71 Artikel im Heft, Seite 17 von 71

POLITIK

Entwicklung der Arztzahlen: Zahl der angestellten Ärzte im ambulanten Bereich steigt

Dtsch Arztebl 2008; 105(19): A-985 / B-858 / C-838

Kopetsch, Thomas

Mehr als 413 000 Ärztinnen und Ärzte verzeichnete die Statistik der Bundesärztekammer im vergangenen Jahr. Das sind 1,7 Prozent mehr als 2006. Die sensationell niedrige Arbeitslosenquote von 1,2 Prozent bedeutet de facto Vollbeschäftigung.

Bei der Entwicklung der Arztzahlen hat sich 2007 ein neuer Trend abgezeichnet: Im ambulanten Bereich stieg die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zum Vorjahr um knapp 15 Prozent auf jetzt 10 406. Damit hat sich deren Zahl seit 1993 fast verdoppelt (5 397).

Drei weitere Trends gibt es bereits seit Jahren. Dazu gehört zum einen das hohe Niveau der Abwanderung. 2007 haben 2 439 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen. Zum anderen ist auch die Zuwanderung aus dem Ausland weiterhin sehr hoch, vor allem aus Österreich, Griechenland und den osteuropäischen Ländern. Der Anteil der Ausländer an den Erstmeldungen bei den Ärztekammern im Jahr 2007 betrug 18,4 Prozent. Obwohl die Zuwanderung das gesamte Bundesgebiet betrifft, liegt ihr Anteil in den neuen Bundesländern höher als in den alten. Im Jahr 2000 waren beispielsweise nur 5,4 Prozent aller ausländischen Ärzte in den neuen Bundesländern tätig. 2007 waren es bereits 13,3 Prozent. Ohne die Zuwanderung wäre die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in den neuen Bundesländern zurückgegangen, denn die Zahl der deutschen Ärztinnen und Ärzte sank dort um 0,2 Prozent.

Ungebrochen ist auch der Trend zur „Feminisierung“ des Arztberufs. Die steigende Gesamtzahl der Ärzte ist in erster Linie auf die höhere Zahl an Ärztinnen zurückzuführen. Ihr Anteil an den Erstmeldungen bei den Ärztekammern lag im Jahr 2006 bei 56,6 Prozent (Vorjahr: 55,5 Prozent).

Insgesamt ist die Zahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten Ärztinnen und Ärzte im vergangenen Jahr auf 413 696 gestiegen. Das sind 1,7 Prozent mehr als 2006 und entspricht in etwa den Steigerungsraten der vorherigen Jahre. Der Anteil der Ärztinnen ist dem Trend folgend auch 2007 leicht gestiegen und liegt jetzt bei 42,4 Prozent (2006: 42 Prozent).

Erneut mehr Frauen im Arztberuf
Ärztlich tätig waren im vergangenen Jahr 314 912 Ärztinnen und Ärzte, 3 682 mehr als 2006. Die Zuwachsrate lag wie im Jahr 2006 bei 1,2 Prozent. 98 784 Ärzte übten ihren Beruf nicht aus.

Die Zahl der berufstätigen Ärzte entwickelte sich regional sehr unterschiedlich. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten Hamburg (3,2 Prozent), Bremen (2,5 Prozent) und Rheinland-Pfalz (2,3 Prozent), wohingegen zwei Bundesländer sogar einen Rückgang vermeldeten: Mecklenburg-Vorpommern (–0,1 Prozent) und Sachsen (–0,4 Prozent).

Der Anteil der Ärztinnen an der Zahl der berufstätigen Mediziner ist im Jahr 2007 wiederum leicht gestiegen und liegt jetzt bei 40,6 Prozent (2006: 40 Prozent). 1991 betrug er noch rund ein Drittel (33,6 Prozent). Seitdem hat sich der Frauenanteil um 21 Prozent erhöht.

Die Altersstruktur der berufstätigen Ärzte hat sich kaum verändert. Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte unter 35 Jahren ist um 0,1 Prozentpunkte auf jetzt 16 Prozent gestiegen. Der Anteil der über 59-Jährigen wuchs auf 11,5 Prozent (Vorjahr: 11,4 Prozent).

Fast 48 Prozent der Ärzte arbeiten im Krankenhaus
Bei den einzelnen Arztgruppen fallen die Zuwachsraten unterschiedlich aus. Sehr große Steigerungsraten findet man in den Gebieten Neurologie (+7,8 Prozent), Strahlentherapie (+5,9 Prozent) sowie Psychiatrie und Psychotherapie (+4,9 Prozent). Von den größten Rückgängen sind die Gebiete Biochemie (–8,2 Prozent), Physiologie (–7,4 Prozent) und Anatomie (–6,8 Prozent) betroffen.

