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Supplement: PRAXiS

Sicherheit bei fallenden Kursen: Die optimale Absicherung im Börsencrash

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): [20]

Jobst, Peter

Die Börse ist keine Einbahnstraße. Einem schnellen Kursanstieg folgt nicht selten ein deutlicher Rückschlag. Gut beraten ist, wer sich rechtzeitig absichert.

Foto: dpa
Die Börse erfordert einen langen Atem, lautet eine alte Regel, die nur allzu oft ihre Bestätigung findet. So auch in den vergangenen fünf Jahren: Jede noch so unbedeutende Negativmeldung wurde als Indiz dafür genommen, dass der Markt bald wieder massiv einbricht. Wer dennoch unbeirrt investiert geblieben ist, konnte überdurchschnittlich verdienen. Allerdings mussten selbst erfahrene Börsianer manche schlaflose Nacht verbringen, wenn der Markt von dunklen Gewitterwolken überschattet war. Auch die jüngste Entwicklung, ausgelöst durch die Bankenkrise, stimmt keineswegs zuversichtlich. Jedoch gibt es durchaus Möglichkeiten, die Risiken abzumildern, ohne die Papiere gleich zu verkaufen.

Gängige Produkte
Optionsscheine. Zu den bekanntesten Produkten zählen Put-Optionsscheine, die in erster Linie auf einzelne Aktien angeboten werden. Mit dem Kauf sichern sich Anleger das Recht, den Basiswert – also die jeweilige Aktie – bis zum Laufzeitende des Optionsscheins zu dem in den Optionsscheinbedingungen festgelegten Kurs zu verkaufen beziehungsweise einen entsprechenden Barausgleich zu erhalten. Das Bezugsverhältnis liegt meist bei eins zu zehn, das heißt, zur Absicherung einer Aktie benötigt man zehn Optionsscheine. Geht der Kurs des Basiswerts an der Börse zurück, steigt die Notierung des Optionsscheins – und umgekehrt. Achten sollten Anleger darauf, Scheine mit möglichst langer Laufzeit zu wählen, da hier die Absicherung nicht laufend erneuert werden muss. Auch sind über die Wahl des Basispreises unterschiedliche Strategien möglich, je nachdem, ob die Absicherung frühzeitig greifen soll oder erst bei wirklich erheblichen Kursverlusten zum Tragen kommt.

Optionen. Im Gegensatz zu Optionsscheinen, die wie etwa eine Anleihe von einem Finanzdienstleister emittiert werden, entstehen Optionen erst durch das Zusammentreffen von Käufer und Verkäufer über die Terminbörse Eurex. Bei Optionen bieten sich zwei Varianten der Absicherung an:

Zum einen kann der Anleger eine Verkaufsoption auf eine Aktie oder einen Index kaufen, das heißt, er bezahlt heute einen festgelegten Betrag dafür, den Basiswert zum Laufzeitende der Option zum vereinbarten Basispreis liefern zu können. Diese Strategie bietet einen ähnlichen Schutz wie der Kauf eines Put-Optionsscheins.

Weniger ausgeprägt ist die Sicherheit beim Verkauf einer Kaufoption. Hier erklärt sich der Anleger bereit, die Aktie zum Laufzeitende auf Wunsch zu einem festgelegten Basispreis zu verkaufen, der mehr oder minder deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt. Geht der Kurs des Basiswerts nun zurück, wird der Optionskäufer sein Recht verfallen lassen. Die Folge: Der Aktienbesitzer hat die Optionsprämie erhalten und damit den Einstandskurs seiner Aktien entsprechend verbilligt, die Verluste fallen nicht mehr gar so schmerzlich aus. Steigt der Aktienkurs indes über den Basispreis der Option, muss er die Aktie zum Basispreis liefern, jedoch hat der Anleger unter anderem dank der Optionsprämie immer noch mehr erhalten als beim direkten Verkauf der Aktie an der Börse.

Knock-out-Papiere. Neben den Standardoptionsscheinen wurden in jüngster Vergangenheit eine ganze Reihe Spezialprodukte aufgelegt, unter denen die sogenannten Knock-out-Papiere derzeit besonders beliebt sind. Neben den Standardbedingungen wie Basiswert, Basispreis und Laufzeit sehen die Konditionen dieser Papiere auch noch eine „K.-o.-Schwelle“ vor, die mehr oder minder deutlich über dem aktuellen Börsenkurs des Basiswerts liegt. Hohe Gewinne sind dann möglich, wenn der Kurs des Basiswerts tatsächlich fällt, allerdings muss die K.-o.-Schwelle beachtet werden: Wird diese während der mehrmonatigen Laufzeit des Papiers erreicht, verfällt der Optionsschein ersatzlos. Dafür ist die Absicherungsstrategie jedoch wesentlich kostengünstiger möglich als bei klassischen Put-Optionsscheinen. Dennoch eignen sich Knock-out-Papiere vorrangig für erfahrene Börsianer, die ihre Strategie laufend beobachten können.

