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Supplement: Reisemagazin

Impfpläne

Dtsch Arztebl 1997; 94(10): [28]

Burkart, Günter

Die bevorstehende Sommer-Reisesaison wird wieder gekennzeichnet sein davon, daß vielerorts auf die Notwendigkeit von Schutzimpfungen gegen Infektionskrankheiten hingewiesen werden wird - und daß viele Touristen diese Ermahnungen in den Wind schlagen werden. Dies gilt oft bei Last-Minute-Reisenden. Aber auch die im Herbst 1996 häufig zitierte "Studie" der Stiftung Warentest, die der reisemedizinischen Beratung in Deutschland "teilweise katastrophale Mängel" nachsagte, wird die Impffreudigkeit vor Reisen nicht gerade gesteigert haben.
Auch die Erfolge der Impfmedizin könnten absurderweise zu einem Nachlassen der Impfbeteiligung beitragen. So gab es im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik Deutschland erfreulicherweise nur noch jeweils einen gemeldeten Fall von Polio und von Tollwut; um so schwieriger ist es klarzumachen, daß Polio und Tollwut in manchen Reiseländern eine weitaus größere Gefahr darstellen. Die Stiftung Warentest hatte insbesondere die mangelhafte Aufklärung über das Tollwutrisiko kritisiert. Ob allerdings eine prophylaktische Tollwutimpfung sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab.
Das Deutsche Grüne Kreuz hat noch einmal eine Liste der Infektionskrankheiten aufgestellt, bei denen vor Antritt einer Reise eine Impfprophylaxe möglich ist, ob sie auch in jedem Fall durchgeführt werden sollte, hängt vom Reiseziel und auch von der Reiseart ab. Die Impfnotwendigkeit für ein Land mit hohem Risiko ist für denjenigen, der vier Wochen lang mit Rucksack und Zelt wandern will, sicherlich anders zu beurteilen als für den Teilnehmer an einer dreitägigen Konferenz im Tagungshotel der Landeshauptstadt. - Die Liste umfaßt folgende Krankheiten:
Cholera (nicht routinemäßig; in manchen Ländern kann aber das Risiko schnell steigen); Diphtherie; FSME; Gelbfieber; Hepatitis A und B; Influenza (ebenfalls schnell wechselndes Risiko möglich); Japan- Enzephalitis (nicht routinemäßig); Meningokokken; Polio; Tetanus; Tollwut; Typhus; Tuberkulose (in besonderen Fällen). Idealerweise sollte ein Impfplan sechs Wochen vor Antritt der Reise aufgestellt werden, was aber leider natürlich nur dann gelingt, wenn der Reisende seine Pläne rechtzeitig dem beratenden Arzt offenbart. Viele Patienten wissen nicht, daß bestimmte Impfungen nur in längerem zeitlichen Abstand voneinander gegeben werden können. Hier wäre es sicher hilfreich, wenn alle Reiseveranstalter und Reisebüros schon bei der Beratung entsprechende Hinweise geben und es nicht bei der vorgedruckten Formel belassen würden: "Für die empfohlenen Imfpungen ist der Reisende selbst verantwortlich". So muß zum Beispiel zwischen der PolioSchluckimpfung und der Gelbfieberimpfung ein Abstand von vier Wochen liegen, wenn sie nicht zur gleichen Zeit vorgenommen werden können; die Gelbfieber-Impfung wiederum muß zehn Tage vor der Abreise erfolgt sein. gb
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