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BRIEFE

Hochschulen: Wohin die Besten gehen

Dtsch Arztebl 2006; 103(46): A-3097 / B-2696 / C-2586

Robra, Bernt-Peter; Rothkötter, Hermann-Josef

Als „Ausbildungserfolg“ gilt eine gute Note im ersten Teil des Staatsexamens (Physikum) in der Regelstudienzeit. Der statistische Aufwand der vorgelegten Untersuchung täuscht darüber hinweg: Die Selbstselektion der Studierenden in einige bevorzugte Fakultäten lässt sich mit den vorhandenen Daten nicht angemessen berücksichtigen. Der bundesländerspezifische Grenzwert des Numerus clausus, hier als Kontrollgröße des Schulleistungsniveaus der Studierenden verwendet, hängt u. a. ab von Tendenzen der Notengebung im jeweiligen Bundesland, nicht von der Studierfähigkeit – deswegen hat man ja die Länderquoten im Zulassungsverfahren eingeführt. Der Grenzwert gilt für ein Bundesland, seine pauschale Zuschreibung auf Fakultätsebene berücksichtigt weder die Wanderungen innerhalb eines Bundeslandes noch die Wanderungen über die Landesgrenzen – und gerade die Besten (sollen) wandern. Anhaltspunkt für selektive Migration der prognostisch besten Studierenden ist das Universitätsranking der Studienstiftung. Der Anteil der Studienstiftler an allen Studierenden ist besonders hoch in Freiburg, Heidelberg, an der Charité und in Tübingen (die Studienstiftung weist leider die medizinischen Fakultäten nicht gesondert aus). Selektionsaktivitäten der medizinischen Fakultäten selbst lassen sich daran erkennen, dass in mehreren nachgefragten Fakultäten Studierende außerhalb der Regelstudienzeit beim Auffüllen der Zulassungszahlen in höheren Semestern nicht akzeptiert werden. Exzellenzbildung durch Selektion mag bildungspolitisch gewollt sein. Ein „Ausbildungserfolg“ im Sinne einer aktiven Leistung der Fakultäten, eines Mehrwerts, ist damit noch nicht erreicht. Eine Analyse des Zusammenhangs zwischen Selbstselektion der Studierenden, Ausstattung der Fakultäten und einem medizinisch sinnvollen Indikator des Berufserfolgs bleibt daher zu leisten.
Prof. Dr. med. Bernt-Peter Robra, M. P. H.,
Studiendekan,
Prof. Dr. med. Hermann-Josef Rothkötter,
Vorsitzender der Lehrkommission,
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
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