21 Artikel im Heft, Seite 6 von 21

Supplement: PRAXiS

Geschlossene Fonds: Gedämpfte Erwartungen

Dtsch Arztebl 2009; 106(18): [4]

Löwe, Armin

Foto: iStockphoto
Anders als die umstrittenen Zertifikate investieren Beteiligungsmodelle in „Sachwerte“ wie Immobilien oder Schiffe, die von der Krise profitieren dürften. Allerdings sind die Preise für diese Vermögenswerte derzeit überhöht, was nur geringe Renditen verspricht.

Etwas mehr als zehn Milliarden Euro haben die geschlossenen Fonds im vergangenen Jahr bei den deutschen Anlegern eingesammelt. Das ist zwar etwas weniger als im Jahr zuvor (12,66 Milliarden Euro), aber in Anbetracht der Finanzkrise war das Absatzergebnis besser als erwartet. Vor allem war der Einbruch nicht so gravierend wie bei konkurrierenden Kapitalanlageinstrumenten wie Investmentfonds oder Zertifikaten. Geschlossene Fonds sind Beteiligungsmodelle, die in Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, Private Equity, New Energy und Zweitmarktlebensversicherungen investieren. Die Zahlen ermittelte Feri EuroRating Services, die die früher von Analyst Stefan Loipfinger erstellte Studie weiterführt.

Die geschlossenen Fonds sind im Allgemeinen als Kommanditgesellschaften konzipiert, denen der Anleger als Kommanditist beitritt. Ist das Kommanditkapital platziert, ist der Fonds geschlossen. Neue Anleger werden nicht mehr aufgenommen, und die Kommanditisten können normalerweise die Gesellschaft nicht verlassen, daher die Bezeichnung „geschlossener Fonds“. Die Hauptprodukte sind geschlossene Immobilienfonds (Marktanteil: 34 Prozent) und Schiffe (29,3 Prozent).

Auch für das laufende Jahr sind die Absatzerwartungen sehr gedämpft.
Zwar macht die Branche geltend, dass man anders als etwa die ins Gerede gekommenen Zertifikate nicht in „Scheinwerte“, sondern in „Sachwerte“ wie eben Immobilien und Schiffe investiere (die per Saldo von der Krise profitieren sollten). Allerdings gelten die Preise dieser Vermögenswerte als überhöht.

Das schwächste Absatzergebnis seit Erfassung der Verkaufszahlen im Jahr 1993 mussten die geschlossenen Immobilienfonds mit einem platzierten Kommanditkapital von 3,47 Milliarden Euro hinnehmen. Die Emissionshäuser hoffen indes, dass die geschlossenen Immobilienfonds, die in Deutschland investieren, als erste profitieren, wenn die Anleger ihre Zurückhaltung aufgeben und statt Festgeld wieder reale Werte bevorzugen. Vollvermietete Objekte, die aus den Mieteinnahmen einen sicheren Cashflow haben, den sie für Ausschüttungen verwenden können, werden nach Meinung der Fondsexperten vorneweg in der Gunst der Anleger stehen. Schließlich gilt die Immobilie gerade in Krisenzeiten als sichere Fluchtburg. Und der Blick geht schon in die fernere Zukunft. Immobilien werden nach Überwindung der Rezession wieder stärker gefragt sein, wenn sich zeigen sollte, dass die enormen Ausgabenprogramme zur Konjunkturstimulierung neue Inflationsgefahren heraufbeschwören könnten. Die Immobilie sehen die Bundesbürger als Inflationsschutz par excellence.

Allerdings: Geschlossene Immobilienfonds werden für Anleger erst wieder interessant, wenn die Preise für Immobilien wieder zurückgehen und Eingangsrenditen (Jahresnettomiete in Prozent des Kaufpreises der Immobilien) von rund sieben Prozent möglich sind. In den letzten zwölf Monaten ist in Deutschland die durchschnittliche Eingangsrendite für Büroobjekte bereits von 4,57 auf 5,41 Prozent gestiegen, die Preise sind also dementsprechend gesunken. Eine Eingangsrendite von sieben Prozent würde wieder Anfangsausschüttungen der geschlossenen Fonds ermöglichen, wie sie 2005 noch üblich waren.

Schiffsfonds konnten sich mit einem Absatz von rund drei Milliarden Euro vergleichsweise gut behaupten (2007: 3,58 Milliarden Euro – bisheriger Rekord), aber hier stehen die Zeichen für 2009 eher ungünstig. Die Charterraten in der Containerschifffahrt sind eingebrochen, und bei den Massengutfrachtern („Bulker“) sind sie sogar auf fünf Prozent des noch im Mai 2008 notierten historischen Höchststands gefallen. Zudem kommen zahlreiche in den vorausgegangen Boomjahren bestellte Schiffe auf den Markt, die ebenfalls die Charterraten drücken könnten.

Zum Produkt des Jahres avancierten Flugzeugfonds, die erst 2007 nach einem Höhenflug in der Verlustzuweisungsära (Steuervorteile) wiederentdeckt wurden. Insgesamt 711 Millionen Euro investierten Anleger in geschlossenen Flugzeugfonds, das bedeutet ein Plus von 168,2 Prozent. Allerdings entfiel der Großteil des gezeichneten Kapitals auf das erste Halbjahr; nach der Lehman-Pleite im September 2008 und der damit verbundenen Eskalation der Finanzkrise ist der Mittelzufluss bei den Flugzeugfonds stark zurückgegangen.

Zum Trendprodukt entwickelten sich im letzten Jahr die Waldfonds. Nicht weniger als neun Waldfonds kamen im letzten Jahr auf den Markt, die 72 Millionen Euro Kommanditkapital einsammelten. Erst im Jahr 2007 war Holz als neue Assetklasse der geschlossenen Fonds entdeckt worden.

Die großen Verlierer im letzten Jahr waren Private Equity-Fonds, die in nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligungen investieren, und die Policenfonds, die Lebensversicherungsverträge am Zweitmarkt erwerben und weiterführen. Bei Private Equity halbierte sich das Platzierungsvolumen auf 1,08 Milliarden Euro. Und die Policenfonds, die auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung über 1,5 Milliarden Euro Kommanditkapital einsammeln konnten, kamen 2008 lediglich auf 550 Millionen Euro.

Stark zurückgegangen ist der Absatz von geschlossenen Fonds durch die privaten Banken, die in den letzten Jahren erhebliche Marktanteile gewonnen hatten. Es wird darüber gerätselt, ob sich die Bankberater nicht mehr unter die Augen der Kunden wagen, nachdem diese mit Bankprodukten so viel Geld verloren haben, oder ob die Kunden den Banken aufgrund der von diesen verursachten Finanzkrise nicht mehr trauen. Armin Löwe
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