Mit 47,8 Prozent verharrt der Anteil der Ärztinnen und Ärzte, die im Krankenhaus arbeiten, in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Ihre Zahl stieg zum zweiten Mal in Folge deutlich um 1,6 Prozent (absolut: 2 322). Auch der Anteil der Ärztinnen, die im Krankenhaus arbeiten, stieg 2007 weiter an, von 40,3 Prozent im Jahr 2006 auf nun 41,3 Prozent. Die deutlichsten Steigerungen bei der Zahl der Krankenhausärztinnen und -ärzte verzeichneten Hamburg (+4,1 Prozent), Bremen (+2,7 Prozent), Thüringen (+2,5 Prozent) und Rheinland-Pfalz (+2,4 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern nahm die Zahl der Krankenhausärzte dagegen um 0,5 Prozent ab.

Die Altersstruktur der Krankenhausärzte hat sich in einem Bereich positiv entwickelt. Der Anteil der Mediziner, die jünger als 35 Jahre sind, ist von 30,3 Prozent auf 30,7 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der über 59-Jährigen von 4,7 Prozent im Jahr 2006 auf 4,6 Prozent verringert. Dennoch stieg das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte weiter an, von 40,9 Jahre 2006 auf 41 Jahre im vergangenen Jahr.

Die Zahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte ist 2007 um 1 433 (+1,1 Prozent) auf 137 538 gestiegen. Die Zahl der niedergelassenen Mediziner nahm um 84 (+0,06 Prozent) zu und liegt nun bei 127 123. Der Anteil der berufstätigen Ärzte, die in der ambulanten Versorgung arbeiten, ist 2007 weiter gestiegen, von 37,5 auf 38,1 Prozent, nachdem bereits in den Jahren 2003 bis 2006 deutliche Zuwächse zu verzeichnen waren. Der Anteil derjenigen, die unter 40 Jahre alt sind, ist weiter gesunken. Er lag im Jahr 2006 noch bei 6,6 Prozent und beträgt derzeit nur noch sechs Prozent. Zugleich ist der Anteil der Ärzte, die 60 Jahre und älter sind, von 18,7 auf 19,2 Prozent gestiegen.

Fasst man die Tätigkeitsfelder bei Behörden und Körperschaften sowie in sonstigen Bereichen zusammen, arbeiteten dort mit 26 730 im Jahr 2007 rund 0,3 Prozent weniger Ärztinnen und Ärzte als im Vorjahr. Der Anteil der berufstätigen Mediziner liegt in diesem Bereich bei 8,5 Prozent und damit etwas niedriger im Vergleich zum Vorjahr (8,6 Prozent).

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit – soweit sie bei den Landesärztekammern registriert sind – hat sich 2007, wie schon in den Jahren zuvor, erhöht. Die Steigerungsrate betrug 3,2 Prozent. Das entspricht 3 040 Ärztinnen und Ärzten. Von den Ärzten, die ihren Beruf nicht ausüben, befinden sich 59,1 Prozent im Ruhestand (Vorjahr: 57,7 Prozent), 2,1 Prozent sind berufsunfähig (Vorjahr: 2,1 Prozent), 0,7 Prozent befinden sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit (Vorjahr: 0,7 Prozent), 5,3 Prozent arbeiten ausschließlich im Haushalt (Vorjahr: 5,3 Prozent), 2,6 Prozent sind berufsfremd tätig (Vorjahr: 2,6 Prozent), 5,4 Prozent befinden sich in der Elternzeit (Vorjahr: fünf Prozent), neun Prozent sind arbeitslos (Vorjahr: 10,4 Prozent) und 15,8 Prozent gaben einen sonstigen Grund an (Vorjahr: 16,2 Prozent).

