MEDIZIN: Originalarbeit

Schlafstörungen im Einschulalter – Ursachen und Auswirkungen

Sleep Disorders in Children Beginning School: Their Causes and Effects

Dtsch Arztebl 2008; 105(47): 809-14; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0809

Lehmkuhl, Gerd; Wiater, Alfred; Mitschke, Alexander; Fricke-Oerkermann, Leonie

Hintergrund: Schlafstörungen sind im Einschulalter ein häufiges Problem und können eng mit Leistungs- und Verhaltensschwierigkeiten zusammenhängen. Aufgrund einer altersbedingten großen intra- und interindividuellen Variabilität sind entsprechende diagnostische Vorgehensweisen notwendig, um die vielfältigen Umgebungs- und Hintergrundfaktoren in ihrer Relevanz für den Verlauf zu erfassen.
Methoden: Im Rahmen einer Einschuluntersuchung wurden im Jahr 2005 von circa 1.400 Kindern mithilfe eines speziellen Fragebogens zum Schlafverhalten sowie eines Screeningverfahrens zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und -stärken (SDQ, Strengths and Difficulties Questionnaire) umfangreiche Angaben erhoben.
Ergebnisse: Einschlaf-, Durchschlafprobleme und nächtliches Erwachen treten jeweils bei circa 5 % der Kinder häufig auf. Geringe Prävalenzen findet man für mehrfach in der Woche vorhandene Parasomnien wie Pavor nocturnus (0,5 %), Schlafwandeln (0,1 %) und Albträume (1,7 %).
Schlussfolgerung: Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Tagesmüdigkeit, und es ist mit einer vermehrten psychischen Auffälligkeit zu rechnen. Dies gilt für die Bereiche Hyperaktivität und emotionale Belastungen. Die Ergebnisse sprechen für eine enge Beziehung zwischen Schlafproblemen und emotionalen Störungen. Dieser Aspekt sollte in der Praxis zu entsprechenden diagnostischen Schritten führen.
Dtsch Arztebl 2008; 105(47): 809–14
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0809
Schlüsselwörter: Schlafstörung, Schulanfänger, Insomnie, Kindergesundheit, psychische Belastung
Schlafstörungen belasten nicht nur die davon betroffenen Kinder, sondern auch ihre Eltern und Geschwister. Es kommt zu allabendlichen Konfliktsituationen, die Kinder haben Schwierigkeiten morgens aufzustehen und leiden unter einer vermehrten Tagesmüdigkeit, sind gereizt und unruhig. Schlafprobleme sind ein häufiges Problem im Grundschulalter. In Abhängigkeit von der Untersuchungsmethodik – Fragebögen, Interviews, Einbeziehung der Eltern und/oder der Kinder – sowie der Stichprobengewinnung schwanken die Prävalenzangaben zwischen 25 und 43 % (1, 2).

Stein und Koautoren (3) finden vor allem bedeutsam, dass bei Kindern mit Schlafproblemen häufig weitere psychische, soziale und medizinische Risiken zu erwarten sind. Entsprechend plädieren sie dafür, dass bei medizinischen Routineuntersuchungen, zum Beispiel beim Pädiater oder Allgemeinarzt, verstärkt auf Schlafstörungen geachtet werden sollte. Epidemiologische und schulbasierte Studien belegen, dass exzessive Tagesmüdigkeit bei circa 10 % der Schulkinder für relevante Leistungsschwierigkeiten und Verhaltensprobleme verantwortlich ist (4, 5). Obwohl diese Zusammenhänge bekannt sind, fehlen bislang effektive Strategien zur Diagnose und Behandlung (6).

Die Autoren überprüften, wie häufig bei 2- bis 14-jährigen Patienten, die in einer Kinderklinik behandelt wurden, begleitende Schlafstörungen vorlagen und diagnostisch unerkannt blieben. Von 830 Kindern hatten 86 Schlafprobleme, wobei dies nur in zwei Fällen festgehalten und in keinem Fall Anlass zur Behandlung war. Dies kann unter anderem daran liegen, dass Eltern in der ärztlichen Sprechstunde oder in psychologischen Beratungsstellen Schlafprobleme ihrer Kinder nicht bewusst thematisieren. Vielmehr beschreiben sie unspefizisch die Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsdefizite ihrer Kinder und erwähnen die Schlafstörungen lediglich im Zuge dessen. Bei der Beurteilung einer Schlafstörung kommt hinzu, dass die große altersbedingte Variabilität eine eindeutige Feststellung des kindlichen Schlafs als pathologisch erschwert.

