BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundesärztekammer

„UAW-News – International“: Tödliche Hypoglykämie unter Levofloxacin (Tavanic®)

Dtsch Arztebl 2006; 103(31-32): A-2129 / B-1837 / C-1777

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Fluorchinolone (Gyrasehemmer) sind gut wirksame antibakterielle Substanzen mit einem allerdings sehr breiten Spektrum an teilweise erheblichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Einige Vertreter dieser Wirkstoffgruppe mussten in der Vergangenheit wegen schwerer Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden. Hypoglykämien wurden zwar selten, aber praktisch nach allen Fluorchinolonen berichtet. Typischerweise treten sie in den ersten drei Tagen nach Therapiebeginn auf. Ältere Patienten mit Typ-2-Diabetes und besonders diejenigen, die Sulfonylharnstoffe einnehmen, scheinen besonders gefährdet zu sein.
Es wird über einen 79-jährigen multimorbiden Patienten (185 cm/105 kg) mit einem Typ-2-Diabetes berichtet (1). Er litt außerdem an einer koronaren Herzkrankheit, Hypertonie, Gicht und einer geringergradigen Niereninsuffizienz nach Verlust einer Niere. Während einer stationären Behandlung entwickelte der Patient Fieber. Es wurde eine Aspirationspneumonie vermutet und Levofloxacin (250 mg i.v.) gegeben. Der Patient wurde zunehmend somnolent. Sechs Stunden nach der Injektion wurde ein Blutzucker von 6,0 mg/dl bestimmt. Der Patient erhielt Dextrose, Levofloxacin wurde abgesetzt. Der Zustand des Patienten verschlechterte sich kontinuierlich, er erlangte das Bewusstsein nicht wieder. Schließlich wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt, und der Patient verstarb. Die Autoren gehen nicht davon aus, dass die anderen Medikamente, die der multimorbide Patient erhielt, als Auslöser für diese fatale Hypoglykämie infrage kommen.
Fluorchinolone sind häufig verordnete Arzneimittel. Sie wurden 2004 mit 28,4 Mio. DDD verordnet (2), mit insgesamt weiter steigender Tendenz (+ 12,9 Prozent). Davon entfielen unter anderem auf Ciprofloxacin 10,5 Mio., Moxifloxacin 5,9 Mio., Levofloxacin 4,8 Mio. und Ofloxacin 3,2 Mio. DDD.
Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 12. 7. 2006) sind 847 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit Levofloxacin erfasst. Im Vordergrund stehen mit zwei Dritteln aller Meldungen UAW am Muskel- und Skelettsystem. Auch Erkrankungen des Nervensystems (34 Prozent), Störungen des Gastrointestinaltraktes (30 Prozent), generalisierte Störungen (30 Prozent) und Hautreaktionen (29 Prozent) werden häufig genannt. Eine Hypoglykämie wird nur in zwei Fällen aufgeführt. Für die gesamte Gruppe der Fluorchinolone finden sich 17 Fälle einer Hypoglykämie sowie ein Fall eines hypoglykämischen Komas bei insgesamt 5 256 Meldungen.
Die AkdÄ hatte bereits im Zusammenhang mit dem zwischenzeitlich vom Markt genommenen Gatifloxacin auf mögliche Hypoglykämien hingewiesen (3). In der Fachinformation von Tavanic® (4) werden Hypoglykämien, insbesondere bei Diabetikern, als sehr seltene UAW aufgeführt.
Da es sich um eine zwar leicht erkennbare und leicht behandelbare UAW handelt, die aber – wie im vorliegenden Fall nicht rechtzeitig erkannt – tödlich verlaufen kann, soll an dieser Stelle an das potentielle Risiko erinnert werden.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Friedrich LV, Dougherty R: Fatal hypoglycemia associated with levofloxacin. Pharmacotherapy 2004; 24: 1807–12.
2. Schwabe U, Paffrath P (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2005. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2006.
3. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Aus der UAW-Datenbank: Hypoglykämien unter Gatifloxacin. Dtsch Arztebl 2004; 101: A 366.
4. Fachinformation Tavanic® 250 mg/500 mg Filmtabletten, Oktober 2004.

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin, Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info@akdae.de, Internet: www.akdae.de
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