Reverse-Zertifikate. Weniger risikoreich sind Reverse-Bonus-Zertifikate sowie Reverse-Discount-Zertifikate. Sie funktionieren ähnlich wie klassische Bonus- beziehungsweise Discount-Zertifikate, das heißt, der Anleger erhält bei einer Kursbewegung des Basiswerts innerhalb einer festgelegten Bandbreite einen Bonus oder er kann via Zertifikat günstiger in eine Wertpapierstrategie investieren als mit einem Direktinvestment. Das Ganze läuft jedoch – dies signalisiert der Begriff „reverse“ – mit umgekehrten Vorzeichen, das heißt, die höchsten Gewinne winken, wenn der Kurs des Basiswerts nachgibt. Leicht zu verstehen sind allerdings auch diese Produkte nicht, sodass ein Investment entweder die Beratung durch einen erfahrenen Banker erforderlich macht oder der Anleger selbst über hinreichende Marktkenntnisse verfügen sollte.

Indexpapiere. Wesentlich leichter geht das Geschäft schließlich mit Indexpapieren auf den im Frühjahr 2007 von der Deutschen Börse geschaffenen Short-DAX – einen Index, der sich exakt gegenläufig zum DAX entwickelt. Steigt der DAX um fünf Prozent, gibt der Short-DAX um fünf Prozent nach – und umgekehrt. An der Börse werden mehrere Zertifikate auf diesen Index gehandelt, die sich in der Konstruktion nur marginal unterscheiden. Dabei sollte man sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Short-DAX-Zertifikate ähnlich wie Put-Optionsscheine oder Verkaufsoptionen auf den DAX lediglich ein Depot absichern, das dem DAX nachgebildet ist. Je weiter die eigene Depotzusammensetzung vom Index abweicht, umso weniger schlagkräftig ist die Absicherungsstrategie.

Die Kostenfrage
Bei jeder Form der Absicherungsstrategie stellt sich die Frage nach den Kosten. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen den Kosten des Produkts und den Kosten der Absicherung.

Bei den Produktkosten sind die klassischen Put-Optionsscheine, Put-Optionen sowie Zertifikate auf den Short-DAX vergleichsweise preiswert, unterliegen diese Produkte doch einem harten Wettbewerb. Bei allen anderen Papieren müssen in der Regel höhere Kosten kalkuliert werden. Auch mangelt es vielfach an der für Geldanleger wichtigen Transparenz. Zu den Produktkosten kann aber auch die Dividende zählen, die bei den meisten Papieren allein dem Emittenten zusteht. Hinsichtlich der Kosten der Absicherung besteht größerer Gestaltungsspielraum: Zum einen kann man darüber entscheiden, ob das Depot vollständig oder lediglich teilweise abgesichert werden soll. Darüber hinaus lässt sich bei den meisten Produkten wählen, ob die Absicherung bereits – dies ist entsprechend teuer – sehr frühzeitig in voller Höhe greifen soll oder ob das Sicherheitsnetz erst bei wirklich markanten Verlusten aktiviert wird.

Keinesfalls sollten Anleger eine vollständige Absicherung jedoch dauerhaft betreiben, vergeben sie sich damit doch die Chancen auf marktkonforme Kursgewinne. Sollten hingegen „alle Stricke reißen“ und die Börse tatsächlich in einen Crash münden, dann kann ein schneller Verkauf die günstigste Lösung darstellen. Gerade Aktien haben hier anderen Anlageformen einiges voraus. Der Verkauf kann in Sekundenschnelle erfolgen, das Geld ist nach zwei Tagen auf dem Konto. Zudem sind Transaktionen vergleichsweise preiswert: Im Durchschnitt kostet ein Onlineverkauf heute gerade einmal rund 0,5 Prozent Spesen, viele Discountbroker werden bereits ab 0,2 bis 0,3 Prozent aktiv. Und ein solcher Verkauf erfordert noch nicht einmal eine laufende Beobachtung. Mit einem „Stop-Loss-Limit“ kann der Aktienbesitzer vorgeben, dass die Papiere im Fall eines Rückschlags automatisch verkauft werden, sodass keine oder allenfalls geringe Verluste eintreten. Peter Jobst
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