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Systemische Therapie: Wirksamkeit und Langzeiterfolge

PP 5, Ausgabe Oktober 2006, Seite 436

Bühring, Petra

Systemische Therapie oder Familientherapie ist ein wirksames und kostengünstiges Psychotherapieverfahren mit sehr guten Langzeiteffekten. Das erklärt eine wissenschaftliche Studie, die zwei Psychotherapieverbände – Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und Systemische Gesellschaft (SG) – vorgelegt haben. Die Studie basiert auf mehr als 80 randomisierten, kontrollierten (RCT-)Studien. Die Verbände wollen mit ihrer Expertise der Systemischen Familientherapie auch in Deutschland zu einer offiziellen Anerkennung verhelfen: Sie ist in der Psychotherapeutenausbildung bisher nicht als Therapieverfahren zugelassen und kann in der ambulanten Behandlung nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden.
Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie für Störungen im Kindes- und Jugendalter sei durch Forschungsstudien – vor allem aus den USA – gut belegt, erklären die beiden Verbände. Das Gutachten wertet 50 RCT-Studien aus, von denen 44 die Wirksamkeit der Systemischen Therapie belegen. Das gilt insbesondere für Drogenmiss-brauch, Störungen des Sozialverhaltens, jugendliche Delinquenz, Essstörungen und die Bewältigung von körperlichen Krankheiten. Die Wirksamkeit bei Störungen im Erwachsenenalter sei ebenfalls gut belegt. Hier führt die Expertise 27 RCT-Studien an, die zeigen, dass Systemische Therapie hoch wirksam ist. Das gelte insbesondere für Substanzstörungen, Depression, Essstörungen, psychische Störungen bei somatischen Krankheiten sowie für Schizophrenie.
Die kontrollierten Studien belegten neben der hohen Wirksamkeit des Verfahrens nach Ende der Therapie eine gute Langzeitwirkung, so die DGSF, und die SF weiter: Bei Kontrolluntersuchungen bis zu vier Jahren nach Abschluss der Therapie zeige die Systemische Therapie bessere Ergebnisse als konkurrierende Verfahren. Außerdem seien die Abbruchraten geringer. So könnten mit Systemischer Therapie/Familientherapie beispielsweise mehr Drogenabhängige in Therapien gehalten werden als bei anderen Therapieansätzen. Systemische Therapie sei darüber hinaus besonders kostengünstig aufgrund einer vergleichsweise geringen Sitzungszahl. Durch die „Mitbehandlung“ des sozialen Umfeldes komme es zudem auch bei den Angehörigen des Patienten zu positiven Effekten.
Die beiden Verbände haben ihre Expertise dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie vorgelegt, der psychotherapeutische Verfahren wissenschaftlich begutachtet. Über die staatliche Zulassung einer Ausbildung in Systemischer Therapie hatte kürzlich das Verwaltungsgericht Düsseldorf zu entscheiden. Dabei urteilte das Gericht, dass die Systemische Familientherapie aufgrund ihrer weltweit großen Verbreitung als wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren anzusehen sei. PB
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