MEDIZIN: Referiert

Prävalenz von Depression und Angst bei Patienten mit Todeswunsch

Dtsch Arztebl 2009; 106(16): A-770 / B-654 / C-638

Schuster, Christina

Jeder Vierte, der um Sterbehilfe ersucht, ist depressiv. Zu diesem Ergebnis kommen Linda Ganzini von der Oregon University und ihre Kollegen in einer Querschnittsstudie im British Medical Journal (BMJ 2008; 337: a1682). Im US-Bundesstaat Oregon können Ärzte, unter dem „Death with Dignity Act“, Patienten im terminalen Stadium die letale Dosis eines Medikaments verschreiben, meist eines kurz wirksamen Barbiturats. Der Patient muss das Präparat allerdings selbst einnehmen. Außerdem müssen terminal Kranke an einen Spezialisten überwiesen werden, wenn der Verdacht besteht, eine psychische Störung könnte ihre Entscheidung beeinflussen.
Die Autoren untersuchten 58 Patienten, vornehmlich Krebskranke im Endstadium. Die Wissenschaftler diagnostizierten Depression und Angst nach dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“. 15 Personen wiesen eine Depression oder Angststörung auf. Von den insgesamt 46 Patienten, die explizit um Sterbehilfe gebeten hatten, bekamen 18 die letale Dosis verschrieben, von denen neun das Präparat einnahmen und verstarben. Drei von ihnen waren depressiv. Vor der Teilnahme an dieser Studie hatte man sie nicht psychiatrisch untersucht.
Obwohl die meisten der Patienten, die ein letales Medikament verschrieben bekamen, nicht depressiv waren, zeigt die Studie in den Augen der Autoren, dass durch den jetzigen Umgang mit dem Gesetz psychisch Kranke nicht ausreichend geschützt sind. Ganzini fordert daher Screening-Verfahren für depressive Störungen bei der Untersuchung von Patienten im terminalen Stadium. Die Wissenschaftler warnen aber auch vor einer Überbewertung der Ergebnisse. Die Möglichkeit bleibe, dass die drei Patienten nicht gegen die Auflagen des Gesetzes verstoßen hätten, wenn ein Psychiater zwar Depression diagnostiziert, er diese aber nicht als Grund für den vorzeitigen Todeswunsch erkannt hätte. cs

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