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Ob Strategien, steuerfreie Kursgewinne ins nächste Jahr zu retten, überhaupt noch Sinn haben, und wie es mit der Finanzkrise weitergeht, verrät unser Kolumnist Börsebius.
Es fällt immer schwerer, das Geschehen in der deutschen und der internationalen Bankenwelt mit einigermaßen klarem Verstand einzuordnen, ohne einerseits zu verharmlosen oder andererseits Panik zu schüren. Von Tag zu Tag, mit jeder Drehung der Krisenspirale, wurden die Superlative des Schreckens knapper. Am zweiten Oktoberwochenende kam der politische Befreiungsschlag, endlich. Eine halbe Billion Euro will der deutsche Staat einsetzen, um das Bankensystem zu retten. Das ist die Rettung, jubelte das „Handelsblatt“ am darauffolgenden Montag, und der DAX folgte mit einem fulminanten Anstieg.
Die Euphorie währte nur kurz, das Entsetzen folgte auf dem Fuße. Der allseitigen Verwunderung, dass sich kaum ein Institut aus der Deckung wagte, das Rettungspaket anzunehmen, folgte das blanke Entsetzen über eine konjunkturelle Hiobsbotschaft nach der anderen. Die Rezession steht vor der Tür, wir sind schon mittendrin, die Depression ist unausweichlich, es wird immer finsterer in der Wirtschaft, die Medien überschlagen sich plötzlich mit Untergangsszenarien. Und der DAX folgt dem Katastrophentrend brav nach unten. Dass im selben Zeitraum die VW-Aktie um mehrere Hundert Prozent nach oben schoss, unterstreicht eindringlich, wie verrückt und hysterisch die Zustände an den Börsen derzeit sind.
Ein kurzer Rückblick
Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig, in aller Deutlichkeit das Entstehen des Elends zu reflektieren. Die Verbriefung von nicht werthaltigen Immobiliendarlehen für US-Kredite in immer neuere, immer größere Mogelpackungen und deren Weiterreichung an andere Finanzadressen, die ihrerseits noch größere Pakete schnürten und diese ebenfalls global weiterreichten, führte zu einem Pulverfass namens Subprime. Damit das Geschiebe um die herausgeputzten Mogelpakete auch global funktionieren konnte, spielten die Ratingagenturen brav mit. Wo „AAA“ draufstand, war nur überteuerter Schrott drin. Lange Zeit haben viele Leute an diesen Deals prächtig verdient. So weit, so schlecht. Klar ist doch eines: Wenn ich Banker bin und weiß, ich habe ein schön verschnürtes Wertpapierpaket (außerhalb der Bilanz versteckt, versteht sich), auf dem eine Milliarde Euro „Wert“ draufsteht, mir aber durchaus bewusst bin, dass das Päckchen nur 100 Millionen Euro bringt, dann traue ich dem Kollegen Banker vom anderen Institut genauso wenig wie mir. Der hat ja mindestens den gleichen Schrott im Bestand. Und so kam genau das, was kommen musste: Die Banken, von durchaus berechtigtem Misstrauen zerfressen, liehen sich gegenseitig kein Geld mehr. Basta. Der Geldmarkt war mausetot. Damit war der für die Weltwirtschaft lebenswichtige Blutkreislauf „Interbankenhandel“ am Ende. Die für eine Volkswirtschaft lebensbedrohliche Folge liegt auf der Hand: Es entsteht eine Kreditklemme. Banken können keine Kredite mehr ausreichen, weil sie sich nicht mehr refinanzieren können. Die Folgen: Rezession, Depression, Millionen von Arbeitslosen; haben wir alles 1929 und danach erlebt.
Natürlich gibt es enorme Unterschiede zwischen damals und heute. Aber es gibt eben auch beängstigende Parallelen. Insofern scheint das entschlossene Eingreifen der Regierungen jedenfalls im Grunde alternativlos zu sein. Vor allem die Reanimierung des Interbankenhandels, der Unterschied zu 1929, scheint das richtige Erfolgsrezept zu sein – neben der zeitlich begrenzten Teilverstaatlichung der Banken und der Beruhigungspillen in Richtung Einlagensicherung.
Also: Trotz abstürzender Kurse, trotz der unausweichlichen konjunkturellen Abschwächung, die Chancen für ein Ende der Finanzkrise sind größer, als derzeit geglaubt wird. Insgesamt scheinen die Notenbanker erkannt zu haben, worauf es wirklich ankommt, nämlich eben nicht jeden zu retten, der nicht mehr in der Lage ist, sich ohne Hilfe über Wasser zu halten, siehe Lehman Brothers, sondern die Geldmärkte insgesamt zu stabilisieren. Alles andere würde zu einem totalen Kollaps der Wirtschaftswelt führen. Die Zeit der Wende ist nahe oder bereits durchschritten. Wenn 95 Prozent der Marktteilnehmer die Hosen voll haben, ist die Zeit für Mutige angebrochen. Kluge Leute kaufen, solange die Kanonen donnern.
