BRIEFE

Fallpauschalen: Die wahren Verhältnisse nicht erkannt

Dtsch Arztebl 2006; 103(16): A-1067 / B-900 / C-869

Rost, Michael

Was von Herrn Straube zur Kodierung der MR-Keime empfohlen wird, ist völlig richtig; leider sieht er aus meiner Sicht aber die Vergütungsrelevanz der MR-Keime etwas zu rosig, und der Untertitel „Die Kodierung ist attraktiv“ täuscht über die wahren Verhältnisse hinweg: Den MR-Keimen wird ein CCL-Wert von zwei zugeordnet. Die Prozedur der Komplexbehandlung OPS 8-987.- taucht im Definitionshandbuch nicht als DRG-relevante Prozedur auf und ist daher überhaupt nicht vergütungsrelevant. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden bei ungesplitteten DRG („Z-DRG“) daher keine Veränderungen im Fallgewicht auftreten (in Einzelfällen kann der Fall u. U. in eine andere und höherwertige Basis-DRG umgruppiert werden). Das gilt auch für solche DRG, die auch ohne die Verschlüsselung des Keimes (U80 bis U85) bereits in der höchstmöglichen Vergütungsstufe sind (d. h. einen PCCL von vier aufweisen). Da die MR-Keime besonders bei Schwerkranken und Multimorbiden eine große Rolle spielen, erhält die Klinik gerade bei solchen Fällen häufig eine Mehrvergütung von null für den ganzen Aufwand. Dass die Keime und die Prozeduren dennoch kodiert werden müssen, schon um für die Kalkulationen der nächsten Jahre berücksichtigt zu werden, ist klar. Dies gilt aber prinzipiell auch für alle anderen nicht direkt DRG-relevanten Nebendiagnosen und Prozeduren. Zu fordern ist aber, dass das
INEK speziell für die MR-Keime ein tagesbezogenes Zusatzentgelt für die Prozeduren 8-987.0 und 8-987.1 definiert, da der Aufwand ja bei allen Patienten relativ gleichmäßig entsteht und in großem Umfang durch die Hygiene- und Behandlungsmaßnahmen relativ unabhängig von der Grunderkrankung bestimmt wird. Wenn man bedenkt, dass die Hypokaliämie (ICD 87.6), die mit drei Tabletten Kalinor-Brause behandelt wird, letztendlich den gleichen Effekt auf die Vergütung hat wie die hochaufwendige Behandlung eines MRSA-Patienten, erkennt man wieder einmal, dass dieses System zumindest in Teilen noch weit von dem entfernt ist, was es zu sein vorgibt.
Dr. Michael Rost, DRG-Beauftragter, Ritterweg 13, 34497 Korbach
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