Weiterhin unterliegen Dauer und Qualität des Schlafs großen intra- und interindividuellen Schwankungen sowie kulturellen Einflüssen. Diese Aspekte erweisen sich bei einer diagnostischen Zuordnung als hinderlich. Repräsentative epidemiologische Untersuchungen in Heidelberg und Köln zeigten jedoch eine hohe Übereinstimmung der Prävalenzraten für Schlafstörungen. Diese lagen bei 7,2 beziehungsweise 7,7 %, wobei Jungen und Mädchen gleichermaßen betroffen sind. Am häufigsten berichteten die Eltern über Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) sowie Albträume (7). Obwohl viele Studien eine hohe Komorbiditätsrate zwischen kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen und Schlafstörungen bestätigen, ist zurzeit noch unklar, ob sie die Vulnerabilität für psychiatrische Auffälligkeiten erhöhen. Außerdem liegen noch zu wenig Informationen vor (811) über die Bedeutung von belastenden Umgebungs- und Hintergrundfaktoren, zum Beispiel Licht und Lärmbelästigung, körperliche Erkrankungen, ungünstige Wohnungsbedingungen sowie familiärer Stress.

Wie häufig mit Schlafstörungen im Einschulalter zu rechnen ist, welche Belastungsfaktoren mit der Symptomatik zusammenhängen und ob weitere Verhaltensauffälligkeiten dabei zu erwarten sind, überprüften die Autoren an einer umfangreichen Stichprobe von Erstklässlern. Ziel dieser Untersuchung ist es, Ärzte und Eltern besser über Schlafstörungen zu informieren.

Methodisches Vorgehen
Im Rahmen der Einschuluntersuchung wurden in Kooperation mit dem Schulamt im Frühjahr 2005 die Eltern jeder zweiten zufällig in die Untersuchung aufgenommenen Kölner Schule angeschrieben. So wurden 4 793 von 8 992 Schulanfängern kontaktiert. Um eine Repräsentativität zu erreichen, klassifizierten die Autoren die Schulen nach Stadtteilen. Der Rücklauf umfasste 1 496 Fragebögen, von denen 1 388, das heißt knapp 30 % der gesamten Fragebögen, auswertbar waren. Bei 712 Jungen (51,3 %) und 676 Mädchen (48,7 %) lag das mittlere Alter bei 5,52 Jahren. 86,1 % der Kinder waren deutschstämmig, 13,9 % ausländischer Nationalität.

Der selbst konzipierte Screening-Fragebogen umfasste 33 Items auf ordinalem Skalenniveau zu den Schwerpunkten:
- Schlafverhalten (Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit, konstante Zubett- und Aufwachzeiten et cetera)
- Schlafumgebungsfaktoren und -hygiene (Lärm, Licht, Personen im Zimmer)
- Tagesaktivitäten (zum Beispiel Fernsehkonsum)

Da bislang kein deutschsprachiger Fragebogen zum Schlafverhalten existiert, wurde ein entsprechender Item-Katalog anhand bestehender Literatur zusammengestellt, an mehreren Stichproben überprüft und mittels parallel durchgeführter Interviews validiert. Die dreistufige Skalierung wurde entsprechend der „Child Behavior Checkliste“ verwandt, wobei „manchmal“ definiert war als „gelegentliches Auftreten“, „nicht mehrfach in der Woche“ oder „innerhalb der letzten sechs Monate“. „Häufig“ bedeutete „regelmäßiges Vorhandensein“ oder „mehrfach die Woche“. Darüber hinaus bestand die Option, die Items als „nicht zutreffend“ einzuschätzen.

Mit dem „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ) wurde ein Screening-Verfahren auf metrischen Skalen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und -stärken eingesetzt. Der faktorisierte, insgesamt 25 Items umfassende Fragebogen erlaubt die Beurteilung folgender fünf Bereiche:
- emotionale Probleme
- Hyperaktivität
- Verhaltensauffälligkeiten
- Probleme mit Gleichaltrigen
- prosoziales Verhalten.

Die Autoren werteten sowohl die einzelnen Faktoren als auch den Gesamtscore aus (12). Die fünf Skalen können Werte zwischen 5 und 10 erreichen, wenn alle Items vollständig zutreffen. Der Gesamtwert kann 0 bis 40 betragen.

