AKTUELL: Akut

Stammzellen heilen Anämie – bei der Maus

Dtsch Arztebl 2007; 104(50): A-3442 / B-3030 / C-2926

Meyer, Rüdiger

US-Forscher haben bei Mäusen eine Sichelzellanämie geheilt. Sie infundierten den Tieren Stammzellen, die sie vorher durch Reprogrammierung von Fibroblasten aus dem Schwanz der Tiere gewonnen hatten. Ihre Publikation in Science (2007; doi: 10.1126/science.1152092) belegt die Praktikabilität einer adulten Stammzelltherapie, ist aber derzeit aus Sicherheitsgründen kaum auf den Menschen übertragbar. Erst vor wenigen Tagen hatten zwei Forschergruppen berichtet, dass sie menschliche Fibroblasten der Haut mithilfe von vier Genen in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) „zurückverwandeln“ könnten.
Um eine Sichelzellanämie zu behandeln, seien zwei Schritte notwendig gewesen, berichtet die Gruppe um Prof. Dr. med. Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Boston. Zunächst mussten die iPS in hämatopoetische Stammzellen ausdifferenziert werden, was die Forscher seit Langem beherrschen. Doch mit diesen hämatologischen Stammzellen hätten die Wissenschaftler die Sichelzellanämie nicht behandeln können.
Da sie vom erkrankten Tier selbst stammen, enthalten sie die Mutation an Position 6 der Beta-Untereinheit des Hämoglobingens, die Ursache der Sichelzellanämie ist.
Aber auch dies stellt heute keine unüberwindliche Hürde mehr dar. Mittels Gene-Targeting (Nobelpreis 2007) können einzelne Gene in Zellen ausgetauscht werden. Der Rest ist in der Stammzelltherapie hämatologischer Erkrankungen seit Langem Routine. Die Forscher zerstörten das Knochenmark der Tiere durch Bestrahlung, um es dann durch die genetisch korrekten Zellen wieder neu aufzubauen. Am Ende waren die Tiere von der Sichelzellanämie geheilt. Eine Anwendung beim Menschen kommt derzeit aber nicht infrage. So konnte das Problem der möglichen Krebsinduktion noch nicht gelöst werden. Die Forscher entfernen zwar das für die Reprogrammierung nötige Onkogen c-myc wieder aus den Stammzellen, bevor sie die Zellen transplantierten. Es bleibe jedoch ein Restrisiko, das sich daraus ergebe, dass zur Reprogrammierung Retroviren eingesetzt würden, deren Sicherheit nicht über alle Zweifel erhaben sei, wie Jaenisch anmerkt.
Die Wissenschaftler arbeiten deshalb daran, die vier für die Reprogrammierung notwendigen Gene auf andere Weise in die Zelle zu schleusen oder die in der Zelle vorhandenen Versionen dieser Gene zu aktivieren. Bis dies gelungen sei, werde die Forschung auf embryonale Stammzellen nicht verzichten können, sagt Jaenisch. rme
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