Die meisten Anerkennungen im Fach Innere Medizin
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist bis September 2007 die Zahl der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte erneut deutlich zurückgegangen. 3 686 Ärzte waren arbeitslos gemeldet, 930 (–20,1 Prozent) weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit bei Ärzten im Jahr 1997 hat die Zahl der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte um 5 710 (–61 Prozent) abgenommen. Der Anteil der Ärztinnen an den arbeitslosen Medizinern lag im vergangenen Jahr bei 63,4 Prozent (2006: 60,4 Prozent ). Bezieht man die Zahl der Arbeitslosen auf die Zahl der berufstätigen Ärzte insgesamt, ergibt sich eine sensationell niedrige Arbeitslosenquote von 1,2 Prozent (Vorjahr: 1,5 Prozent). Wählt man als Bezugsgröße die Zahl der abhängig beschäftigten Ärzte, liegt sie bei zwei Prozent (Vorjahr: 2,6 Prozent). Diese Zahlen liegen deutlich unter der „natürlichen Arbeitslosenquote“, ab der man von Vollbeschäftigung spricht.

Verteilt auf die einzelnen Tätigkeitsbereiche arbeiteten im vergangenen Jahr 33,2 Prozent (Vorjahr: 33,4 Prozent) aller Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich, 36,4 Prozent (Vorjahr: 36,4 Prozent) im stationären Bereich, 2,4 Prozent (Vorjahr: 2,4 Prozent) in Behörden und Körperschaften, 4,1 Prozent (Vorjahr: 4,2 Prozent) in sonstigen Bereichen und 23,9 Prozent (Vorjahr: 23,5 Prozent) waren nicht ärztlich tätig.

2007 wurden 12 312 Anerkennungen von Facharztbezeichnungen ausgesprochen. 2006 waren es 11 666. Die meisten Anerkennungen wurden im Fach Innere Medizin (1 742) ausgesprochen. Die Zahl der Anerkennungen in Fächern der Inneren Medizin mit Schwerpunkt lag lediglich bei 209. In den Fächern Allgemeinmedizin sowie Innere und Allgemeinmedizin stieg die Zahl der Anerkennungen deutlich auf 1 938 (Vorjahr: 1 385). Die Zahl der Anerkennungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie ist von 292 im Jahr 2005 auf 1 567 im Jahr 2007 geradezu explodiert. Diese Entwicklung dürfte allerdings in erster Linie auf Umschreibungen zurückzuführen sein. 2007 wurden 2 330 Schwerpunktbezeichnungen anerkannt. Damit lag die Zahl etwas niedriger als im Jahre 2006 (2 490).

Die Zahl der ausländischen Ärztinnen und Ärzte ist 2007 um 921 (+4,7 Prozent) auf 20 434 gestiegen. Um 4,6 Prozent nahm die Zahl der berufstätigen ausländischen Ärzte zu. Wie bereits in den Vorjahren war in den Krankenhäusern die Zunahme der Zahl ausländischer Ärzte besonders ausgeprägt. Sie lag bei 7,3 Prozent (Vorjahr 8,5 Prozent).

Abwanderung ist leicht rückläufig
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die aus den europäischen Staaten zuwanderten, nahm 2007 am stärksten zu (+831). Dabei kam der größte Zustrom – wie im Vorjahr – aus Österreich (+175). Es folgten Rumänien (+106), Griechenland (+101) und die Slowakei (+79). Während 2006 noch eine erhebliche Zuwanderung aus Polen registriert werden konnte, fiel der Zuwachs von dort 2007 nur durchschnittlich aus. Die meisten Abwanderer waren wie in den vergangenen Jahren Ärztinnen und Ärzte aus dem Iran (–59).

Die größte Zahl ausländischer Ärzte in Deutschland stammt aus Russland und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion (1 624), gefolgt von Österreich (1 613) und Griechenland (1 554). 71,6 Prozent aller ausländischen Ärztinnen und Ärzte kommen aus Europa, 19,5 Prozent aus Asien, 4,2 Prozent aus Afrika und 3,5 Prozent aus Amerika.

Zum dritten Mal haben die Ärztekammern im vergangenen Jahr die Daten der Ärzte erhoben, die ins Ausland migrieren. Die Analyse basiert auf Meldungen von 15 Ärztekammern. Die Zahlen für die zwei fehlenden Kammern wurden hochgerechnet. Danach sind 2007 insgesamt 2 439 Ärztinnen und Ärzte ins Ausland abgewandert. Der Anteil der deutschen Ärzte lag bei 77 Prozent. Die Abwanderung ist damit – auf einen hohen Niveau – leicht rückläufig. 2006 lag die Zahl der Abwanderer noch bei 2 575. Die prozentual höchste Abwanderung verzeichneten Baden-Württemberg und Bayern. Das mit Abstand beliebteste Auswanderungsland ist die Schweiz (684), gefolgt von Österreich (269), den USA (195) und Großbritannien (101).
Dr. rer. pol. Thomas Kopetsch
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