73 Artikel im Heft, Seite 43 von 73

MEDIZIN: Diskussion

Zertifizierte medizinische Fortbildung – Leitsymptom Juckreiz: Dermatologische Aspekte fehlen

Dtsch Arztebl 2007; 104(11): A-729 / B-643 / C-619

Ständer, Sonja; Weisshaar, Elke

Es freut uns sehr, dass das Deutsche Ärzteblatt die große und sozialmedizinische Bedeutung von Pruritus zu schätzen weiß, leiden doch etwa 8 % der Allgemeinbevölkerung daran. Wir danken den Autoren für die Darstellung der Thematik, die wir aus dermatologischer Sicht kommentieren möchten. Im ersten Absatz wird geschrieben, dass sich dieser Artikel auf „Pruritus sine materia“ konzentriert und damit dermatologische Aspekte gleichwohl ausgrenzt. Der Begriff „Pruritus sine materia“ ist eine veraltete, nicht mehr verwendete Bezeichnung, weil dies dem Vorkommen von Pruritus auf unauffälliger Haut nicht gerecht wird. Bei bestimmten Pruritusformen wie zum Beispiel dem medikamenten-induzierten Pruritus besteht durchaus eine (mikroskopisch nachweisbare) Materie ohne äußerlich erkennbare dermatologische Effloreszenzen. Des Weiteren existieren viele juckende Dermatosen, die sich zunächst auf scheinbar normaler Haut entwickeln und differentialdiagnostisch wichtig sind.
Es erfolgt in dem Artikel weiterhin eine Themendarstellung, die unter Aussparung wichtiger dermatologischer Aspekte gleichsam erschwert ist und dem häufigsten Symptom der Haut nicht gerecht wird. Beispielsweise nennen die Autoren zwar die Bedeutung der Hautnerven bei einer Entstehung des Pruritus, aber aktuelle Forschungsergebnisse zur Neurobiologie, Neurorezeptoren und immunologischen Mechanismen, die in den letzten Jahren zum Verständnis des Symptoms beitrugen, bleiben leider unerwähnt. Die Schwierigkeit der Spezifizierung von dermatologischen Therapien und das Fehlen wichtiger Nebenwirkungen zeigen im weiteren Verlauf des Beitrages, dass dermatologische Expertise zur Abhandlung dieses Themas notwendig ist. Auch der psychogene Pruritus und die hierbei wichtige Zusammenarbeit mit Psychiatern und Psychosomatikern bleiben größtenteils unerwähnt, obwohl auch hier Pruritus ohne Hauterscheinungen auftreten kann.
Zusammenfassend möchten wir mit diesem Kommentar zu diesem herausfordernden Thema nochmals verdeutlichen, dass bei chronischem Pruritus eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unerlässlich ist, nicht nur in der Patientenversorgung.


PD Dr. med. Sonja Ständer
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Straße 58
48149 Münster
E-Mail: sonja.staender@uni-muenster.de

Dr. med. Elke Weisshaar
Klinische Sozialmedizin
Schwerpunkt Berufs- und Umweltmedizin
Universität Heidelberg
Thibantstraße 3
69113 Heidelberg
1.
Ständer S, Streit M, Darsow U et al.: Leitlinie: Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei chronischem Pruritus. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2006, 4: 350–70. MEDLINE
2.
Ständer S, Weisshaar E, Mettlang T et al.: Klinische Klassifikation von chronischem Pruritus: Interdisziplinärer Konsensusvorschlag für einen diagnostischen Algorithmus. Hautarzt 2006, 57: 390–4. MEDLINE
3.
Ikoma A, Steinhoff M, Ständer S, Yosipovitch G, Schmelz M: Neurobiology of Pruritus. Nat Rev Neuroscience 2006, 7: 535–47. MEDLINE

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
73 Artikel im Heft, Seite 43 von 73

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
6 / 2013 3 0
5 / 2013 13 3
4 / 2013 13 0
3 / 2013 7 2
2 / 2013 4 9
1 / 2013 5 4
2013 45 18
2012 40 26
2011 79 29
2010 83 23
2009 113 40
2008 1.402 292
2007 1.321 245
Total 3.083 673

Leserbriefe

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in