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POLITIK

ÄRZTE ALS HONORARKRÄFTE: Verband für „Unorganisierte“

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3522 / B-3103 / C-2995

Rieser, Sabine

Einer allein schafft es nicht im OP. Wenn das Stammpersonal knapp wird, helfen deshalb immer häufiger Honorarärzte aus. Vor allem Anästhesisten interessieren sich für diese berufliche Alternative. Foto: Barbara Krobath
Es sind wenige, aber es werden mehr: Ärztinnen und Ärzte, die an wechselnden Orten arbeiten und ihr Geld durch Praxisvertretungen oder OP-Einsätze verdienen. Nun will einer einen Verband gründen.

Eigentlich war Dr. med. Nicolai Schäfer (43) jahrelang eine treue Seele. Schon als Medizinstudent arbeitete er im Kölner St. Franziskus-Hospital. Dort absolvierte er auch seine AiP-Zeit, fing dann als Assistenzarzt an und wurde Anästhesist. Als das Krankenhaus Ende der 90er-Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, kam Schäfer ins Nachdenken: „Damals wurde mir klar, dass ich nicht mein ganzes Berufsleben im Krankenhaus verbringen will.“ Denn auch dort war der Job nicht sicher.
Schäfer kündigte. Er übernahm eine Schwangerschaftsvertretung in einer Kinderklinik, fuhr auf Honorarbasis Notarzteinsätze und stellte fest: So könnte man auch leben. Der Liebe wegen zog er nach Berlin. Doch auf feste berufliche Bindungen ließ er sich nicht mehr ein: „Ich hatte
Foto: privat
einfach Freiheit geschnuppert.“ Nach wie vor vertritt er Kollegen in Kliniken und fährt in Berlin und Brandenburg als Notarzt im Rettungsdienst. Angebote gibt es genug.
Ein Pool für die Urlaubszeit
Schäfer schätzt es, dass er sich seine Zeit besser einteilen kann, weniger arbeiten muss als früher und herumkommt. So wie er denken auch andere. Am weitesten verbreitet ist eine Tätigkeit als Honorararzt unter Anästhesisten. Doch nach Schäfers Eindruck führt der zunehmende Mangel an erfahrenen Fachärzten dazu, dass mehr und mehr Kliniken und Institutionen auf Freiberufler zurückgreifen, die auf Honorarbasis arbeiten. „Auch in Fächern wie der Gynäkologie oder der Urologie begegnet man zunehmend aushelfenden Kolleginnen und Kollegen“, sagt er. „Einzelne Kliniken haben sich einen Pool von Aushilfskräften aufgebaut, die in Stoßzeiten oder in der Urlaubszeit das Stammpersonal entlasten.“
Schäfer will angesichts dieser Entwicklung am 19. Januar in Berlin einen Berufsverband Honorarärzte gründen (Infos: www.bv-honoraraerzte.de). „Ich versuche, Leute zu organisieren, die lieber unorganisiert arbeiten“, sagt er lachend. Falsch ist das nicht gedacht. Denn das freiere Arbeiten hat nicht nur Schokoladenseiten. „Man hat wenig Einfluss auf die Gestaltung von Strukturen“, sagt Schäfer über seine wechselnden Arbeitsplätze. „Etwas verändern kann man nur dann, wenn man über längere Zeit das Vertrauen von Kollegen und Vorgesetzten gewonnen hat.“ Um so zu praktizieren wie er, muss man flexibel sein und es aushalten können, sich immer wieder neu einzuarbeiten. Dazu werden Honorarärzte nicht selten von Häusern nachgefragt, in denen es Probleme gibt.
Sie müssen sich zudem mit bestimmten berufsrechtlichen Problemen befassen; auch hierfür will Schäfer im Verband ein Forum schaffen. Schon dass jemand dauerhaft auf Honorarbasis arbeitet, ist in der (Muster-)Berufsordnung streng genommen nicht vorgesehen. Wer deshalb heute hier im Rettungsdienst tätig wird, morgen dort in der Klinik, der muss klären: Welche Ärztekammern sind zuständig? Wie belegt man seine Fortbildung korrekt? Wie verhält es sich mit der Mitgliedschaft in ärztlichen Versorgungswerken? Wo findet man einen geeigneten Haftpflichtversicherer?
Viele nette Kollegen – aber kein vernünftiger Arbeitsplatz
Als großes Problem wird die kleine Gruppe der Honorarärzte bei den Kammern nicht angesehen. Die Bundesärztekammer berät derzeit allerdings darüber, ob in Zukunft eine sogenannte Monomitgliedschaft sinnvoll wäre. Das hieße: ein Arzt – eine zuständige Kammer. Denn durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz sind die Möglichkeiten gestiegen, den Arztberuf flexibler auszuüben. Da Ärztinnen und Ärzte allerdings grundsätzlich Pflichtmitglied in der Kammer sein sollten, in deren Bereich sie ihren Beruf ausüben, nehmen Doppel- und Mehrfachmitgliedschaften zu – mit entsprechendem Aufwand für alle Beteiligten.
Honorararzt Schäfer will nicht ausschließen, dass er sich eines Tages wieder in einem Krankenhaus anstellen lässt. Doch noch hat es ihm nirgendwo gut genug gefallen: „Ich habe schon viele nette Kollegen getroffen, aber noch keinen vernünftigen Arbeitsplatz.“
Sabine Rieser
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