AKTUELL: Akut

Knochenmarkzellen verhindern Reinfarkt

Dtsch Arztebl 2010; 107(3): A-60 / B-52 / C-52

Meyer, Rüdiger

Eine Infusion von hämatopoetischen Vorläuferzellen aus dem Knochenmark in die Koronarien kann bei Herzinfarktpatienten die Prognose verbessern. Die jüngsten Ergebnisse einer in Deutschland und der Schweiz durchgeführten Studie in „Circulation: Heart Failure“ (2009, doi: 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.108.843243) dokumentieren eine signifikante Reduktion der Reinfarktrate.

Standard in der Behandlung des Herzinfarkts ist eine Reperfusionstherapie, bei der die blockierten Koronargefäße durch einen Katheter passierbar gemacht werden und zumeist mit einem Stent vor einer erneuten Stenose geschützt werden. Bei den 204 Teilnehmern der „Reinfusion of Enriched Progenitor Cells And Infarct Remodeling in Acute Myocardial Infarction“ oder REPAIR-AMI-Studie wurde drei bis sieben Tage nach dieser Therapie erneut eine Herzkatheterbehandlung durchgeführt. Das Ziel war dieses Mal die Injektion einer Suspension von Vorläuferzellen, welche die Kardiologen am Tag zuvor dem Knochenmark der Patienten entnommen hatten und die zwischenzeitig von einem zentralen Zellaufbereitungslabor isoliert und gereinigt worden waren. Da es sich um eine randomisierte kontrollierte Studie handelte, erhielt jeder zweite Patient eine Placebobehandlung.

Frühere Auswertungen hatten gezeigt, dass die Vorläuferzellen die Erholung des Herzmuskels fördern, erkennbar an einer verbesserten linksventrikulären Auswurffraktion. Jetzt kann die Gruppe um Volker Schächinger von der Universität Frankfurt am Main zeigen, dass die verbesserte Funktion auch die Prognose der Patienten verbessert. Zwei Jahre nach der Therapie ist es bei keinem der 101 mit Vorläuferzellen behandelten Patienten zu einem erneuten Herzinfarkt gekommen gegenüber sieben Reinfarkten unter den 103 Patienten aus dem Placebo-Arm. Das ist ein signifikanter Unterschied, der die Wirksamkeit des umstrittenen Therapieansatzes weiter untermauert.

Die intrakoronare Infusion der Vorläuferzellen senkte auch die Zahl der Todesfälle (drei versus acht) und der Patienten, die eine erneute Revaskularisierung benötigten (25 versus 38), sowie die Zahl der Patienten, die wegen einer Herzinsuffizienz hospitalisiert werden mussten (null versus fünf).

Die Kardiologen führen die Wirkung auf eine Stimulierung der Blutgefäßbildung und der Perfusion im Myokard zurück. Sie sprechen von Vorläuferzellen, da die Knochenmarkzellen weitaus differenzierter sind als reine Stammzellen. rme
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