KULTUR

„Wenn Ärzte töten“: Vom Heiler zum Mörder

Dtsch Arztebl 2009; 106(51-52): A-2570 / B-2214 / C-2146

Osterloh, Falk

Robert Jay Lifton zählt zu den großen Erforschern der menschlichen Seele. Als Mitbegründer der sogenannten Psychohistorie hat er die Auswirkungen von extremen Drucksituationen auf die Psyche untersucht, insbesondere von Kriegsopfern, aber auch von Kriegsverbrechern. Für sein Buch „Ärzte im Dritten Reich“ hat er die Mediziner interviewt, die in Auschwitz für den Mord an Hunderttausenden von Juden verantwortlich waren. Zu seinen Thesen gehört, dass der Mensch nicht von sich aus grausam ist, dass er aber unter bestimmten gesellschaftlichen Voraussetzungen grausame Verbrechen begehen kann. Der Mensch besitzt laut Lifton die Fähigkeit, sein Selbst zu doppeln. Während der eine Teil grausame Taten begehen kann, bleibt der andere, zum Beispiel im Urlaub, davon unberührt.

Das gedoppelte Ich: Robert Jay Lifton erklärt die Abgründe der menschlichen Seele. Foto: docfilm/W-film
Die beiden Dokumentarfilmer Hannes Karnick und Wolfgang Richter haben nun einen Interviewfilm mit Robert Jay Lifton gedreht, in dem der heute 83-Jährige die zentralen Aspekte seiner Arbeit über Ärzte im Nationalsozialismus präsentiert. Herausgekommen ist ein etwas wortlastiger, uninspiriert inszenierter Dokumentarfilm, der jedoch sowohl durch die Präsenz seines Protagonisten als auch durch den Gehalt von Liftons Forschung ein großes Gewicht erhält. „Wenn Ärzte töten“ ist eine gute Gelegenheit, Robert Jay Lifton und seine Arbeit kennenzulernen. Kinostart: 3. Dezember.
Falk Osterloh
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