Die statistische Auswertung überprüfte neben einer deskriptiven Darstellung die Datenzusammenhänge zwischen Schlafproblemen und Einflussfaktoren. Dies geschah mithilfe von Korrelationen (Rangkorrelation nach Spearman) und relativem Risiko. Für die relativen Risiken wurden die einzelnen Items dichotomisiert. Dabei wurden die Kategorien „manchmal“ und „etwas zutreffend“ sowie „häufig zutreffend“ zu dem Item „Schlafstörung vorhanden“ zusammengefasst. Weiterhin wurden Gruppenvergleiche für Kinder mit beziehungsweise ohne Schlafstörung mittels t-Tests für unabhängige Stichproben durchgeführt.

Ergebnisse
Am häufigsten berichteten Eltern von Einschlaf- und Durchschlafproblemen ihrer Kinder, wohingegen Parasomnien wie Schlafwandeln, Albträume und Pavor nocturnus deutlich seltener auftraten. Bei der Einschätzung der Häufigkeitsangaben spielt es eine große Rolle, ob das Problem manchmal oder häufig vorhanden ist. Insomnien traten in 5 % der Fälle häufig auf – die Werte bei den Parasomnien schwankten in dieser Kategorie zwischen 0,1 und 7,1 % (Tabelle 1). Über Tagesmüdigkeit klagten häufig 0,9 % und manchmal 14,4 % der Kinder. Einen Mittagsschlaf machten 1 % der Kinder häufig, 6,4 % manchmal. Die Prävalenzangaben für belastende Faktoren wie Infekte, Allergien, chronische Erkrankungen und familiärer Stress schwankten zwischen 1,9 und 4,3 %, wenn die Schlafprobleme häufig waren (Tabelle 2). Chronische Erkrankungen, Infekte und Allergien erhöhten insbesondere das relative Risiko für Durchschlafstörungen um das 1,4- bis 2,1-Fache, wohingegen der Zusammenhang mit Einschlafproblemen weniger deutlich war (Tabelle 3).

Diese führten jedoch zu einem 1,7-fach höheren Risiko für Tagesmüdigkeit und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit (1,8-fach). Der gleiche Befund bestand bei den Durchschlafproblemen, wobei hier ein 2,1-fach höheres Risiko bestand, dass ein Kind tagsüber plötzlich einschlief. Im Bereich der Schlafhygiene stellten die Autoren fest, dass wechselnde Zubettgehzeiten sowohl die Einschlafprobleme als auch die Durchschlafprobleme um mehr als das Doppelte erhöhten. Während Fernsehen vor dem Einschlafen keinen Einfluss auf das Schlafverhalten in der Stichprobe hatte, wachten Kinder mit einem Fernseher im Zimmer nachts häufiger auf. Hintergrund könnte ein durch die Eltern wenig kontrollierter Fernsehkonsum sein. Licht und Lärmbelästigung wirkten sich besonders auf die Einschlafsituation aus, wohingegen Rauchen in der Wohnung offenbar keine Bedeutung hatte. Infekte, Allergien, aber vor allem auch familiärer Stress führten zu vermehrten Ein- und Durchschlafproblemen (Tabelle 3).

In allen Bereichen standen zwar signifikante Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen der Schlafstörung und der emotionalen Belastung beziehungsweise Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, wobei das relative Risiko zwischen 1,5 und 2,9 liegt (Tabelle 4). Die höchsten Korrelationen hinsichtlich der Einschlafprobleme bestanden zwischen Hyperaktivität und dem Gesamtwert im SDQ (Tabelle 4). Weitergehend wurde untersucht, wie hoch das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit Schlafproblemen war (relatives Risiko). Tabelle 5 zeigt, dass bei Schlafstörungen generell mit einer erhöhten psychischen Auffälligkeit zu rechnen ist. Ein sensitiver Parameter hierfür ist der Gesamtproblemwert des SDQ sowie die Bereiche emotionale Probleme und Hyperaktivität.

