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BRIEFE

Deutscher Ärztetag: Dem Ärger Luft machen

Dtsch Arztebl 2006; 103(47): A-3179 / B-2768 / C-2650

Wulf, Stephan

Seit meiner Rückkehr aus Großbritannien drängte es mich, meinem Ärger über das deutsche Gesundheitswesen Luft zu machen. Den Aufruf von Herrn Kollegen Hoppe nehme ich jetzt zum Anlass; aber Vorsicht: anders als so mancher denken möge. Die deutsche Ärzteschaft beklagt sich, dass es ihr schlecht gehe. Von Praxisinsolvenzen größeren Ausmaßes redet man, bestehender Ärztemangel wird reklamiert, Ärzte könnten lebensnotwendige Medikamente nicht mehr verordnen. Meines Erachtens ist dies Lobbyismus pur, d. h. das Einfordern eigener Bedürfnisse ohne den verantwortungsvollen Blick für das Gemeinwesen. Viele Menschen in Deutschland müssen heute mehr arbeiten für weniger Geld, warum nicht auch wir Ärzte? Es gibt nur wenige Länder, die so viele Ärzte pro Kopf aufbieten können wie Deutschland . . . Was die jetzigen offiziellen Aussagen der unterschiedlichen Ärzteverbände zeigen, sind die Einigkeit in der Ablehnung des Reformgesetzes und dass man das meiste für die eigene Klientel herausholen möchte, aber auch die Unfähigkeit zur Selbstkritik und Selbstbeschränkung wie auch die Uneinigkeit über Alternativen . . .
Dr. med. Stephan Wulf, Radeburger Straße 4, 01458 Ottendorf-Okrilla
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