Supplement: PRAXiS
Interview mit Cord Bartels, technischer Geschäftsführer der Gematik: „Wir müssen die Anwender abholen“
Dtsch Arztebl 2008; 105(46): [4]


Cord Bartels arbeitete zuvor bei der Philips-Ausgründung NXP Semiconductors. Dort war der 48-Jährige projektverantwortlich für die Ticketlösung der Fußballweltmeisterschaft, den elektronischen Reisepass und für die Aktivitäten im Rahmen der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.
2009 wird das Jahr des Basisrollouts der elektronischen Gesundheitskarte. Die Betriebsgesellschaft Gematik will beim Datenschutz den weltweiten Maßstab für E-Health-Projekte setzen.
Herr Bartels, seit dem 1. September 2008 sind Sie neuer technischer Geschäftsführer der Gematik, der für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zuständigen Betriebsgesellschaft. Was reizt Sie an der Aufgabe?
Bartels: Die Einführung der eGK ist eines der prominentesten IT-Projekte in Europa. Obwohl ich bereits Verantwortung für Projekte ähnlichen Volumens und ebenso anspruchsvoller Technologie getragen habe, sehe ich diese Aufgabe als besondere Herausforderung. Hier geht es nicht um eine kundenspezifische Lösung, sondern um eine zwischen allen Beteiligten konsentierte Plattform für Dienste des Gesundheitswesens, die Sicherheit, Interoperabilität und offenen Zugang für Anwender, Lieferanten und Anbieter von Diensten verbindet. Der Aufwand, um dies zu erreichen ist groß, aber das Resultat wird diesen Aufwand rechtfertigen.
Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Bartels: Wir werden die Vorteile der Telematikinfrastruktur stärker akzentuieren und die Unterschiede zu anderen Lösungen deutlich herausstellen: Nur die Telematikinfrastruktur der Gematik bietet die Sicherheit für alle Nutzer, Offenheit für weitere Anwendungen und für neue Hersteller.
Wo sehen Sie, bezogen auf das nächste Jahr, die größten Stolpersteine beim Fortgang des Projekts?
Bartels: Wir müssen die Anwender der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur – Leistungserbringer und Versicherte – abholen. Das gelingt uns, wenn wir ein handhabbares und praktikables Gesamtsystem präsentieren. Nutzen und Vorteile müssen stärker herausgestellt werden. Nur so können wir die Akzeptanz der Nutzer gewinnen.
Wann erwarten Sie, dass der Basisrollout der Gesundheitskarte in der Region Nordrhein tatsächlich in die heiße Phase kommt? Welche Rolle übernimmt dabei die Gematik?
Bartels: Die Gematik hat die technischen Voraussetzungen für den Start des Rollouts geschaffen. Es sind bereits erste E-Health/BCS-Terminals zugelassen, weitere werden in Kürze folgen. Die Ausstattung der Leistungserbringer mit Terminals und der Versicherten mit Karten begleiten wir im Sinne des Projektmanagements, haben aber hier keine operative Aufgabe, unterstützen aber unsere Partner, wo wir können.
Was sagen Sie den skeptischen Ärzten, die an der Sicherheit der geplanten Telematikinfrastruktur zweifeln?
Bartels: Bei der Implementierung der eGK und der Telematikinfrastruktur haben der Schutz personenbezogener Daten und die Wahrung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient höchste Priorität. Deshalb kommen ausschließlich Komponenten zum Einsatz, die von unabhängigen Prüfinstituten bezüglich ihrer Sicherheitseigenschaften zertifiziert worden sind. Insbesondere erlaubt die Telematikinfrastruktur der Gematik die sichere Nutzung von vernetzten Diensten und Schutz vor den wachsenden Sicherheitsproblemen bei der Nutzung des Internets. Die Gematik setzt in Deutschland mit der Einführung der eGK den weltweiten Maßstab bezüglich Datenschutz in E-Health-Projekten.
Welche Schwerpunkte wird die Gematik zur Medica 2008 setzen?
Bartels: Wir zeigen neue Entwicklungen, demonstrieren, wie sich die Gesundheitskarte in die Arbeitsabläufe der Praxis integrieren lässt. Ein anschauliches Beispiel ist das E-Rezept. Das Ausstellen und Speichern kann vom Praxispersonal vorgenommen werden, sodass der Arzt lediglich elektronisch signiert und sich auf seine originären Aufgaben konzentrieren kann. Wir können auch schon die Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung für frei verkäufliche Medikamente in der Apotheke vorführen: die Ergänzung zur Prüfung der rezeptpflichtigen Arzneimittel. Die Fragen stellte Heike E. Krüger-Brand.
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