
Die Olympiastadt auf dem Weg zur Weltmetropole
Was für ein Tempo! 30 von 31 Sportstätten für die Olympischen Sommerspiele 2008, die am 8. August um 8.08 Uhr beginnen sollen, waren bereits im Januar fertiggestellt. Lediglich am Nationalstadion, in dem unter anderem die Leichtathletikwettkämpfe ausgetragen werden sollen, wurde noch bis vor Kurzem gebaut. Das aufsehenerregende Gebäude scheint aus einem Gewirr aus kreuz und quer verlaufenden Stahlbalken zu bestehen. Die Einheimischen nennen es „Vogelnest“. Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron hat die Wettkampfarena entworfen. Es war auch für die Außengestaltung der Tate Modern in London und für die Planung der Allianz-Arena in München verantwortlich. Für Peking könne das Stadion, so Architekt Jacques Herzog, künftig ein ähnlich bedeutsames Aushängeschild sein wie für Paris der Eiffelturm.
Ganz in der Nähe des Nationalstadions, in dem auch das Fußballfinale sowie die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele stattfinden sollen, steht eine weitere architektonische Sensation der Olympiade 2008 – das Schwimmstadion. Die Membrankonstruktion des „Wasser-Würfels“ besteht überwiegend aus lichtdurchlässigen, blau leuchtenden Kunststofffolien. Innerhalb dieser Membrane wird Sonnenenergie gespeichert, um damit die Pools zu beheizen. In dieser Größenordnung – das Schwimmstadion soll 17 000 Menschen Platz bieten –, so versichern die Architekten, gibt es weltweit derzeit kein ähnliches Gebäude.
Die meisten der neu errichteten Olympiabauten findet man eher am Stadtrand. Doch es gibt eine Ausnahme: Das Wukesong-Stadion im Haidian-Distrikt im Westen der Stadt liegt inmitten eines Wohnviertels. Das 63 000 Quadratmeter große Basketballstadion bietet 15 000 Besuchern Platz. Auch für dieses Gebäude erhielten Schweizer Architekten den Zuschlag. Das Konzept des Züricher Ingenieurbüros Burckhardt & Partner sieht vor, dass die Außenfläche einen Mammut-Flüssigkristallbildschirm ergeben soll, auf dem die Wettkämpfe live übertragen werden.
Ein wichtiger Sympathieträger für die Olympiade sind die „freundlichen Fünf“, die Olympia-Maskottchen, deren Farben den olympischen Ringen nachempfunden sind. Schon seit Monaten werden die Puppen in unterschiedlichen Größen in zahlreichen Olympiashops in Peking verkauft. Die Maskottchen symbolisieren einen Fisch, einen Panda, eine Antilope und eine Schwalbe sowie das olympische Feuer. „Am besten verkauft sich Huanhuan, weil er das olympische Feuer darstellt. Und am zweitbeliebtesten ist Jingjing, der Pandabär“, verrät eine Verkäuferin im Olympiashop in der Ausstellungshalle der Stadtverwaltung.

„Vogelnest“: Ein Schweizer Architekturbüro
hat das neue Nationalstadion entworfen.
Peking hat das Olympiafieber erfasst: Auch die altehrwürdigen Sehenswürdigkeiten, etwa die Verbotene Stadt, der Lamatempel und der ehemalige kaiserliche Sommerpalast im Westen der Stadt, werden einem Facelifting unterzogen. Anschließend strahlen diese Zeugnisse einer grandiosen alten Kultur nicht nur in neuem Glanz, sondern sind vielerorts auch für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte besser zugänglich.

„Wasser-Würfel“: Blau leuchtende Kunststofffolien
bilden die Membran des Schwimmstadions.
Wer über den Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens geht, der spürt dabei auch, dass der Hang zum Gigantismus nicht erst durch die Olympiavorbereitungen ausgelöst worden ist. Der befestigte Platz, an dessen rückwärtigem Teil sich das Mao-Mausoleum befindet, ist fast 40 Hektar groß. Durchschreitet man das Tor des Himmlischen Friedens und anschließend das Tor der Morgenröte, gelangt man in die von einem Wallgraben umgebene Verbotene Stadt – den ehemaligen Kaiserpalast. Nicht nur hier, auch im Himmelstempel und im Lamatempel, der am tibetischen Buddhismus ausgerichtet ist, kann man das Flair des alten Peking noch erahnen. Diese beiden Tempel sind weit mehr als Baudenkmäler und Touristenattraktionen: Zahlreiche Gläubige kommen hierher, bringen Opfergaben dar und zünden Räucherstäbchen an. Am Rand eines der ersten Höfe des Lamatempels drehen sie an tibetischen Gebetsmühlen: Wer die mit einfachen Wortformeln, sogenannten Mantras, verzierten Walzen berührt, so glauben die Buddhisten, verbessert dadurch sein Karma.

Die Ausstellungshalle der Stadtverwaltung
zeigt die Olympiastätten im Miniaturformat.
Prachtvolle Tempel und Paläste findet man auch außerhalb der Stadtgrenze, bei den Westbergen. Lohnend ist ein Besuch im „Tempel der Azurblauen Wolke“. In seinem letzten Hof erhebt sich eine Pagode mit einer 35 Meter hohen Marmor-Stupa, die auf einem Sockel ruht, der mit Buddha-Figuren und Drachen verziert ist. Ein echtes Muss ist ein Besuch im ehemaligen Sommerpalast der Kaiser am Kunming-See, für den man mehrere Stunden einplanen sollte. Die Anlage stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde aber mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Gleich zu Beginn schreitet man durch einen 700 Meter langen überdachten Korridor, der durch mehrere mit Bildern geschmückte Pavillons führt.

„Entenei“: Die Pekinger Staatsoper reiht sich
ein in die futuristische Architektur.
Während im Himmels- und im Lamatempel sowie im ehemaligen Sommerpalast des Kaisers am Kunming-See noch die einstige Ruhe der traditionsreichen „Nördlichen Hauptstadt“ zu spüren ist, verändert sich die Innenstadt Pekings rasant. Moderne Shoppingmalls und Hochhäuser, auf deren Fassaden Werbeeinblendungen gezeigt werden, prägen das Bild einer Stadt, die sich innerhalb der letzten 20 Jahre von einer beschaulichen, ja fast verschlafenen Regierungsstadt in eine pulsierende Metropole verwandelt hat. Sogar die altehrwürdige Pekingoper hat den Sprung in die Moderne gewagt: Der Neubau der Oper, eine Glas- und Titankuppel, die aussieht, als wäre ein Ufo gelandet, befindet sich nur wenige Hundert Meter vom Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens entfernt. Das avantgardistische Gebäude, das der französische Architekt Paul Andreu geplant hat, heißt im Volksmund „Entenei“. Rainer Heubeck
Informationen:
Pauschalreisen: Der führende deutsche Spezialreiseveranstalter für das Reich der Mitte, China Tours in Hamburg, hat neben Studien- und Rundreisen auch Städtereisen im Angebot, unter anderem ein Programm unter dem Titel „Boomtown Peking“, das den Fokus auf die traditionellen Sehenswürdigkeiten der Stadt legt. Informationen: China Tours, Wandsbeker Allee 72, 22041 Hamburg, Telefon: 0 40/81 97 38-0, www.chinatours.de.
Auskünfte: Fremdenverkehrsamt China, Ilkenhansstraße 6, 60433 Frankfurt/M., Telefon: 0 69/52 01 35, www.china-tourism.de. Informationen zu den Olympischen Spielen: http://en.beijing2008.cn.
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