Diskussion
Die ermittelten Häufigkeiten für Schlafprobleme bei Einschulkindern entsprechen zwar weitgehend den Angaben anderer epidemiologischer Studien, zeigen aber auch, dass es wichtig ist, zwischen den verschiedenen Ausprägungen und Formen von Schlafstörungen zu unterscheiden. In einer früheren Erhebung, die mit vergleichbaren Instrumenten durchgeführt wurde, litten 10 % der Kinder in den letzten drei Monaten an Ein- und Durchschlafproblemen (7). In einer schwedischen Untersuchung berichteten knapp 60 %, nie unter Ein- und Durchschlafstörungen zu leiden, etwa 6 % waren jedoch davon mehrfach in der Woche betroffen. Für das nächtliche Aufwachen schwanken die Prävalenzzahlen zwischen 1,2 und circa 7 %, wobei die Autoren darauf hinweisen, dass es den betroffenen Kindern häufig erst nach einer längeren Zeitspanne gelingt, wieder einzuschlafen (11). Blader und Mitarbeiter (13) berichten, dass von den Kindern mit Einschlafstörungen knapp 25 % circa eine halbe Stunde wach liegen, gut 50 % 30 bis 60 Minuten und ein Fünftel sogar länger als eine Stunde. Die Situation der Probanden mit Durchschlafproblemen war nicht besser: Nur 16,5 % konnten innerhalb von 30 Minuten wieder einschlafen, gut 50 % brauchten 30 bis 60 Minuten und 33 % benötigten ein bis drei Stunden.

Auch bei den Parasomnien stimmen die von den Autoren ermittelten Prävalenzzahlen größtenteils mit den Ergebnissen bisheriger Feldstudien überein. Besonders häufig treten hierbei Albträume auf, jedoch bestehen selten chronische Parasomnien bei Kindern über einen längeren Zeitraum (14). Da das regelmäßige Auftreten von Parasomnien ein Hinweis für psychische Belastungen und Stressfaktoren sein kann, sollte man diesen Aspekt besonders beachten. Wichtig ist auch, das Ausmaß genauer zu differenzieren. In einer Studie von Neveus und Mitarbeitern (15) berichteten 5 % der Befragten über Albträume, die jede Nacht auftraten, bei knapp 5 % waren sie wöchentlich vorhanden und bei circa 52 % mindestens einmal im Monat. In der Schlafstudie von Spruyt et al. (16) hatten knapp 4 % der Kinder wöchentliche Albträume, wobei einige Autoren wie Rabenschlag (17) über bedeutend höhere Zahlen berichten: In ihren Kohorten litten fast 50 % der 6- bis 12-Jährigen unter Parasomnien. Diese Diskrepanzen sollten Anlass sein, in der Praxis sowohl die Form als auch das Ausmaß und die dadurch hervorgerufene Beeinträchtigung durch die Schlafstörung zu ermitteln. Eine routinemäßige Erfassung ist vor allem deshalb notwendig, um zwischen entwicklungstypischen und -auffälligen Schlafstörungen unterscheiden zu können.

Als Kriterien und Anhaltspunkte bieten sich hier das Ausmaß der Symptomatik, die Persistenz und die Auswirkungen auf das Tages- und Nachtverhalten. Darüber hinaus sind Umgebungs- und Belastungsfaktoren zu eruieren, denn insbesondere eine mangelnde Schlafhygiene, Infekte und familiärer Stress wirken sich negativ auf das Schlafverhalten aus. Wird über Schlafstörungen berichtet und lassen sich diese in der Anamnese feststellen, sollte man ein besonderes Augenmerk auf solche möglichen Hintergründe richten (2, 18). In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Eltern wie Kinder über die Hintergründe von Schlafstörungen zu informieren und darüber, wie diese oft verstärkt werden. Eine entsprechende Schlafedukation und die Vermittlung und Einhaltung der Regeln zur Schlafhygiene sind eine wesentliche Basis der Beratung und Behandlung (19). Je mehr Wissen bei den Eltern und Kindern über das Thema Schlaf vorliegt, umso besser können sie mit den Schlafproblemen umgehen und diese reduzieren. Häufig reicht ein solches Vorgehen aus, um den Schlaf zu verbessern und den betroffenen Familien die Kompetenzen zu vermitteln, das Problem selbst lösen zu können.

