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Supplement: Reisemagazin

Andalusien: Zwischen Olivenhainen und Orangenfeldern

Dtsch Arztebl 2008; 105(15): [27]

Marx, Catrin

Hazienda Santa Ana Foto: Hacienda Santa Ana
Ferien auf den historischen Landgütern Andalusiens mit Sonnengarantie

Elegant bewegt sich die Gastgeberin der Hazienda Santa Ana auf ihren hochhackigen Schuhen über den kieselsteingepflasterten Boden des Innenhofs. Ein großes Tablett mit gefüllten Sherrygläsern balancierend, empfängt sie die Gäste. Sie bittet in den Vorhof des ehemaligen Haupthauses. „Hier wurden früher die Pferde versorgt, die die mit Oliven beladenen Wagen zogen“, informiert der Hausherr. „Nun versorgen wir hier unsere Gäste“, fügt er schmunzelnd hinzu und verweist auf die Tapas. Auf dem Tisch steht ein großer Teller mit Salchicón, einer Art Salami vom Schwein, und zwischen vielen anderen Köstlichkeiten die hauseigenen Aceitunas, die Oliven. Der Olivenanbau ist kennzeichnend für die Haziendas Andalusiens. Auch auf Santa Ana erzeugte man seit Ende des 19. Jahrhunderts Olivenöl im großen Stil. Heute werden auf dem 50 Hektar großen Gut neben Oliven auch Obst und Getreide angebaut. Familiär und freundlich ist die Atmosphäre, und auf die Frage, ob denn auch Gäste mit Kindern willkommen sind, schaut der Hausherr verständnislos und versichert: „Wir freuen uns, wenn wir Familien da haben.“

Kinder haben in andalusischen Familien einen hohen Stellenwert und werden mit viel emotionaler und materieller Zuwendung bedacht. Manche Großmutter kauft der Enkelin bereits nach der Geburt den kostbaren handbestickten Umhang, den die jungen Mädchen dann zu ihrer ersten traditionellen Feria tragen, den großen andalusischen Stadtfesten. Es ist üblich, dass beim Abendessen, normalerweise um 21 Uhr, die Kinder mit am Tisch sitzen. „Aber natürlich sind Kinder hier willkommen“, unterstreicht auch die Gastgeberin, „Kinder lieben doch Tiere, und die haben wir hier.“ Reitpferde, jede Menge Katzen, Hunde, viel Platz und ein Swimmingpool erwarten die jungen Gäste. Es fehlen auch nicht die unzähligen Rinder, aus deren Herde vielleicht ein hoffnungsvoller Stier für einen der Stierkämpfe hervorgeht.
El Esparragal: 3 000 Hektar Land bieten Reitern genügend Abwechslung. Foto: El Esparragal
Vier mit Mahagonimöbeln ausgestattete Zimmer im Haupthaus sowie sechs Appartements stehen den Gästen zur Verfügung. „Das waren früher mal die Wohnungen der Landarbeiter, wir haben sie restauriert und versucht, den typisch ländlichen andalusischen Stil für unsere Feriengäste zu erhalten“, erklärt der Hausherr. Ornamentreiche Kacheln zieren die in Erdfarben gehaltenen Wände, und die in Mosaiken gelegten Terrakottafliesen sind von schweren Teppichen bedeckt. Kristalllüster werfen ihr Licht auf die Gemälde stolzer Toreros.

Schritt für Schritt hat man in Andalusien ehemalige Haziendas, die Olivenöl erzeugten, und Cortijos, auf denen auch alle anderen Agrarerzeugnisse produziert wurden, für den Tourismus geöffnet. Seit drei Jahren existiert ein Dachverband, der sich um die Vermarktung dieser Tourismusform kümmert. Insgesamt gibt es in Andalusien mehr als 30 Haziendas und Cortijos, die vom Luxushotel bis zum Selbstversorgerhaus alle Kategorien bedienen.

Das größte und älteste Gut Andalusiens, das Cortijo El Esparragal, ist etwa 30 Kilometer von Sevilla entfernt. Die Fahrt zum Haupthaus geht vorbei an nicht enden wollenden Wiesen und Olivenhainen. Es folgen Felder mit Orangenbäumen, deren süßlicher Duft auf einmal die Luft erfüllt. Plötzlich ragt ein strahlend weißes Anwesen aus den Feldern hervor. Das majestätische Eingangsportal zum Vorhof ist Symbol der Macht und Größe des Eigentümers. Dies demonstriert auch die hauseigene Kapelle aus dem Jahr 1615. Sie war zu der damaligen Zeit die einzige Möglichkeit, den sonntäglichen Kirchgang zu absolvieren. Der Weg zur Kirche hätte eine Tagesfahrt mit der Kutsche bedeutet, denn das Gutshaus ist von mehr als 3 000 Hektar Land umgeben. Dementsprechend großzügig ist auch das alte Herrenhaus. Zentrum des Hauses ist der kühle Patio, der Innenhof, mit seinem plätschernden Springbrunnen. Unter den wohlwollenden Blicken der Ahnen in ihren Porträts kann man die Mahlzeiten in den mit Antiquitäten ausgestatteten Gemeinschaftsräumen einnehmen. Obwohl hier alles so riesig ist, fühlt der Gast sich doch vom aufmerksamen Personal liebevoll umsorgt. Die vorhandenen Gemeinschaftsräume sind so großzügig geschnitten, dass hier Hochzeiten mit mehr als 400 Personen gefeiert werden können, dennoch ist die Zahl der Übernachtungsgäste auf 45 Personen beschränkt. Wer unter sich bleiben möchte, hat selbst bei den Mahlzeiten dazu genügend Platz.

Nach ein paar Tagen auf El Esparragal fühlt man sich wie „Don“ und „Doña“. Real genug ist die Kulisse, denn der Cortijo ist immer noch ein landwirtschaftliches Unternehmen. „Die Milch von 1 200 Rindern wird hier zu Käse und Milchprodukten verarbeitet. Alle Rinder sind auch hier zur Welt gekommen, ebenso wie unsere Reitpferde“, berichtet der Gutsverwalter. „Alle Produkte, die wir hier anbauen, verarbeiten wir auch in unserer Küche, vom Olivenöl bis zum Wein. Sie haben einen unnachahmlichen Geschmack, das kommt von der Sonne“, erzählt er den Gästen während einer Führung über das Gut.

Freizeitaktivitäten gibt es auf El Esparragal in vielen Varianten: Reiten, Jagen, Fischen, geführte Wanderungen, Mountainbiken und Kanufahren auf dem zum Cortijo gehörenden Stausee. Wer seine Ruhe haben möchte, kann sich auf die Liegen am Pool zurückziehen. Auch hierhin kommt gern jemand über den kieselsteingepflasterten Hof und serviert mit einem charmanten Lächeln einen hauseigenen Sherry. Catrin Marx

Infos: Asociación Haciendas y Cortijos, www.hyc-andalucia.com;
Hacienda St. Ana, www.lfhoteles.com; Cortijo El Esparragal, www.elesparragal.com, sowie Turespana Düsseldorf,
Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf.
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