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MEDIEN

Klinische Ethik

Dtsch Arztebl 2007; 104(13): A-857 / B-756 / C-727

Hick, Christian

Klinische Ethik: Inhaltlich und formal überzeugend

Die 8. Novelle der Approbationsordnung für Ärztinnen und Ärzte (2002) hat historische, theoretische und ethische Aspekte als festen Bestandteil des medizinischen Curriculums festgeschrieben. Hierfür wurde ein Querschnittsbereich 2 „Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin“ (GTE) definiert. Hicks „Klinische Ethik“ reagiert auf diese neue Pflichtlehre, indem in diesem Lehrbuch auf einen Bereich der medizinischen Ethik fokussiert wird.
Mit einem interdisziplinären Team hat Hick ein Lehrbuch vorgelegt, das weit über die Pflichtlehre von GTE hinaus eingesetzt werden kann. Zu Recht heißt es im Vorwort: „Ethische Fragen stellen sich nicht nur in intensivmedizinischen Extremsituationen, sondern vor allem im klinischen Alltag.“ Das Autorenteam, darunter ein Medizinrechtler, erarbeitet die zentralen klinisch-ethischen Konfliktfelder didaktisch ansprechend, da praxisnah und an Fallgeschichten orientiert. Der Verlag hat das Buch durch ein ansprechendes Layout zu einem modernen Lehrbuch gestaltet.
Inhaltlich spannt das Autorenteam den Bogen von den Themen wie Patientenaufklärung, Schweigepflicht, Entscheidungen am Lebensende, Patientenverfügungen, Entscheidungen am Beginn des Lebens, Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung, ärztliche Behandlungsfehler, interkulturelle Konflikte, klinische Forschungsethik, Mittelverteilung im Gesundheitswesen und – spannend zu lesen – bis hin zu ethischen Konflikten in der medizinischen Ausbildung. Es werden Begriffserklärungen gegeben, gegebenenfalls – und das ist sehr positiv hervorzuheben – wird der historische Kontext skizziert, um dann klinische wie ethische Perspektiven aufzuzeigen und zu diskutieren; schließlich wird am Ende der rechtliche Rahmen abgesteckt.
Nicht immer wird der aktuelle Stand referiert, so zum Beispiel, wenn es um den rechtlichen Rahmen des Suizids geht. Hier hätte man sich einen Hinweis auf die Empfehlungen des Nationalen Ethikrats 2006 sowie den Deutschen Juristentag 2006 gewünscht, der sich explizit mit dem Suizid auseinandergesetzt hat. Kritik ist auch anzumerken an den Ausführungen zur Schweigepflicht bei sexuell übertragbaren Erkrankungen. Der Hinweis auf den rechtfertigenden Notstand ist problematisch. Dass der behandelnde Arzt, bei dem sich auch die Frau eines an HIV-erkrankten Mannes in Behandlung befindet, verpflichtet sei, die Frau über die HIV-Erkrankung ihres Mannes aufzuklären, ist nicht haltbar.
In einem methodisch zentralen Kapitel erläutert Hick die Grundlagen medizinethischen Argumentierens. Gerade dieses Kapitel ist jedem zu empfehlen, der am Beginn seiner Auseinandersetzung mit medizinischer Ethik steht. Abschließend haben die Autoren zehn Patientengeschichten zusammengestellt, aus denen typische klinisch-ethische Konflikte hervorgehen und anhand derer – unterstützt von wenigen Leitfragen – ethisches Analysieren und Argumentieren eingeübt werden können. Im Anhang findet man ein Verzeichnis der verwendeten Literatur und ein nützliches Sachverzeichnis.
Hick ist mit seinem Autorenteam ein inhaltlich wie formal überzeugendes Lehrbuch der Klinischen Ethik gelungen, dem zahlreiche Leser zu wünschen sind. Es ist ein Buch, das sowohl Studierenden der Medizin als auch allen zu empfehlen ist, die im Gesundheitswesen tätig sind. Im Grunde gehört der Hick in jede Kitteltasche. Florian Steger

Christian Hick (Hrsg.): Klinische Ethik. Springer, Heidelberg, 2007, 352 Seiten, kartoniert, 19,95 €
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