Die in der vorliegenden Untersuchung gefundenen Einflussvariablen legen nahe, Schlafumgebungsfaktoren und familiäre Interaktionsprobleme nicht nur bei Ein- und Durchschlafstörungen, sondern auch bei Parasomnien zu erfragen. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten auch weitere Verhaltensprobleme thematisiert werden. Screening-Instrumente wie das SDQ ermöglichen es, Informationen über Sozialverhalten, emotionale Belastung, Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten zu erhalten (7, 12). Sowohl bei den Ein- als auch Durchschlafstörungen war das Risiko für auffällige Werte im SDQ um das 2- bis 3-Fache erhöht. Diese Effekte waren sowohl für den Gesamt-Score im SDQ als auch für die Subskalen „emotionale Probleme“, „Hyperaktivität“, „Verhaltensauffälligkeiten“ und „Probleme mit Gleichaltrigen“ vorhanden. So sind Schlafstörungen ein häufig anzutreffendes Symptom bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen und auch emotionale Auffälligkeiten führen verstärkt zu Schlafveränderungen. Kumulieren mehrere Risiken, besteht die Gefahr einer Verselbständigung der Schlafstörungen, weil die negativen Ein- und Durchschlafgewohnheiten des Kindes häufig die Fehlanpassung aufrecht erhalten. Die Analysen der Längsschnittdaten der Kölner Kinderschlafstudie (14) weisen beispielsweise darauf hin, dass bei 20 % der Viertklässler Ein- und Durchschlafprobleme bestehen und diese über mehrere Jahre andauern. Neben Konflikten im Rahmen der Schlafsituation sollten aber auch schlafbezogene Ängste als ein wichtiger Hintergrund erfasst werden, denn sie verlangen weitergehende therapeutische Interventionen. Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse sprechen für eine komplexe Interaktion zwischen psychosozialen Belastungsfaktoren, Verhaltensauffälligkeiten und Schlafstörungen. Die Zusammenhänge wurden bisher zwar vermutet, waren aber empirisch nicht nachgewiesen, sodass sich aus der vorliegenden Studie sowohl diagnostische als auch edukative Vorgehensweisen ableiten lassen. Einschränkend muss angemerkt werden, dass die Autoren keine Aussagen hinsichtlich der kausalen Richtung machen können. Einerseits ist davon auszugehen, dass chronische Schlafprobleme auch das emotionale Befinden negativ beeinträchtigen, andererseits können Verhaltensprobleme auch sekundär zu Ein- und Durchschlafstörungen führen. Da Schlafprobleme häufig auf weitere Risiken hinweisen, sie jedoch selten der primäre Anlass für Eltern sind, mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, sollte nach ihnen gezielt gefragt und sie sollten diagnostisch abgeklärt werden. Auf begleitende psychiatrische Symptome ist dabei ebenso zu achten wie auf psychosoziale Risiken.

Die Limitationen der Studie bestehen vor allem in der relativ niedrigen Rücklaufquote. Es wurde allerdings besonders darauf geachtet, dass Schulen aus allen Kölner Stadtvierteln einbezogen waren. Hinsichtlich dieses Aspekts wies der Rücklauf keine systematischen Verzerrungen auf. Lediglich 13,9 % der ausgewerteten Fragebögen stammten von Eltern ausländischer Kinder. Dies deutet darauf hin, dass diese Gruppe unterrepräsentiert war. Um die Mitarbeit der Eltern nicht zu gefährden, wurde auf die Erhebung sozialer Variablen verzichtet. Da Schüler aus allen Stadtteilen einbezogen waren, wurde das Risiko, das durch eine Verzerrung sozialer Daten entstehen kann, minimiert.

Resümee
Ein hoher Anteil von Einschulkindern leidet unter Schlafstörungen, wobei dies häufig ein vorübergehendes und entwicklungsbedingtes Phänomen ist. Bei 5 bis 10 % der Kinder handelt es sich jedoch um eine ausgeprägtere Störung, die mit verschiedenen Belastungsfaktoren und weiteren Verhaltensauffälligkeiten zusammenhängen kann. Hier können Schlafstörungen ein erstes Zeichen sein, von dem ausgehend weitere diagnostische und therapeutische Schritte einzuleiten sind.

Die Studie wurde gefördert durch die Imhoff-Stiftung Köln.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 10. 4. 2008, revidierte Fassung angenommen: 3. 7. 2008

Summary
Sleep Disorders in Children Beginning School:
Their Causes and Effects
Background: Sleep disorders are a common problem among children beginning school and may be associated both with impaired school performance and with behavioral difficulties. Because these disorders manifest themselves highly variably among children of any given age, and even in an individual affected child, they need an appropriate diagnostic evaluation so that the many environmental and background factors that may be relevant to the further course of the problem can be assessed.

