im Jahr 2004 gehalten, ist als Skript im Internet abrufbar (www.dvgg.geron to.uni-erlangen.de/docs/Gerontologica/ wedler% 20gerontologica.pdf). Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (www.dghs.de) informiert in ihrem Pressedienst unter anderem über die Berliner Studie zu Suizidmotiven von Senioren. Eine weitere Publikation wie„Suizid im Alter: Symptom oder Bilanz?“ (www.psycontent.com/abstracts/ hh/gps/2001/01/body-gps1401036.html) ist online einsehbar.
Audiovisuelles Aufklärungsmaterial finden Laien bei der ZDFmediathek. Ein neunminütiger Bericht von Frontal 21 bereitet eine kurze Einführung in die Thematik, Betroffenenberichte und Expertenstatements auf (www.zdf.de/
ZDFmediathek).
Das Projekt „Nationales Suizid Präventions Programm“ wird in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk für Suizidforschung und Prävention der Weltgesundheitsorganisation sowie unter Beteiligung des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt (www.sui zidpraevention-deutschland.de) und offeriert die Broschüre „Wenn das Alt-
werden zur Last wird – Suizidprävention im Alter“, die auf Wunsch angefordert werden kann.
Bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (www.suizidprophy laxe.de) finden Hilfesuchende sowie Angehörige Adressen und Telefonnummern von professionellen Anlaufstellen.

Literatur
1. Bergener M, Hampel H, Möller H-J, Zaudig M (Hrsg.): Gerontopsychiatrie. Grundlagen, Klinik und Praxis. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 2005.

Dr. Christiane Eichenberg, Dipl.-Psych.,
Kareen Portz, Institut für Klinische Psychologie & Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, Internet: www.christianeeichenberg.de
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