Meiner Meinung nach stehen die Märkte vor einer Erholung. Bis zum Jahresende sollten wir deutlich höhere Kurse im DAX sehen. Persönlich sehe ich gute Gewinnchancen bei den DAX-Schwergewichten Deutsche Bank, Commerzbank, Allianz, Siemens, Bayer, RWE sowie bei den Stoxx-Werten, insbesondere für Ahold und Philips.
Epochales Ereignis Abgeltungsteuer
Es lohnt sich also durchaus, trotz oder gerade wegen der Finanzkrise, sich intensiv mit der kommenden Abgeltungsteuer zu beschäftigen. Die ab dem 1. Januar 2009 in Kraft tretende Abgeltungsteuer erfordert umfangreiche konzeptionelle und strategische Maßnahmen. Dabei hat der Gesetzgeber eine eigentlich einfache Vorgabe, nämlich Kapitalerträge einem einheitlichen, – und wichtig – endgültigen Steuersatz zu unterwerfen, ziemlich zerfleddert. Wichtig ist es, die zentrale Aussage der Abgeltungsteuer zu kennen und sie auch zu verinnerlichen, um angemessen handeln zu können.
Ab kommendem Jahr werden alle Kapitalerträge einer endgültigen Steuer in Höhe von 25 Prozent unterworfen, hinzu kommen Solidaritätsbeitrag und Kirchensteuer, macht zusammen eine finale Belastung von 28 bis 29 Prozent. Achtung: Steuerfreie Kursgewinne gibt es dann vermutlich für die nächsten 20, 30 Jahre oder länger nicht mehr. Es sei denn, Sie lassen sich dieses Jahr noch das Richtige einfallen, die Steuerfreiheit zu erhalten.
Dieser harsche Einschnitt fordert höchste Wachsamkeit und einen kühlen Verstand. Grundsätzlich gilt: Wenn die richtigen Schritte eingeleitet sind, können die durch die Abgeltungsteuer drohenden Belastungen weitgehend kompensiert beziehungsweise aufgefangen werden. Dabei ist die Vorgehensweise immer danach auszurichten,
- was dieses Jahr noch unternommen werden muss,
um möglichst viele steuerfreie Kursgewinne auch für die nächsten Jahre noch zu „retten“ und
- was ab dem kommenden Jahr zu ändern ist, damit die Folgen der Abgeltungsteuer möglichst gemildert werden oder sogar zu unserem Vorteil nutzbar sind.
Maßnahmen 2008
Kursgewinne aus Aktien und Fondsanteilen bleiben auch in den Folgejahren von der Abgeltungsteuer verschont, wenn die Werte noch in diesem Jahr gekauft werden. Es steht zu vermuten, dass deshalb noch in den nächsten Wochen eine deutliche Nachfrage nach Aktien mit entsprechenden Kurssteigerungen zu erwarten ist, immer vorausgesetzt, die Finanzkrise flacht sich ab, wovon ich, wie gesagt, ausgehe. Hieraus resultiert die klare Erkenntnis, möglichst viel Liquidität noch in diesem Jahr zu investieren, um kursattraktive Investments noch in 2008 mit der Aussicht auf nachhaltige steuerfreie Kursgewinne zu generieren.
Maßnahmen 2009
Klarer „Gewinner“ der Abgeltungsteuer sind festverzinsliche Wertpapiere, da nicht mehr der persönliche Steuersatz gilt, sondern die Steuerpflicht auf einem in der Regel niedrigeren Niveau abgegolten wird. Hieraus resultiert eine Übergewichtung von Rentenwerten und Rentenfonds beziehungsweise gemischten Fonds mit einem hohen Rentenanteil. Natürlich sollen auch Aktien und Aktienfonds nicht außer Acht gelassen werden. Hier ist aber noch mehr darauf zu achten, dass durch eine ausgeklügelte Selektion möglichst Werte gekauft werden, die ein hohes Zuwachspotenzial aufweisen. Wenn dann zum Beispiel bei einer Aktie nach vier Jahren Haltefrist bei einem Kaufkurs von 100 Euro und einem Verkaufskauf von 150 Euro 50 Prozent Kursgewinn (gleich 50 Euro Gewinn) anfallen, dann sind auf den Gewinn maximal 28 Prozent Abgeltungsteuer zu bezahlen. Das sind dann 14 Euro. Bleiben immer noch 36 Euro übrig.
Wichtig ist es aber, dass bei allen Engagements weiter auf möglichst niedrige Kosten geachtet wird. Der Kauf von Dachfonds (mit immensen weichen und versteckten Kosten) darf für Sie einfach nicht infrage kommen, weil Sie jährlich immense Gebühren verschleudern. Sie sollten auch erwägen, sich Bundesschatzbriefe zu kaufen. Nur weil die Banken Ihnen die Papiere nicht verkaufen (sie verdienen daran kaum etwas), sollten Sie sich nicht davon abhalten lassen. Was die Notenbanken der Welt machen, nämlich Bundeswertpapiere kaufen, kann so verkehrt nicht sein.
Wegen der Abgeltungsteuer ist es übrigens geboten, neben dem bisherigen Depot (mit den Werten vor 2009) ein weiteres Depot (mit den Werten ab dem 1. Januar 2009) einzurichten. Denn nach meiner Erfahrung sind schon die bisherigen Jahresdepotauszüge fehlerhaft. Reinhold Rombach
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