Methods: Extensive data were obtained on approximately 1400 children who were tested before beginning school in 2005 by means of a special sleep questionnaire and another screening instrument that is used to assess behavioral strengths and difficulties (the SDQ, Strengths and Difficulties Questionnaire).

Results: Five percent of the children were found to have difficulty falling asleep, difficulty staying asleep, or nocturnal awakening. Less frequent problems included parasomnias such as pavor nocturnus (0.5%), sleepwalking (0.1%), and frequent nightmares (1.7%).

Conclusion: Sleep disorders increase the risk of daytime fatigue and of psychological problems in general, including both hyperactivity and excessive emotional stress. These results imply that sleep problems and emotional disturbances are intimately connected and underscore the importance of diagnosing sleep problems in young children.
Dtsch Arztebl 2008; 105(47): 809–14
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0809
Key words: sleep disorder, schoolchildren, insomnia, child health, emotional stress

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de
1.
Aronen E, Paavonen EJ, Fjällberg M, Soininen M, Törrönen J: Sleep and psychiatric symptoms in school-age children. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2000; 39: 4, 501–8. MEDLINE
2.
Fricke-Oerkermann L, Frölich J, Lehmkuhl G, Wiater A: Schlafstörungen – Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe 2007.
3.
Stein MA, Mendelsohn J, Obermeyer WH, Amromin J, Benca R: Sleep and behavior problems in school-aged children. Pediatrics 2001; 107: 60. MEDLINE
4.
Chervin RD, Hedger KM, Dillon JE, Pituch KJ: Pediatric Sleep Questionnaire (PSQ). Validity and reliability of scales for sleep-disordered breathing, snoring, sleepiness, and behavioural problems. Sleep Med 2000; 1: 21–32. MEDLINE
5.
Owens JA, Spirito A, McGuinn M, Nobile C: Sleep habits and sleep disturbance in elementary school-aged children. Journal of Developmental and behavioural pediatrics 2000; 21: 27–36. MEDLINE
6.
Chervin RD, Archbold KH, Panahi P, Pituch KJ: Sleep problems seldom addressed at two general pediatric clinics. Pediatrics 2001; 107: 1375–80. MEDLINE
7.
Kraenz S, Fricke L, Wiater A et al.: Häufigkeit und Belastungsfaktoren bei Schlafstörungen im Einschulalter. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr 2004; 53: 3–18. MEDLINE
8.
Laberge L, Tremblay RE, Vitaro F, Montplaisir J: Development of parasomnias from childhood to early adolescence 2000; 106: 67–74. MEDLINE
9.
Paavonen EJ, Aronen ET, Moilanen I, Piha J, Räsänen E, Tamminen T, Almqvist F: Sleep problems of school-aged children: a complementary view. Acta Paediatr 2000; 89: 223–8. MEDLINE
10.
Owens JA: The practice of pediatric sleep medicine: results of a community survey. Pediatrics 2001; 108: 1–16. MEDLINE
11.
Smedje H, Broman JE, Hetta J: Associations between disturbed sleep and behavioural difficulties in 635 children aged six to eight years: a study based on parents’ perceptions. European Child and Adolescent Psychiatry 2001; 10: 1–9. MEDLINE
12.
Klasen H, Woerner W, Wolke D, Meyer R, Overmeyer S, Kaschnitz W, Rothenberger A, Goodmann R: Comparing the german versions of the strengths and difficulties questionnaire (SDQ-Deu) and the child behavior checklist. Eur Child Adolesc Psychiat 2000; 9: 271–6. MEDLINE
13.
Blader JC, Koplewicz HS, Abikoff H, Foley C: Sleep problems of elementary school children – A community survey. Archives of pediatric and adolescent medicine 1997; 151: 473–80. MEDLINE
14.
Fricke-Oerkermann L et al.: Prevalence and course of sleep problems in childhood. Sleep 2007; 30: 1371–13. MEDLINE
15.
Nevéus T, Cnattingius S, Olsson U, Hetta J: Sleep habits and sleep problems among a community sample of schoolchildren. Acta Paediatr 2001; 90: 1450–5. MEDLINE
16.
