BRIEFE
Chirurgie: Kleine Häuser nicht ausschließen
Dtsch Arztebl 2010; 107(6): A-240 / B-211 / C-207

Mit Interesse habe ich zur Kenntnis genommen, dass ein die Viszeralchirurgen und Gastroenterologen seit 2007 zunehmend beschäftigendes Thema erneut Eingang in das DÄ gefunden hat. Da ich zu den im Artikel zitierten Chirurgen gehöre, erlauben Sie mir bitte die folgenden Anmerkungen zu machen:
Bei nun mehr als 160 transvaginalen Cholezystektomien und mehr als 30 transvaginal assistierten kolorektalen Eingriffen habe ich in dem von mir persönlich als auch gynäkologisch nachgesorgten Patientinnenkollektiv keine Probleme gesehen. Es ist sogar bei einer jüngeren Patientin nach einer transvaginalen Sigmaresektion zu einer erneuten Schwangerschaft gekommen, so dass sie ihr viertes Kind in unserem Krankenhaus zur Welt bringen will.
Erneut besorgniserregend finde ich hingegen den Kommentar vom Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Prof. Dr. Hartwig Bauer. Zum wiederholten Male werden Forderungen laut, durch welche kleinere Krankenhäuser, zu denen auch meine Klinik gehört, unabhängig von der vor Ort vorhandenen chirurgischen Kompetenz, von bestimmten Operationsverfahren ausgeschlossen werden sollen.
In mehr als 50 Vorträgen im In- und Ausland im Jahre 2009, mit mehr als 150 Hospitanten und insgesamt diversen Liveoperationen anlässlich verschiedener Kongresse und im Rahmen der Einführung dieser neuen OP-Techniken an anderen Kliniken habe ich gezeigt, dass die Einführung neuer Operationsverfahren, ebenso wie die verantwortungsvolle Durchführung bereits etablierter Operationsverfahren, in die Hand des für diese Operation die Verantwortung übernehmenden Chirurgen gehören. Ich für meinen Teil jedenfalls kläre die Patientinnen über die von mir durchgeführten Operationen hinsichtlich Anzahl und aufgetretener Komplikationen sehr genau auf und fände es wesentlich wichtiger, als den Ruf der Unterbindung bestimmter Operationstechniken zu äußern, die Chirurgen, die bereits Erfahrungen haben, hinsichtlich der Erfassung und Auswertung ihrer Daten zu unterstützen. Diesen Ansatz haben leider speziell Kliniken mit großen Fallzahlen als auch die Berufsverbände bisher nicht wahrgenommen, da die hier im Mittelpunkt stehenden Themenkomplexe nicht immer Bezug zum chirurgischen Alltag haben . . .
Dr. Jens Burghardt, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH, 15562 Rüdersdorf
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