POLITIK

Nationales Demenzzentrum: Einzigartig in Europa

Dtsch Arztebl 2009; 106(28-29): A-1450 / B-1236 / C-1204

Rose, Christina

Am DZNE in Bonn wird künftig Grundlagenforschung in enger Zusammenarbeit mit Universitäten und Kliniken betrieben. Neben der Einrichtung in Bonn sind sieben Partnerstandorte geplant. Das DZNE soll Vorbild sein für weitere Bündnisse von Forschungseinrichtungen, Universitäten und Kliniken. Foto: Laif
Mit dem „Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen“ entsteht eine Forschungseinrichtung mit Vorbildcharakter.

Auf dem Gelände der Bonner Universitätsklinik wird noch nicht einmal gebaut. Seine Arbeit hat das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) jedoch schon Ende Juni aufgenommen. Die Einrichtung ist dafür vorübergehend im Forschungszentrum Caesar in Bonn untergebracht. Ziel des Zentrums ist die Erforschung der Mechanismen und Pathologie neurodegenerativer Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer oder Parkinson. Großen Wert legen die Organisatoren auf die Nähe zum Patienten. Geplant ist ein Informationszentrum, das bundesweit als Ansprechpartner für pflegende Angehörige dient. Ein nationales Register für neurodegenerative Erkrankungen soll helfen, neue Leitsätze für die Diagnostik und Pflege zu formulieren, um die Versorgung und damit auch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

„Das DZNE wird Vorbild sein für weitere langfristige Bündnisse von Forschungseinrichtungen, Universitäten und Kliniken zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Man werde die Gesundheitsforschung in Deutschland in deutschen Zentren für Gesundheitsforschung strategisch und strukturell weiterentwickeln. Bereits zwei Wochen zuvor hatte die Ministerin gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum den Startschuss für ein neues länderübergreifendes Bündnis in der Krebsforschung gegeben (siehe dazu „Mehr Kooperation soll Leben retten“ in DÄ, Heft 26/2009).

Gemeinsam gegen Demenz
In Bonn werden künftig die Fäden im Bereich der neurodegenerativen Forschung zusammenlaufen. Unter dem Dach der Helmholtz-Gemeinschaft wird es neben dem Hauptsitz sieben Partnerstandorte in Deutschland geben. „Wir nutzen alle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis optimal zum Wohl der Erkrankten“, sagte Schavan. Diese Form der Zusammenarbeit setze auf Arbeitsteilung, weil es in der Demenzforschung auf neue Ideen der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ankäme. Ein Standort alleine könne dies nicht leisten. Das Konzept ist in Europa einzigartig. Im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Instituten wird das DZNE eng mit den Universitäten zusammenarbeiten und über ein Jahresbudget von bis zu 66 Millionen Euro verfügen (siehe dazu „Das ist gewaltig, was hier entsteht“ in DÄ, Heft 44/2008).

Eines wurde bei der Eröffnung des DZNE klar: Die Zeit drängt. Laut WHO werden im Jahr 2040 die neurodegenerativen Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Bereits heute leiden mehr als eine Million Menschen an den Folgen einer Demenz, die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei 200 000 pro Jahr. Man nähme diese Krankheiten nicht einfach als Schicksal hin, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU): „Wir wollen als Gesellschaft mit den Krankheiten aktiv umgehen. Noch mehr: Wir wollen sie bekämpfen.“ Es sei daher völlig richtig, alle Kräfte zu mobilisieren. Das ist auch wichtig, denn obwohl sich manche Therapien heute bereits positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken, sind derzeit keine Behandlungen in der Entwicklung, die Hoffnung auf eine effektive Heilung machen. Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, warnte denn auch vor zu hohen Erwartungen. Man könne nicht in ein bis zwei Jahren mit Medikamenten gegen Demenz rechnen. Vielmehr sei ein langer Atem nötig. Das systematische Konzept des DZNE solle dazu beitragen, wichtige Resultate aus der Grundlagenforschung rasch auf ihre klinische Anwendbarkeit hin zu überprüfen. „Wir können das Problem nicht unseren Kindern überlassen. Wir müssen es vorher lösen,“ unterstrich auch Gründungspräsident Prof. Dr. Pierluigi Nicotera. „Das neue Zentrum kann zum weltweiten Vorbild werden. Denn so planvoll und gezielt wird nirgendwo anders Demenzforschung betrieben.“
Christina Rose
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