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BRIEFE

Dienstleister: Humankapital behandelt Relativgewichte

Dtsch Arztebl 2006; 103(22): A-1554 / B-1327 / C-1279

Hopf, Hans-Bernd

Ich möchte die Hauptthese des sehr gelungenen Kommentars von Herrn Kollegen Gmelin noch etwas mehr pointieren: Die deutsche Ärzteschaft ist auf dem besten Weg, ihre Glaubwürdigkeit vollends zu verspielen. Der wie völlig selbstverständlich gebrauchte Begriff „Humankapital“ im Zusammenhang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht in der besten Wortwahl-Tradition unserer unsäglichen Vergangenheit: Kapital ist Geld und wird als solches entweder verzinst oder verbraucht – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen (oder sonst wo) werden also verzinst oder verbraucht? Relativgewichte sind „relativ“ zum Normal(gewicht/
-wert) zu betrachtende oder zu bewertende (Wert-)Gegenstände. In der Nomenklatur des deutschen Gesundheitswesens wird das „Relativgewicht 1“ in Form eines Basispreises für eine medizinische Prozedur an einem durchschnittlich gesunden weiblichen oder männlichen Patienten landeseinheitlich festgelegt und dann nach Erfassung aller Diagnose-/Prozeduren-Daten im so genannten „Grouper“ mit einem „Multiplikator“ belegt. Auf Deutsch: Patienten sind keine kranken oder hilfesuchenden Menschen mehr, sondern mittlerweile über „Kunden“ zu „Vielfältigen“ eines „Basispreises“ also „Relativgewichten“ degeneriert! Aldous Huxley lässt grüßen: Schöne neue Welt! Leider ist in der deutschen Ärzteschaft ganz offensichtlich die Basis unseres Tuns – der noch immer gültige (und mehr denn je sinnvolle und notwendige) hippokratische Eid völlig in Vergessenheit geraten. Wir deutschen Ärzte sollten uns daran erinnern, anstatt willfährig unsinnigste und menschenverachtende Worthülsen kopfnickend zu perseverieren . . .
Prof. Dr. Hans-Bernd Hopf,
Asklepios Kliniken Langen-Seligenstadt, Röntgenstraße 20, 63225 Langen
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