TECHNIK

EMDIS – Blutstammzellspenden-Informationssystem: Werkzeug für die Suche nach Spendern

Dtsch Arztebl 2008; 105(4): A-173 / B-160 / C-159

EB

Stammzellen können zur Bekämpfung schwerer Krankheiten wie Leukämie eingesetzt werden. Foto: ddp
17 Register auf drei Kontinenten sind durch das Computernetzwerk EMDIS (European Marrow Donor Information System) verbunden, um vor allem für Leukämiepatienten weltweit einen Spender für die Blutstammzelltransplantation zu finden. Das Netzwerk ermöglicht den angeschlossenen Registern einen schnellen Zugriff auf die Daten von mehr als 80 Prozent der weltweit registrierten 11,4 Millionen Blutstammzellspender. Der nationale und gegebenenfalls internationale Suchprozess nach einem geeigneten Spender von Blutstammzellen ist komplex und erfordert eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen.
Um die Suche noch effizienter zu gestalten, wurde EMDIS 1992 vom Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD; www.zkrd.de/emdis.html) in Zusammenarbeit mit dem Anthony Nolan Trust (London) und dem France Greffe de Moëlle (Paris) gestartet. Seither hat das ZKRD in diesem System die führende Rolle in der technischen Konzeption, Weiterentwicklung und Verbreitung übernommen. Das ursprünglich für Europa entwickelte Informationssystem umfasst neben den europäischen Kooperationspartnern in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien und Tschechien auch drei US-amerikanische Register und Australien. In Kürze sollen Kanada und Taiwan folgen.
Die Bedeutung des Informationssystems wird anhand der im Jahr 2006 in Deutschland vorgenommenen Entnahmen von Blutstammzellen deutlich: Von den 3 039 Entnahmen wurden 1 877 für internationale Patienten durchgeführt. Ähnliches gilt für die mehr als 100 000 Leistungen, die über das ZKRD für Patienten weltweit erbracht wurden. Damit nimmt Deutschland die Position des Exportweltmeisters ein. Für mehr als die Hälfte dieser internationalen Patienten wurde der Spender über EMDIS gefunden.
EMDIS ist ein asynchrones Kommunikationssystem zwischen Datenbanken. Die Daten werden durch verschlüsselte E-Mails übertragen, wobei eine spezielle Kommunikationsschicht mit Sequenznummern eine sichere Datenübermittlung garantiert. Für die nationalen Register ist die Teilnahme an dem plattformunabhängigen Netzwerk frei. Auch die benötigten Software-Tools erhalten die Mitgliedsländer kostenfrei. Die Register müssen lediglich die Schnittstellen zur nationalen Software implementieren. EB
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