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MEDIZIN: Diskussion

Rauschtrinken im Kindes- und Jugendalter – Epidemiologie, Auswirkungen und Intervention: Jugendliches Rauschtrinken

Binge Drinking in Childhood and Adolescence – Epidemiology, Consequences, and Interventions: Binge Drinking in Adolescents

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(37): 595; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0595a

Zimmermann, Ulrich S.; Laucht, Manfred

Die Ausführungen von Stolle et al. wollen wir um einige wichtige Aspekte ergänzen, welche in unseren zitierten Übersichtsarbeiten ausführlicher dargestellt sind.

Zum Thema „besondere Risikokonstellationen“ weisen wir auf die vorliegenden umfassenden Arbeiten zum Einfluss genetischer Schutz- und Risikofaktoren hin, die mehr als die Hälfte des Risikos für exzessiven Alkoholkonsum und die Entwicklung von Alkoholabhängigkeit erklären. Bei Kindern und Jugendlichen ist ihr Effekt unter Anderem durch Wechselwirkungen mit Stressbelastungen nachgewiesen, welche bereits weit vor dem ersten Alkoholkonsum stattfinden können (13). Für die erwähnten externalisierenden Verhaltensstörungen des Kindesalters sind mittlerweile einige Mechanismen bekannt, über die sie das Risiko für Alkoholstörungen erhöhen können. Mehrere Therapiestudien weisen darauf hin, dass hier sowohl medikamentöse als auch verhaltenstherapeutische Interventionen das Risiko für spätere Alkoholstörungen senken können (1).

Neben den von Stolle et al. betonten mittelbaren Risiken und Schäden übermäßigen Alkoholkonsums durch Unfälle, suizidale Handlungen und riskante Verhaltensweisen ist auch die unmittelbar alkoholinduzierte Gehirnschädigung von Bedeutung. Sie ließ sich in mehreren Studien bereits bei Jugendlichen anhand verminderter Leistungsfähigkeit in neuropsychologischen Tests sowie durch funktionelle bildgebende Verfahren nachweisen (3).

Das Wissen um diese sehr heterogenen Risikofaktoren könnte sich für Präventionsbemühungen nutzen lassen, indem es ermöglicht, Kinder und Jugendliche mit besonders hoher Suchtgefährdung rechtzeitig zu identifizieren und sie nach den Grundsätzen der motivierenden Gesprächsführung möglichst früh über diese Tatsache und ihre Hintergründe aufzuklären. Dies kann die Betroffenen dazu veranlassen, sich aktiv mit ihrer Gefährdung auseinanderzusetzen und dazu führen, dass sie von sich aus zu richtigen Schlussfolgerungen bezüglich risikoverringernder Verhaltensänderungen kommen.

DOI: 10.3238/arztebl.2009.0595a

PD Dr. med. Ulrich S. Zimmermann
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
E-Mail: ulrich.zimmermann@uniklinikum-dresden.de

Prof. Dr. med. Manfred Laucht
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie des Kindes- und
Jugendalters
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
68159 Mannheim
E-Mail: manfred.laucht@zi-mannheim.de
1.
Zimmermann US, Blomeyer D, Laucht M, Mann KF: How gene-stress-behavior interactions can promote adolescent alcohol use: the roles of predrinking allostatic load and childhood behavior disorders. Pharmacology, Biochemistry and Behavior 2007; 86: 246–62. MEDLINE
2.
Laucht M, Treutlein J, Schmid B, et al.: Impact of psychosocial adver-sity on alcohol intake in young adults: Moderation by the LL genotype of the serotonin transporter polymorphism (5-HTTLPR). Biol Psychiatr, im Druck. doi:10.1016/j.biopsych.2009.02.010 MEDLINE
3.
Zimmermann US, Mick I, Mann K: Neuobiologische Aspekte des Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen. Sucht 2008; 54: 335–45.
4.
Stolle M, Sack PM, Thomasius R: Binge drinking in childhood and adolescence: epidemiology, consequences, and interventions [Rauschtrinken im Kindes- und Jugendalter: Epidemiologie, Auswirkungen und Intervention]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(19): 323–8. MEDLINE

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