POLITIK

Ärztliche Versorgung in Heimen: Besser als ihr Ruf

Dtsch Arztebl 2009; 106(17): A-804 / B-685 / C-669

Hibbeler, Birgit

Die hausärztliche Versorgung in Pflegeheimen ist zufriedenstellend. Probleme gibt es aber in der fachärztlichen Betreuung, wie der GEK-Pflegereport zeigt.

Wenn es um die ärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern geht, dann ist oft von skandalösen Zuständen und Unterversorgung die Rede. Doch es spricht vieles dafür, dass die ärztliche Betreuung in Heimen deutlich besser ist als ihr Ruf. Heimbewohner werden durchschnittlich einmal im Quartal von einem Hausarzt aufgesucht. Damit werden sie signifikant häufiger hausärztlich betreut als Pflegebedürftige, die zu Hause leben – auch bei Berücksichtigung von Alter und wichtigen Erkrankungen. Das geht aus dem GEK-Pflegereport 2008 hervor.

„Es sieht so aus, als sei die hausärztliche Versorgung in Heimen im Durchschnitt zufriedenstellend“, sagt einer der Studienautoren, Prof. Dr. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen. „Hinweise auf eine Unterversorgung oder eklatante Engpässe gibt es nicht.“ Anders sehe es aber bei der fachärztlichen Versorgung aus, die nicht immer ausreichend sei. Dem GEK-Pflegereport zufolge gibt es insbesondere in der Betreuung durch Neurologen und Psychiater Mängel. So wird auch bei Vorliegen einer Demenz, Schizophrenie oder Parkinson-Krankheit der Zielwert von einem entsprechenden fachärztlichen Besuch pro Quartal bei Weitem nicht erreicht. Als problematisch wird in der Studie ebenfalls die Versorgung durch Augenärzte und Orthopäden eingestuft.

Für den GEK-Pflegereport wurden die Daten von rund 196 000 Versicherten ausgewertet. Nach Angaben Rothgangs ist dies gemessen an der Fallzahl die bislang größte Studie in Deutschland, die sich mit dem Thema ärztliche Versorgung in Heimen befasst. Zugleich weist er allerdings darauf hin, dass es sich um eine Auswertung von Routinedaten handle. Spezifische Fragestellungen seien daher nicht möglich, sondern nur ein Blick auf das Versorgungsgeschehen. Auch sei nicht überprüfbar, ob etwa alle medizinischen Diagnosen der Heimbewohner korrekt und vollständig seien. „Wie häufig ein Arztkontakt nun aber sein muss, damit die Patienten angemessen versorgt sind, lässt sich weder pauschal noch im Einzelfall wirklich genau beziffer“, heißt es außerdem im GEK-Pflegereport.

Aus Sicht von Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der mehr als 3 100 private Pflegeeinrichtungen vertritt, zeigt der GEK-Pflegereport, dass die ärztliche Versorgung in Pflegeeinrichtungen deutlich besser ist, als es oft dargestellt wird. „Die Behauptung, Heime seien ärztliches Entwicklungsland, ist zynisch und entbehrt jeder Grundlage“, erklärt Mauel. Die hausärztliche Versorgung in Heimen sei gesichert und häufig deutlich besser als bei Pflegebedürftigen, die zu Hause lebten. Einfache Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aus seiner Sicht aber noch bei der Koordination. Daher spricht sich der bpa-Geschäftsführer dafür aus, die Lotsenfunktion des Hausarztes zu stärken. Es liege nicht in der Verantwortung der Pflegefachkräfte, sondern des Hausarztes, bei Bedarf Fachärzte einzubeziehen. Das gelte auch für die Behandlung von Demenzkranken, deren Anteil in den stationären Pflegeeinrichtungen in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen sei. Feste Absprachen zwischen behandelnden Ärzten und den Mitarbeitern des Pflegeheims, zum Beispiel über Termine und Frequenz von Visiten, seien leicht zu erreichen. „Es ist nicht sinnvoll, dass an einem Tag drei Hausärzte in ein Pflegeheim kommen und dann wieder tagelang keiner.“ Dabei plädiert Mauel für pragmatische Lösungen vor Ort. „Wenn man die Kräfte bündelt und sich besser abspricht, profitieren alle.“ Wichtig sei, dass die Abläufe effizienter würden.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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