AKTUELL: Akut

Nabelschnurblutspende hilft auch Älteren

Dtsch Arztebl 2008; 105(1-2): A-6 / B-6 / C-6

Siegmund-Schultze, Nicola

Ältere Patienten mit Malignomen können häufig nur dann mit allogenen Stammzellen transplantiert werden, wenn die Konditionierung intensitätsreduziert erfolgt („Minitransplantation“). Das Risiko, dass der Empfänger die allogenen Stammzellen abstößt, kann allerdings bei intensitätsreduzierter Konditionierung erhöht sein. Nabelschnurblut mit ein bis zwei Mismatches eignet sich offenbar als Quelle für allogene Stammzellen zur Therapie älterer Erwachsener, auch nach intensitätsreduzierter Konditionierung. Das belegen Daten der University of Minnesota in Minneapolis, die Dr. med. Navneet S. Majhail bei der Jahrestagung der American Society of Hematology in Atlanta vorgestellt hat.
An der Studie haben 90 Probanden älter als 55 Jahre (55 bis 70 Jahre) mit hämatologischen Malignomen, hauptsächlich akuten myeloischen Leukämien und myelosdysplastischem Syndrom, teilgenommen. 47 Patienten hatten einen HLA-gematchten Verwandtenspender (matched related donor, MRD), 43 Patienten erhielten Stammzellen aus Nabelschnurblut (UCB), und zwar zu 88 Prozent zwei Einheiten UCB, sodass die Zahl der kernhaltigen Zellen durchschnittlich 40 Millionen/Kilogramm Körpergewicht betrug.

Mismatches in den HLA-Antigenen
Bei 93 Prozent der Empfänger von UCB gab es ein bis zwei HLA-Mismatches. Die intensitätsreduzierte Konditionierung erfolgte bei allen Probanden mit Ganzkörperbestrahlung (200 cGy) und Zytostatika. Die behandlungsassoziierte 1-Jahres-Mortalität unterschied sich nicht zwischen den Gruppen: Sie lag im MRD-Arm bei 23 und bei den Empfängern von UCB bei 28 Prozent. Jeweils ein Drittel der Patienten überlebte in beiden Gruppen progressionsfrei drei Jahre. Das Gesamtüberleben in diesem Zeitraum betrug 43 (MRD) und 34 Prozent (UCB). Je höher die Komorbidität der Empfänger von Stammzellen (MRD und UCB) war, desto höher war allerdings die behandlungsassoziierte Mortalität.
„Nabelschnurblut als Stammzellquelle wird erwachsen“, sagte Prof. Dr. med. Jürgen Finke (Freiburg) zum Deutschen Ärzteblatt. „Es erweist sich offenbar nicht nur für Kinder, sondern auch für Patienten im höheren Lebensalter als geeignet für die Stammzelltransplantation, selbst bei ein bis zwei HLA-Mismatches.“ Ein grundsätzlicher Vorteil sei die rasche Verfügbarkeit – sofern öffentliche Nabelschnurblutbanken entsprechend gefördert würden. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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