Spruyt K, O'Brien LM, Cluydts R, Verleye GB, Ferri R: Odds, prevalence and predictors of sleep problems in school-age normal children. J Sleep Res 2005; 14: 163–76. MEDLINE
17.
Rabenschlag U: Parasomnien im Kindesalter – Epidemiologie und klinische Bedeutung. Wiener Klinische Wochenschrift 2000; 112 (Suppl. 2): 3–4.
18.
Fricke-Oerkermann L, Lehmkuhl G: Nichtorganische Schlafstörungen im Kindesalter. Monatsschrift Kinderheilkunde 2007; 155: 616–23.
19.
Fricke L, Lehmkuhl G: Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter. Göttingen: Hogrefe 2006.
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln: Prof. Dr. med. Lehmkuhl, Dr. med. Wiater, Mitschke, Dr. phil. Fricke-Oerkermann
1. Aronen E, Paavonen EJ, Fjällberg M, Soininen M, Törrönen J: Sleep and psychiatric symptoms in school-age children. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2000; 39: 4, 501–8. MEDLINE
2. Fricke-Oerkermann L, Frölich J, Lehmkuhl G, Wiater A: Schlafstörungen – Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe 2007.
3. Stein MA, Mendelsohn J, Obermeyer WH, Amromin J, Benca R: Sleep and behavior problems in school-aged children. Pediatrics 2001; 107: 60. MEDLINE
4. Chervin RD, Hedger KM, Dillon JE, Pituch KJ: Pediatric Sleep Questionnaire (PSQ). Validity and reliability of scales for sleep-disordered breathing, snoring, sleepiness, and behavioural problems. Sleep Med 2000; 1: 21–32. MEDLINE
5. Owens JA, Spirito A, McGuinn M, Nobile C: Sleep habits and sleep disturbance in elementary school-aged children. Journal of Developmental and behavioural pediatrics 2000; 21: 27–36. MEDLINE
6. Chervin RD, Archbold KH, Panahi P, Pituch KJ: Sleep problems seldom addressed at two general pediatric clinics. Pediatrics 2001; 107: 1375–80. MEDLINE
7. Kraenz S, Fricke L, Wiater A et al.: Häufigkeit und Belastungsfaktoren bei Schlafstörungen im Einschulalter. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr 2004; 53: 3–18. MEDLINE
8. Laberge L, Tremblay RE, Vitaro F, Montplaisir J: Development of parasomnias from childhood to early adolescence 2000; 106: 67–74. MEDLINE
9. Paavonen EJ, Aronen ET, Moilanen I, Piha J, Räsänen E, Tamminen T, Almqvist F: Sleep problems of school-aged children: a complementary view. Acta Paediatr 2000; 89: 223–8. MEDLINE
10. Owens JA: The practice of pediatric sleep medicine: results of a community survey. Pediatrics 2001; 108: 1–16. MEDLINE
11. Smedje H, Broman JE, Hetta J: Associations between disturbed sleep and behavioural difficulties in 635 children aged six to eight years: a study based on parents’ perceptions. European Child and Adolescent Psychiatry 2001; 10: 1–9. MEDLINE
12. Klasen H, Woerner W, Wolke D, Meyer R, Overmeyer S, Kaschnitz W, Rothenberger A, Goodmann R: Comparing the german versions of the strengths and difficulties questionnaire (SDQ-Deu) and the child behavior checklist. Eur Child Adolesc Psychiat 2000; 9: 271–6. MEDLINE
13. Blader JC, Koplewicz HS, Abikoff H, Foley C: Sleep problems of elementary school children – A community survey. Archives of pediatric and adolescent medicine 1997; 151: 473–80. MEDLINE
14. Fricke-Oerkermann L et al.: Prevalence and course of sleep problems in childhood. Sleep 2007; 30: 1371–13. MEDLINE
15. Nevéus T, Cnattingius S, Olsson U, Hetta J: Sleep habits and sleep problems among a community sample of schoolchildren. Acta Paediatr 2001; 90: 1450–5. MEDLINE
16. Spruyt K, O'Brien LM, Cluydts R, Verleye GB, Ferri R: Odds, prevalence and predictors of sleep problems in school-age normal children. J Sleep Res 2005; 14: 163–76. MEDLINE
17. Rabenschlag U: Parasomnien im Kindesalter – Epidemiologie und klinische Bedeutung. Wiener Klinische Wochenschrift 2000; 112 (Suppl. 2): 3–4.
18. Fricke-Oerkermann L, Lehmkuhl G: Nichtorganische Schlafstörungen im Kindesalter. Monatsschrift Kinderheilkunde 2007; 155: 616–23.
19. Fricke L, Lehmkuhl G: Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter. Göttingen: Hogrefe 2006.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

Anzeige