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BRIEFE

Krankenversicherung: Dreiklassenmedizin

Dtsch Arztebl 2008; 105(22): A-1234 / B-1071 / C-1051

Schicker, Beate

Realität im Gesundheitswesen ist längst nicht mehr die „Zweiklassenmedizin“, sondern eine „Dreiklassenmedizin“. Und diese Realität ist nicht von Ärzten, sondern von gesetzlichen Krankenkassen geschaffen! Die „Zweiklassenmedizin“ ist zurzeit in aller Munde und wird auch von Funktionären der gesetzlichen Krankenkassen in der Tagespresse heftig angeprangert. Das wirkt recht verlogen, denn von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt vollzieht sich eine neue Patientenklassifizierung in Form sogenannter Strukturverträge mit einzelnen Krankenkassen. In Schleswig-Holstein wird aktuell der Strukturvertrag Psychotherapie mit der Techniker Krankenkasse (TK) als bundesweit einmalig gepriesen. Mit keinem Wort wird erwähnt, in welche Situation die teilnehmenden Psychotherapeuten gebracht werden: Dem TK-Patienten müssen sie binnen 14 Tagen ein Erstgespräch bieten, andernfalls begehen sie Vertragsbruch. Jeder andere Kassenpatient aber muss wie zuvor drei, vier oder mehr Monate warten. Aber es kommt noch schlimmer: Bei steigender Zahl von TK-Patienten verlängert sich zwangsläufig für die anderen Patienten der betreffenden Praxis die Wartezeit noch mehr. Wie soll das ein Psychotherapeut einem Patienten klarmachen, der sich anmelden möchte, weil der Bekannte – zufällig bei der TK versichert – sofort einen Therapieplatz bekam? Wie ist das Ganze ethisch vertretbar? . . . Die angemessene Vergütung für zeitgebundene psychotherapeutische Leistungen wurde schon Mitte der 90er-Jahre von höchsten deutschen Gerichten festgeschrieben. Um dies zu verwirklichen, bräuchten wir eigentlich keinen Strukturvertrag. Es müssten nur endlich einmal diese Urteile in die Tat umgesetzt werden. Stattdessen gibt man nun einzelnen Krankenkassen die Möglichkeit, die finanzielle Situation der stets am unteren Ende der Einkommensskala aller Arztgruppen rangierenden Psychotherapeuten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Wie wichtig wäre es, statt solcher Einzelverträge endlich einmal eine vernünftige Bedarfsplanung für die Psychotherapie durchzusetzen, damit Wartezeiten von Monaten oder gar Jahren endlich der Vergangenheit angehören! . . .
Beate Schicker, Hauptstraße 50 a, 23879 Mölln
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