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Supplement: PRAXiS

Geschlossene Fonds: Das Schmuddelimage abgelegt

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): [18]

Löwe, Armin

Steuerfreie Ausschüttungen sind attraktiv, nachdem es keine Verlustzuweisungen mehr gibt.

Foto: picture alliance/chromorange
Viele Jahre standen die deutschen Banken den geschlossenen Fonds sehr kritisch gegenüber. Das scheint sich geändert zu haben. Die jüngste Studie des Beteiligungsmarkts, die der Analyst Stefan Loipfinger zum ersten Mal gemeinsam mit der Feri-Rating & Research AG veröffentlichte, zeigt, dass inzwischen 43,1 Prozent der geschlossenen Fonds von Großbanken vertrieben werden. Ob das eine neue Entwicklung ist, lässt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen, weil die Zahlen 2007 zum ersten Mal getrennt für die einzelnen Bankengruppen ermittelt wurden. Aber es spricht einiges dafür, dass die Großbanken schon seit mehreren Jahren mit Abstand Marktführer sind.
Überraschend war auch das Volumen des von geschlossenen Fonds im Jahr 2007 platzierten Eigenkapitals. Mit 12,66 Milliarden Euro wurde der Rekord aus dem Jahr 2004 nur um 190 Millionen Euro verfehlt. Es hätte wahrscheinlich einen neuen Rekordabsatz gegeben, wäre nicht die Subprime-Krise dazwischen gekommen. Was verbirgt sich dahinter? Viele US-amerikanische Immobilienbesitzer mit geringer Bonität gerieten in die Bredouille, weil einerseits die Zinsen stiegen und gleichzeitig die Wertansätze, die den Immobilienkrediten zugrunde liegen, deutlich gesenkt wurden. Obwohl die geschlossenen Fonds davon nicht betroffen waren und sind (auch nicht die US-Immobilienfonds), wirkte sich die Subprime-Krise im zweiten Halbjahr 2007 negativ auf ihren Absatz aus. Vieles spreche jetzt allerdings dafür, dass im laufenden Jahr ein neuer Zeichnungsrekord aufgestellt werde, meint Analyst Loipfinger, der auch in Zukunft bei der dann von Feri herausgegebenen Studie mitwirken wird.

Die Prospekte der Fonds werden jetzt geprüft
Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass die Großbanken (wie auch die anderen Kreditinstitute) jahrelang so taten, als wenn die Beteiligung an geschlossenen Fonds – die traditionell dem grauen, unregulierten Kapitalmarkt zugerechnet wurden – nicht so recht zur vermeintlich seriösen Anlagepolitik der Banken passen würden. Gewiss: Die geschlossenen Fonds sind mittlerweile nicht mehr ganz als Anlagen des grauen Kapitalmarkts einzustufen – müssen die Prospekte der geschlossenen Fonds doch seit Juni 2005 bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zur Prüfung eingereicht werden. Dabei handelt es sich zwar um eine rein formale Prüfung, ob alle notwendigen Angaben im Prospekt zu finden sind. Aber auch wenn der Wahrheitsgehalt dieser Angaben nicht untersucht wird, haben die geschlossenen Fonds das Schmuddelimage des grauen Kapitalmarkts abgelegt – wohl auch in den Augen der Banken.
Die Deutsche Bank stieg wegen der Aktivitäten ihrer Londoner Tochter mit einem Absatz von 744,8 Millionen Euro zur Nummer drei unter den Emissionshäusern auf, hinter der KG Allgemeine Leasing GmbH & Co. (KGAL) – 800,5 Millionen Euro – und Münchmeier-Petersen & Co. (MPC) – 787,7 Millionen –, die nach vier Jahren den ersten Rang räumen musste. Insgesamt waren die Kreditinstitute (neben den Großbanken die Sparkassen und Volksbanken) für 61,8 Prozent des platzierten Eigenkapitals verantwortlich. Hinter den Großbanken fallen die Sparkassen und Landesbanken (Anteil von 10,9 Prozent) und die Genossenschaftsinstitute (Volksbanken und Raiffeisenbanken) mit einem Anteil von fünf Prozent deutlich ab.

Eine wichtige Zäsur schien die Einführung des § 15 b Einkommensteuergesetz für die geschlossenen Fonds zu bedeuten, der das Verbot der Verrechnung steuerlicher Verluste brachte. „Aber mehr als die Hälfte des 2007 platzierten Eigenkapitals floss in steuerorientierte geschlossene Fonds“, stellt Helmut Knepel, Sprecher des Vorstands von Feri-Rating & Research fest. Nur geht es jetzt um möglichst steuerfreie Ausschüttungen, wie sie die Auslandsimmobilienfonds (aufgrund der Freibeträge im Ausland und der Doppelbesteuerungsabkommen) und die Schiffsfonds (Tonnagesteuer) bieten. Nur etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der Ausschüttungen gehen aufgrund der Tonnagesteuer an den Fiskus.

Stabile Absatzzahlen
Gleichwohl war es doch etwas überraschend, dass die Schiffsfonds mit einem platzierten Kommanditkapital von 3,58 Milliarden Euro (plus 40,5 Prozent) einen neuen Absatzrekord erzielen konnten; die bisherige Höchstmarke lag bei 2,96 (2005). Allenthalben hieß es: Die Schiffspreise seien zu hoch, es gebe keine attraktiven Schiffsbeteiligungen. Zudem drückten die steigenden Betriebskosten (Schmierstoffe und Heuer) und der niedrige Dollarkurs auf die Stimmung. Diese Betriebskosten müssen vom Fonds und damit vom Anleger bezahlt werden. Dennoch konnten die Anbieter 64,4 Prozent mehr Anleger für Schiffsbeteiligungen gewinnen als im Vorjahr.
Schwere Zeiten hatte man der Branche der geschlossenen Fonds prophezeit. Aber es kam anders. Seit 2004, als zum letzten Mal in vollem Umfang die steuerlichen Verluste geltend gemacht werden konnten, bewegt sich der Absatz der geschlossenen Fonds kontinuierlich um die zwölf Milliarden Euro. Steuerfreie Ausschüttungen sind eben heute besonders attraktiv, nachdem Verlustzuweisungen nicht mehr möglich sind.
Armin Löwe
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