AKTUELL
Randnotiz: Die getimte Geburt
Dtsch Arztebl 2006; 103(51-52): A-3445 / B-3001 / C-2877


Auf keinen Fall Sex, bloß keine heißen Bäder und statt des vorweihnachtlichen Shoppingstresses lieber ein paar Tage Bettruhe (natürlich mit hochgelagertem Po). Hochschwangere mit einer für Ende Dezember terminierten Entbindung tauschen schon jetzt eifrig Tipps aus, wie sie den Geburtstermin ein wenig hinauszögern können. Warum? Weil Paare nur dann in den Genuss des neuen Elterngeldes kommen, wenn das Kind nicht vor Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. Januar 2007 zur Welt kommt.
Im Portemonnaie von Normal- und Besserverdienern würde sich dies enorm bemerkbar machen. Je nachdem, ob das Baby am 31. Dezember 2006 um 23.59 Uhr geboren wird oder erst am Neujahrsmorgen um 0.01 Uhr, kann der Unterschied zum bisherigen Erziehungsgeld bis zu 25 200 Euro betragen. Kein Wunder also, dass manche werdende Eltern ihren kleinen Schreihals trotz aller Vorfreude erst nach Jahresfrist in die Arme schließen möchten.
Doch Ärzte warnen davor, Geburten wegen des erhofften Geldsegens künstlich verzögern zu wollen. Wehenhemmer oder Magnesium sollten nur zur Vermeidung von Frühgeburten zum Einsatz kommen. „Selbst Tausende Euro sind es nicht wert, dass man die Gesundheit des Kindes gefährdet, und darum wird es aus ärztlicher Hand dafür keine Hilfe geben“, stellt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte klar.
Ärzte können werdende Eltern aber auch mit einem Hinweis auf die Statistik beruhigen. Denn nur vier Prozent aller Babys kommen tatsächlich zum errechneten Termin auf die Welt, ganze 70 Prozent etwas später.
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